Teo Otto Theater

Wegen eines Artikels ist Can Dündar in seiner Heimat ein Staatsfeind

Horst Kläuser (li.) im Gespräch mit dem türkischen Journalisten Can Dündar im Teo Otto Theater. Foto: Roland Keusch
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Horst Kläuser (li.) im Gespräch mit dem türkischen Journalisten Can Dündar im Teo Otto Theater.

Der türkische Journalist Can Dündar war zu Gast im Teo Otto Theater.

Von Sabine Naber

Remscheid. Eigentlich wollte das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel am Donnerstagabend mit dem Schauspiel „Verräter“ nach dem Buch von Can Dündar ins Teo Otto Theater kommen. Weil das zurzeit aber nicht möglich ist, holte Horst Kläuser den türkischen Journalisten und Autor sowie den Regisseur des Westfälischen Landestheaters Christian Scholze nach Remscheid und ließ beide in seiner Talk-Show „Kall nit – stell dich“ zu Wort kommen. Zu sehen und zu hören war das als Livestream auf dem Youtube-Kanal des Theaters. Eingespielt wurden zudem einige beeindruckende Szenen des Stückes, das Can Dündars wahre Geschichte erzählt.

Passend auch zum Tag der Internationalen Pressefreiheit in dieser Woche, interviewt Kläuser den in Berlin im Exil lebenden Journalisten Can Dündar, der in seiner Heimat zum Staatsfeind erklärt wurde, weil er als Chefredakteur über geheime Waffenlieferungen der türkischen Regierung berichtet hatte. Daraufhin stellte Staatspräsident Erdogan Strafanzeige und forderte lebenslange Haft für Dündar.

„Wie leben Sie damit, dass über Ihr Leben gerichtet wird“, wollte Kläuser wissen. „Es fühlt sich seltsam an. Ich lebe hier in Berlin in einem goldenen Käfig. Es ist auch ein Kampf für die Freiheit anderer. Meine Heimat ist die Türkei. Ich sollte aus Istanbul schreiben können.“ Die Regierung Erdogans nannte er ein Ein-Mann-System. „Ohne Erdogan würde es das nicht geben. Der möchte Diktator sein, ist aber ein autokratischer Herrscher.“

Als Flüchtling – so wollte Dündar eigentlich nicht leben. Auf die Frage, wie es ihm damit gehe, sagte der Journalist: „Besser als im Gefängnis. Ich kann hier für eine deutsche Zeitung schreiben, mein Buch wurde veröffentlicht, ich habe Freunde gefunden. Ich bin der Glückliche.“

Can Dündar im Teo Otto Theater

Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
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Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
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Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch
Can Dündar im Teo Otto Theater
Can Dündar im Teo Otto Theater © Roland Keusch

Kläuser ergänzte, dass Dündars Frau jahrelang nicht ausreisen durfte, jetzt aber seit drei Jahren in Deutschland lebt. Auch hier fühlt sich der Journalist bedroht, weil Erdogans Arme bis hierher reichen würden. Aber in der Türkei würden sich ebenfalls viele Leute bedroht fühlen.

Sollten Deutsche als Touristen in die Türkei fahren? Diese Frage beantwortete Dündar mit einem klaren Ja. Das Land zu öffnen sei besser, als die Isolation. Die Menschen würden sich besser kennenlernen. „Feministische Bewegungen, Studenten, Organisationen und Partnerstädte könnten sich auf beiden Seiten zum besseren Verständnis zusammentun.“

Eine Demokratie sei seine Heimat nicht mehr. Aber Dündar zeigte sich optimistisch: „In den USA habe das Pendel von Trump zu Biden ausgeschlagen. So wird es auch in der Türkei kommen. Auch der Mauerfall in Berlin ist ein Pendelausschlag gewesen.“

Gefragt, wie er auf die Idee gekommen sei, aus Dündars Buch ein Schauspiel zu machen, sagte der Regisseur, es sei nicht unüblich, wichtige politische Themen auf der Bühne zu behandeln. „Für das Publikum ist Authentizität wichtig. “

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