Grünanlage Kuckuck

Wasserspielplatz: Stadt sucht Geldquelle

Etwa 600 Kubikmeter Erde werden derzeit im Kuckuck bewegt. Für die Spaziergänger und Hundehalter eine interessante Sache.
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Etwa 600 Kubikmeter Erde werden derzeit im Kuckuck bewegt. Für die Spaziergänger und Hundehalter eine interessante Sache.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Im Kuckuck trennen die TBR Abwasser vom Quellwasser. Andere Spielplätze werden für 120.000 Euro saniert.

Remscheid. Eltern mit Kinderwagen, Hundehalter, die mit ihrem Labrador Gassi gehen und Kinder auf Fahrrädern haben derzeit nur eine Frage an Polier Detlef Werner: Baut ihr hier gerade den neuen Wasserspielplatz? „Leider nein, und auch keinen Bolzplatz“, muss der Mitarbeiter der Solinger Tiefbau- und Kanalbau-Firma G+O Müller dann sagen.

Er freut sich aber über die vielen netten Zaungäste in der Grünoase – und dass bislang auch kein Bauzaun und kein Diesel für die Maschinen gestohlen wurde. Seit über drei Wochen sind die drei Müller-Mitarbeiter schon im Auftrag der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) im Kuckuck beschäftigt. In etwa drei Wochen will Detlef Werner fertig sein. „Wir sind gut im Zeitplan“, sagt er.

Darum werden Quell- und Abwasser getrennt

Einen zehn Meter tiefen Schacht haben die Bauarbeiter der Solinger Kanalbaufirma G+O Müller im Kuckuck ausgehoben.

Die TBR trennen hier das Abwasser vom Quellwasser. Denn zu viel Fremdwasser hat Auswirkungen auf die Reinigungsleistung von Kläranlagen. „Sie mögen dickes und gehaltvolles Wasser, dann arbeiten sie gut“, erklärt TBR-Chef Michael Zirngiebl.

Zweiter Vorteil: „Dem Bach wird mehr Quellwasser zugeführt, so dass er als Gewässer in der Parkanlage wieder erlebbar wird“, sagt Atessa Sadrai, Leiterin Stadtentwässerung bei den TBR. Aktuell ist er ausgetrocknet. Mit den Bauarbeiten schaffen die TBR zudem die Voraussetzung für ein mögliches Matschparadies, das im Bergischen einmalig wäre. Denn laut Michael Zirngiebl könnte der Berghauser Bach das Wasser eines künftigen Wasserspielplatzes aufnehmen und ableiten. Kostenpunkt der Bauarbeiten laut Sema Gökdemir, Bauleiterin der TBR-Stadtentwässerung: 350.000 Euro.

Wasserspielplatz kommt nicht vor 2025

Nördlich des Kuckucks, im Bereich der Engelbertstraße, befinden sich die Quellen des Berghauser Bachs. Diese wurden bislang über den in den 70er-Jahren gebauten Mischwasserkanal, der unter der Parkanlage liegt, abgeleitet. 2016 wurden die Quellen in der Engelbertstraße bereits durch den Bau einer eigenen Bachableitung separat gefasst und bis hinter dem Bahndamm getrennt vom Abwasser geführt. „Südlich des Bahndamms mündet die Bachableitung aber wieder im Mischwasserkanal, der dort neun Meter tief liegt“, erklärt Sadrai. Damit künftig in dem kleinen, künstlich angelegten Bachlauf auch Wasser ankommt und Kinder mit ihren Eimern dort spielen können, muss das Quellwasser aus neun Metern Tiefe an die Oberfläche geholt werden.

Dazu wurde ein zehn Meter tiefer Schacht gegraben. Nach dem physikalischen Prinzip der kommunizierenden Röhren wird das Wasser angehoben. Über eine 140 Meter lange neu zu bauende Verrohrung wird das Wasser aus dem Schacht geleitet und entlang des Waldrandes bis zum offenen Bachlauf des Berghauser Baches geführt. „Wir hoffen, dass er ganzjährig Wasser führt“, sagt Sadrai. So haben die Familien mit dem offenen Bachlauf am Rand zumindest einen „Wasserspielplatz light“, da die große Variante nun erst mal doch nicht kommt. Und dabei ist die Planung fertig: 50.000 Euro wurden dafür in den Haushalt 2021 eingestellt.

Sie kriegen in Deutschland eine Förderung für Krötenwanderungen, aber nicht für Kinderspielplätze.

Michael Zirngiebl, TBR-Chef

Denn die Finanzierung muss neu geregelt werden. Aus dem Stadtsäckel kann das 1,8-Millionen-Invest nicht gestemmt werden. Der beim Land eingereichte Förderantrag für das Programm „REACT EU Förderprogramm Grüne Infrastruktur“ ist abgelehnt worden, weil er laut Michael Zirngiebl zu wenig nachhaltig ist. Das erfuhren auch die Ratsmitglieder am Donnerstagabend. „Sie kriegen in Deutschland eine Förderung für Krötenwanderungen, aber nicht für Kinderspielplätze“, bringt es Zirngiebl auf den Punkt. Stadt und TBR suchen nun neue Fördermöglichkeiten. „Ich würde mich unheimlich freuen, wenn das noch was gäbe, es gibt schließlich den politischen Willen, etwas zu tun.“

Der ist vor allem bei den Bezirksvertretern des Südens vorhanden. Sie haben letztes Jahr eine Rahmenplanung abgesegnet, um den Kuckuck weiter aufzuwerten. Seit Jahren beschäftigen sich die Stadtteilpolitiker schon mit der Verschönerung der Grünanlage. Für Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) wäre der fünf Hektar große Kuckuck der ideale Ort für einen Wasserspielplatz, der dadurch gleichzeitig attraktiver würde. „Dafür braucht man Platz. Auf den anderen größeren Plätzen am Hohenhagen oder am Stadtpark müsste man sonst Spielgeräte wegnehmen.“ Und das will ja wohl niemand.

Diese Spielplätze werden saniert

Andere Spielplätze im Stadtgebiet werden nun indes saniert. 120.000 Euro nimmt die Stadt dafür insgesamt in die Hand. In allen Stadtteilen wird im Frühjahr und Sommer erneuert. Der Spielplatz an der Hermannstraße in Lennep bekommt beispielsweise eine Seilbahn. 19 000 Euro sollen für die kleinsten Besucher auf dem Spielplatz an der Barmer Straße in Lüttringhausen ausgegeben werden. Einen Sonderfall nimmt der Bolzplatz Ehringhausen ein. Er soll zugunsten des angrenzenden Spielplatzes verkleinert werden. Die bisherige Fläche war überdimensioniert, daher soll der Spielplatz wachsen. Der Bolzplatz wird zusätzlich einen Zaun erhalten, um Wildschweine abzuhalten. Kostenpunkt: 37 500 Euro.

Der Kuckuck

Die Grünanlage Kuckuck im Südbezirk ist größtenteils eine ehemalige Deponie, die Ende der 80er-Jahre rekultiviert wurde. Der Landschaftspark wurde 1992 eröffnet. Im Kuckuck befinden sich mehrere Spielplätze, ein Bolzbereich, ein Baumkreis und ein Grillbereich. Zudem gibt es im unteren Bereich eine eingezäunte Hundewiese. Der Kuckuck wird stark genutzt.

Standpunkt von Melissa Wienzek: Investition in die Zukunft

melissa.wienzek@rga.de

Auf 320 Quadratmetern vergnügen sich Kinder an Wasserkanonen und planschen im Wassertunnel. Liegewiesen und Naturstätten laden die Eltern zum Verweilen ein. Daneben: Eiswagen, Gastronomie, Fahrradverleih. Der Wasserspielplatz im Landschaftspark in Monheim ist immer gut besucht. Er ist ein Anziehungspunkt für viele Familien, auch aus dem Bergischen. Dieses Konzept würden sich die Remscheider auch für ihre Stadt wünschen. Für die TBR wäre der Kuckuck der perfekte Ort – schließlich ist die Grünanlage nicht nur fünf Hektar groß, sondern der Berghauser Bach könnte das Wasser auch aufnehmen. Die Voraussetzung ist bereits geschaffen, die Planung fertig, der politische Wille da.

Nur das Geld fehlt, wie so oft. Der letzte Förderantrag beim Land wurde abgelehnt. Zu wenig nachhaltig. Dabei wäre der Wasserspielplatz durchaus ein nachhaltiges Invest in Remscheids Zukunft: Er würde nicht nur den Kuckuck, sondern die ganze Stadt aufwerten. Denn dann würden Familien aus anderen Städten nach Remscheid kommen – und hier sicher auch noch ein Eis verspeisen. Gerade im Zuge des Klimawandels und der Pandemie wäre ein solcher Erholungsort, gerade auch für nicht so gut aufgestellte Familien, ein absoluter Gewinn.

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