Aktion

Weckmänner im Briefkasten ersetzen Martinszug

Weckmänner frei Haus: Ralf Noll und Ute Friedrich-Zielas bei der Verteilaktion in Honsberg. Foto: Roland Keusch
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Weckmänner frei Haus: Ralf Noll und Ute Friedrich-Zielas bei der Verteilaktion in Honsberg.

Der Verein Stadtteil verteilt am Sonntagmorgen Stutenkerle in Honsberg.

Von Peter Klohs

Remscheid. Es ist in diesem Herbst leider unmöglich, dass Sankt Martin durch die Städte reitet und dass die Kinder ihm mit ihren Laternen folgen. Das mochte der Verein Stadtteil, beheimatet im Neuen Lindenhof am Honsberg, so nicht hinnehmen. Unter dem Motto „Wenn ihr nicht zum Sankt-Martins-Zug kommen könnt, dann kommt Sankt Martin eben zu euch“ hatte sich der Verein eine schöne Aktion überlegt, um die Familien im Stadtteil zumindest mit einem Weckmann zu bedenken.

„Wir haben verschiedene Möglichkeiten durchdacht“, erzählt Ralf Noll, Geschäftsführer von Stadtteil e.V. „Die von uns heute durchgeführte Aktion erschien uns als die einzige, die plan- und durchführbar war. Die Bäckerei Schüth auf der Freiheitstraße unterstützt uns schon seit Jahren und hat bei dieser Aktion gerne mitgemacht.“

Remscheid: 1100 Weckmänner verpackt und verteilt

Und so versammelten sich am Sonntagmorgen ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins sowie der evangelischen Stadtkirchengemeinde am Neuen Lindenhof, um 1100 Weckmänner zu verpacken und anschließend zu verteilen. Die Weckmänner erinnern in ihrer Größe an etwas überdimensionierte Handys und sind aus Corona-Gründen doppelt eingepackt, zusammen mit einer kleinen schriftlichen Beilage, in der die Legende des heiligen Sankt Martin auf Deutsch und auf Türkisch erklärt wird.

Und los geht’s. Um elf Uhr setzen sich sechzehn Helfer mit ihren Karren in unterschiedliche Richtungen in Bewegung. Ich bin mit einem Trio unterwegs, das die Straße Engelsberg und den unteren Teil der Honsberger Straße mit Weckmännern beliefern soll. Das Wetter spielt mit, es ist sonnig und für Anfang November zu mild.

Die eigentliche Verteilung des Backwerks ist recht unspektakulär. Die Helfer gehen von Haus zu Haus und stecken die Weckmänner in die Briefkästen. Am Engelsberg stehen Einfamilienhäuser, wenig Menschen sind auf der Straße unterwegs, nur selten entwickelt sich ein persönlicher Kontakt zu den Beschenkten. Es ist ein wenig, wie Zeitungen austragen oder Post verteilen. Der Engelsberg erweist sich als steiler Anstieg, so dass die ersten Jacken abgelegt und um die Hüften gebunden werden. „In Lennep war eine ähnliche Aktion angedacht“, weiß Claudia Held, „ein Sankt Martin, ein Fackelträger, ein Weckmannverteiler. Aber die Stadt hat das nicht genehmigt.“ Kleine Einbahn-Nebengassen werden ohne zu murren bedacht, steile, lange Treppen erklommen, kurze Pausen eingelegt.

Um halb zwölf ist das zugewiesene Gebiet mit Weckmännern versorgt. Torsten Weber, Hausmeister des Neuen Lindenhofs und Organisator der Verteilaktion, wird kontaktiert. Man trifft sich an der Ecke Siemensstraße/Vulkanstraße. „Dann macht ihr jetzt noch die Siemensstraße.“

Und dann kommt es doch noch zu persönlichen Kontakten. Viele Briefkästen sind in den Häusern angebracht, so dass die Helfer klingeln müssen. Jennifer Giuliano wartet auf den Türsummer, geht dann zügig in den Hausflur, ruft laut: „Ich komme vom Stadtteil e.V. und bringe Ihnen Weckmänner“ - und erntet Begeisterung, vor allem bei den jungen Bewohnern, gleich welcher Nationalität. Ein Junge bekommt große Augen und wird von Jennifer darauf hingewiesen, dass für jede Familie im Haus ein Weckmann vorgesehen ist. „Na“, sagt sie schmunzelnd, als sie das Haus wieder verlässt, „wenn der nicht mal direkt drei aufisst.“

Einigen Passanten wird ein Weckmann in die Hand gedrückt. Auch hier ausschließlich freundliche Reaktionen. „Dass so eine Aktion in Honsberg stattfindet“, findet Jens Stippkugel, der mit seinen Mitstreitern die Weckmänner verteilt, „ist schon bemerkenswert. Ich habe die Möglichkeit, das zu unterstützen, und da zögere ich nicht und helfe gerne.“ Jennifer Giuliano, Claudia Held und die anderen Helfer nicken. Da sind sich alle einig.

Verteilaktion

„Wir verteilen heute 1100 Weckmänner an Honsberger Familien“, erklärt Ralf Noll, Geschäftsführer des Vereins Stadtteil, „für jede Familie einen.“ Der Verein bezieht bei der Zahl des zu verteilenden Backwerks seine Erfahrungen ein, die er mit einer ähnlichen Aktion zu Weihnachten gesammelt hat. Torsten Weber, Hausmeister des Neuen Lindenhofs, ergänzt: „1100 ist die offizielle Zahl. Wir haben mehr.“ Und zwinkert verschmitzt.

In Remscheid setzten sich zurzeit viele Menschen dafür ein, trotz Corona für ein wenig Normalität zu sorgen. Unter anderem sorgen sie so auch für das Martinsglück.

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