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Energiekrise: Entscheidung zum Weihnachtstreff 2022 ist gefallen

Ein Betrieb der Eisbahn wäre unverantwortlich.
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Der Verzicht zeichnete sich seit Wochen ab, jetzt ist er amtlich: Der Remscheider Weihnachtstreff auf dem Theodor-Heuss-Platz wird in diesem Winter ohne die beliebte Eislauffläche stattfinden.

Remscheid. „Naturgemäß bringt eine Eisbahn einen sehr hohen Energieverbrauch mit sich. Mit Blick auf die im Winter zu erwartende Energiekrise und vor dem Hintergrund der Pflicht zur Energieeinsparung wäre der Betrieb in diesem Jahr unverantwortlich“, entschieden der Veranstalter Marcel Müller und die Stadt Remscheid einvernehmlich. 2021 nahm das Herzstück – inklusive der zwei Bahnen für das Eisstockschießen – eine Fläche von 822 Quadratmetern ein. Damit bekam Remscheid eine der größten Mieteisbahnen in Deutschland aufgebaut. Die Kosten dafür lagen bei über 170 000 Euro.

Die Durchführung des Weihnachtstreffs 2022 steht indes nicht zur Diskussion. „Wir werden auch ohne die Eisbahn den Rathausplatz gemütlich herrichten und prüfen jetzt Möglichkeiten, um Familien und Kindern ein Angebot anstelle der Eisbahn machen zu können“, erklärt Marcel Müller. Mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hofft der Schausteller, dass die Eisbahn 2023 wieder zum Einsatz kommen kann. -AWe-

Erstmeldung von 12.19 Uhr

Keine Eisbahn: Entscheidung zum Weihnachtstreff 2022 ist gefallen

Der Weihnachtstreff 2022 auf dem Theodor-Heuss-Platz soll stattfinden. Statt Eisbahn soll es Alternativen geben. Auch die Fußball-WM ist ein Thema.

Der Weihnachtstreff am Rathaus soll stattfinden. Eine Eisbahn gibt es nicht.

Remscheid. Mit Blick auf die Energiekrise steht nun fest: In diesem Winter wird es keine Eisbahn vor dem Remscheider Rathaus geben. Jetzt will Veranstalter Marcel Müller andere Möglichkeiten prüfen, um das Budendorf weiter aufzuwerten.

Das teilte die Stadt Remscheid am Dienstag mit. „Naturgemäß bringt eine Eisbahn einen sehr hohen Energieverbrauch mit sich“, heißt es zur Begründung: Mit Blick auf die im Winter zu erwartende Energiekrise wäre der Betrieb „in diesem Jahr unverantwortlich“. Die Entscheidung sei einvernehmlich zwischen Veranstalter Marcel Müller und der Stadt getroffen worden.

Der Weihnachtstreff selbst stehe nicht zur Diskussion. „Wir werden auch ohne die Eisbahn den Rathausplatz schön und gemütlich herrichten und prüfen jetzt andere Möglichkeiten, um Familien und Kindern ein Angebot anstelle der Eisbahn machen zu können“, sagt der Betreiber Marcel Müller. Er und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hoffen darauf, die Eisbahn 2023 wieder anbieten zu können.

Weihnachstreff 2022: Termin

Der Weihnachtstreff findet vom 11. November bis 23. Dezember statt. Neben kulinarischen Genüssen „andere familiengerechte Attraktionen“ zu erwarten.

Weiteres Problem: Theodor-Heuss-Platz nicht tragfähig wie früher

Ein weiteres Problem zeichnete sich im Vorfeld ab - das nun keine Rolle mehr spielt: Wie berichtet, darf der Theodor-Heuss-Platz gegenwärtig nur mit Fahrzeugen befahren werden, deren Gesamtgewicht maximal neun Tonnen beträgt. Zuvor waren zwölf Tonnen erlaubt. Grund für die Einschränkung ist ein Wasserschaden.

Den hatten Autofahrer der Stadt gemeldet. An mehreren Stellen dringt Wasser in die Tiefgarage der Stadtwerke-Tochter Park Service Remscheid GmbH (PSR) ein. Das Unternehmen hat der Verwaltung daraufhin empfohlen, die Belastung des Platzes, der zugleich Dach der Garage ist, zu verringern. Dies ist geschehen. Aufwändige Statik-Prüfungen für die Eisbahn entfallen nun.

Diese Alternativen zur Eisbahn gibt es

Als Alternativen zur Eisbahn hatte Veranstalter Marcel Müller beispielsweise eine Winterrutsche, Kindereisenbahn oder ein großes Weihnachtskarussell genannt. Der Schausteller aus Hannover kann auf eigene Fahrgeschäfte ebenso zurückgreifen wie auf die Dienste seiner Kollegen aus der Branche. Unter anderem betrieb er beim Berliner Volksfestsommer in Tegel einen Verlosungsstand, in Hamburg gastierte er mit einer Geisterbahn.

Die Menschen wollen endlich mal wieder ihren Alltag vergessen können.

Marcel Müller

Auch auf der Cranger Kirmes war Müller präsent. Er beobachtete im Sommer, dass es wieder deutlich mehr Menschen auf die Rummelplätze zog. „Die Menschen wollen endlich mal wieder ihren Alltag vergessen können und ein paar schöne Stunden erleben“, stellt er mit Blick auf die Isolation in Zeiten der Corona-Pandemie fest.

Das aber heißt nicht, dass die Kassen bei den Schaustellern klingeln. „Die Leute gönnen sich eine Fahrt statt zwei Fahrten auf der Achterbahn und teilen ihr Essen an den Imbissständen. Die Folgen der Inflation sind spürbar,“ sagt Müller. Dabei leide auch seine Branche unter den massiv gestiegenen Kosten für Energie und Treibstoff, die wiederum zu Preissteigerungen führten.

Seit 2013 kümmert sich das Familienunternehmen Müller um die Ausrichtung des Weihnachtstreffs auf dem Theodor-Heuss–Platz, der seinen Charakter behalten soll. „Die Remscheider schätzen Gemütlichkeit“, hat er festgestellt.

Fußball-WM in Katar: Spiele könnten zu sehen sein

Zusammenrücken können sie auch beim gemeinsamen Mitfiebern, schließlich geht während des Weihnachtstreffs die Fußballweltmeisterschaften über die Bühne. „Es wird keine Fanmeile geben, aber ganz bestimmt die Möglichkeit, Spiele gemeinsam auf Flachbildschirmen zu verfolgen“, kündigt Marcel Müller an.

Er hofft, dass der Weihnachtstreff als Gesamtveranstaltung wegen der Energiekrise nicht gefährdet ist. „Während die Menschen uns besuchen, verbrauchen sie in ihren eigenen vier Wänden ja keinen Strom“, erklärt Müller, der bis 2025 den Vertrag mit der Stadt erfüllen will, den Weihnachtstreff zu betreiben. Danach erfolgen neue Verhandlungen über die Konzession.

Standpunkt von Frank Michalczak: Aus der Zeit gefallen

frank.michalczak@rga.de

Es ist absehbar, dass die Folgen der Energiekrise Remscheid verändern werden. Die öffentliche Beleuchtung wird reduziert. Ampeln sollen nachts abgeschaltet werden. Jeder Einzelne ist aufgefordert, Strom zu sparen und kürzer zu duschen. Da passt eine Schlittschuhbahn nicht mehr ins Bild. So schön sie auch in der Vergangenheit vor dem Rathaus war, so wirkt sie heute als Stromfresser aus der Zeit gefallen.

Das gilt aber nicht für den Weihnachtstreff. Er ermöglicht es, dass die Menschen in der Krise zusammenrücken, dass sich die Remscheiderinnen und Remscheider wiedersehen - nach der endlos langen Zeit der Kontaktbeschränkungen. Aber auch dabei gilt es, Verzicht zu üben: Gigantische Festbeleuchtung und Lichtermeere sind in der kommenden Adventszeit ganz sicher nicht das Gebot der Stunde. Es wird ein anderer Weihnachtstreff werden - mit Glühwein beim Fußballgucken. Und mit deutlich weniger Lämpchen und Leuchten.

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