Deutliche Zurückhaltung beim Geldausgeben

Weihnachtstreff: Es geht auch ohne Kostenfresser

Noch einmal versammelten sich Interessierte, um gemeinsam Glühwein und Co. zu genießen. Seit Freitagabend ist der Weihnachtstreff beendet.
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Noch einmal versammelten sich Interessierte, um gemeinsam Glühwein und Co. zu genießen. Seit Freitagabend ist der Weihnachtstreff beendet.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Der Betreiber Marcel Müller zieht Bilanz am Ende des Weihnachtstreffs.

Remscheid. Sechs Wochen nach seiner Eröffnung endete der Weihnachtstreff Freitagabend bei tristem, regnerischem Wetter, aber einem spektakulären Feuerwerk. Auf dem Theodor-Heuss-Platz vor dem Rathaus herrschte zwischen und in den Holzbuden ein letztes Mal massig Betrieb. Ein würdiger, aber auch der erwartete Abschluss, wie Betreiber Marcel Müller befand. Wenn er mit seinem Bruder Alexander Burghard auf die Zeit nach dem 11. November zurückblickt, fällt die Bilanz so aus: „Wir sind nicht unzufrieden, aber es war am Ende ein durchwachsenes Jahr.“

Man habe gespürt, dass die Menschen nach der Aufhebung der Pandemie-Beschränkungen Lust aufs Rausgehen hatten. Müller und Burghard stellten aber ebenso fest, dass durch Inflation und Energiekrise eine deutliche Zurückhaltung beim Geldausgeben zu spüren gewesen war. „Wer sich früher drei Glühwein gönnte, bei dem waren es dieses Jahr nur zwei.“ Marcel Müller ist froh, als Standbetreiber die Preise nicht erhöht zu haben. „Der Glühwein kostet seit drei Jahren vier Euro, das Bier blieb bei 3,50 Euro pro 0,33 Liter. Wir haben mit spitzem Stift gerechnet, aber das war es uns wert. Ich kenne viele Weihnachtsmärkte, die ein höheres Preisniveau hatten.“

Den Schlusspunkt setzte ein Feuerwerk, das auf dem Theodor-Heuss-Platz und seiner Umgebung die Blicke auf sich zog.

2023 sind Müller und Burghard im 20. Jahr vor Weihnachten in Remscheid. Angefangen haben sie mit Ständen auf der Alleestraße, seit 2013 liegt der Treff in ihren Händen. In Regie der niedersächsischen Schaustellerfamilie hat der Markt an Format gewonnen. Jedes Jahr wurde nachgebessert, an Stellschrauben gedreht. Die Eisbahn erwies sich dabei als Publikumsmagnet. Dass sie dieses Jahr angesichts davongaloppierender Energiekosten, aber auch der Statikprobleme des darunter befindlichen Tiefgaragendachs abgesagt worden war, ist für Marcel Müller kein Beinbruch. „Ich dachte, wir würden nach der Absage in den sozialen Medien zerrissen. Das Gegenteil war der Fall. Es gab Verständnis für die Entscheidung.“ Denn die Eisbahn ist eine Energieschleuder und ein Kostenfresser. Die 170 000 Euro, die für 2022 im Raum standen, wären ohne die lokalen Sponsoren nicht zu realisieren gewesen. Müller gibt auch zu bedenken: „Zu Beginn des Weihnachtstreffs hatten wir 17 Grad plus, da hätten wir die Bahn nicht laufenlassen können. Dann kam zwar die kalte Zeit, aber auch die letzten Tage war es wieder zu warm.“

„Ich dachte, wir würden nach der Absage zerrissen.“

Marcel Müller, Marktbetreiber

Dass die Schlittschuhe nächstes Jahr wieder ausgepackt werden können, ist fraglich. Denn losgelöst von Energiepreisen bleibt die Frage der Tiefgaragendecke. Ob die im November 2023 saniert sein wird, ist unwahrscheinlich. Marcel Müller und Alexander Burghard werden nicht unvorbereitet sein. „Wir haben zwei, drei Projekte im Kopf, mit denen wir den Weihnachtstreff noch kinder- und jugendfreundlicher gestalten können.“ Das betagte Kettenkarussell, das die Familie dieses Jahr erstmals fliegen ließ, entpuppte sich als nostalgischer Glücksgriff und soll zur Dauereinrichtung werden.

Für 2023 könnte sich Müller vorstellen, Eisstockbahnen einzuplanen. Mit Überdachung könnte Müller sie sich als Attraktion vorstellen. Ein spezieller Kunststoff-Belag lässt die Curlingbahn wie eine Eisfläche aussehen und bietet vergleichbare Gleiteigenschaften für die Eisstöcke. Der Energieaufwand wäre niedrig.

Aufgestockt werden auch die Hütten, in die sich kleinere Gruppen zurückziehen können. Dieses Jahr wurden sie super angenommen. „Wir hatten über 50 Anfragen jeden Tag, aber nur zwölf Hütten, die wir vermieten konnten. Offensichtlich haben wir damit einen Nerv getroffen“, freut sich Müller.

Abbau bis Silvester

Freitagabend hatte der Weihnachtstreff auf dem Theodor-Heuss-Platz seinen Schlussakkord: Mit dem musikalisch untermalten Feuerwerk, abgeschossen vom Sparkassengebäude, ging der Markt nach sechs Wochen zu Ende. Schaustellerfamilie Müller wollte Heiligabend in ihrer Heimat Sehnde bei Hannover feiern, danach zurückkehren, um mit dem Abbau zu beginnen. Vor Silvester wird der Platz geräumt sein.

Standpunkt von Frank Michalczak: Das größte Geschenk

frank.michalczak@rga.de

Nun ist auch der Weihnachtstreff 2022 Geschichte. Und es hat sich gezeigt: Eine Eisbahn ist ganz sicher eine Attraktion, aber sie ist nicht unerlässlich, um vorweihnachtliche Atmosphäre zu erzeugen. Was wirklich zählte, waren die Gelegenheiten, mal wieder rauszugehen, Menschen zu treffen – und nach der endlosen Zeit von Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht sie sogar mal wieder in die Arme schließen zu können.

Und: Die Besucher konnten für einige Momente den Alltag hinter sich lassen, der von steigenden Preisen, Unsicherheiten und Ängsten durch den Krieg in der Ukraine geprägt ist. Da passte es gut ins Bild, dass die Preise auf dem Weihnachtstreff konstant blieben – dem allgemeinen Trend zum Trotz. Es wird höchstwahrscheinlich auch 2023 keine Eisbahn geben, aber hoffentlich einen Weihnachtstreff in Friedenszeiten. Es wäre das wertvollste Geschenk, das uns das kommende Jahr bereiten kann.

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