Hochwasser

Wassergipfel soll Standorte sicherer machen

Peter Kissling (Mi.) zeigt OB Burkhard Mast-Weisz (l.) und Ingo Lückgen die inzwischen gereinigte Halle. Die Maschine im Hintergrund hat nur noch Schrottwert. Statt Werkzeuge zu produzieren, ist die Belegschaft mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Foto: Roland Keusch
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Peter Kissling (Mi.) zeigt OB Burkhard Mast-Weisz (l.) und Ingo Lückgen die inzwischen gereinigte Halle. Die Maschine im Hintergrund hat nur noch Schrottwert. Statt Werkzeuge zu produzieren, ist die Belegschaft mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Städte und Wupperverband wollen sich auch und vor allem um Bäche kümmern.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. „So hoch stand das Wasser“, sagt Peter Kissling – und seine Hand bewegt sich dabei etwa auf dem Niveau seines Bauchnabels. Der geschäftsführende Gesellschafter des Werkzeugherstellers Matador steht in einer Halle seines Unternehmens an der Morsbachtalstraße und schildert, wie das Wasser am Mittwoch der vergangenen Woche durch die Gebäude schoss. Und eine Spur der Verwüstung und Tonnen an Schlamm hinterließ. Dabei übt er auch Kritik am Wupperverband und an den anderen Entscheidungsträgern im wasserwirtschaftlichen Bereich.

Vor einigen Jahrzehnten noch sei der Morsbach zum Beispiel regelmäßig ausgebaggert worden, berichtet Kissling. „Inzwischen liegt das Bachbett bestimmt 70 oder 80 Zentimeter höher als vor 20 Jahren.“ Schon kleinste Starkregenfälle würden inzwischen zu Überschwemmungen führen. Das sei „falsch verstandener Gewässerschutz zulasten der Unternehmen“.

Wassergipfel: Bergische Oberbürgermeister und Wupperverband schließen sich zusammen

Dabei wirkt Peter Kissling nicht wie jemand, der gerne jammert, eher im Gegenteil. „Wir packen das“, sagt er, als er von den Folgen des Hochwassers berichtet: Maschinen sind kaputt, Lagerbestände überschwemmt, statt Werkzeuge herzustellen sind alle Mitarbeiter mit Aufräumen beschäftigt. Um die Aufträge trotzdem erfüllen zu können, wurden die Arbeiten an Lohnunternehmer vergeben. „Die sitzen in Remscheid oder Lüttringhausen oben auf dem Berg.“ Kissling geht es darum, ähnliche Ereignisse in Zukunft zu verhindern. Oder zumindest ihre Folgen abzumildern.

Ein Ansinnen, mit dem er bei der kleinen Delegation der Stadtverwaltung, die ihn am Donnerstag besuchte, auf offene Ohren trifft. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hat Wirtschaftsförderer Ingo Lückgen und Bernd Müller vom Umweltamt mitgebracht. Im Gepäck haben die drei Informationen und Antragsformulare für Soforthilfen. Und die Nachricht, dass sich die bergischen Oberbürgermeister mit Georg Wulf, dem Vorstand des Wupperverbandes, verständigt haben, einen Wassergipfel abzuhalten.

Umweltamt: Mit dem Hochwasser hat keiner gerechnet

„Wir können nicht davon ausgehen, dass das einmalig bleibt“, sagt Mast-Weisz über das Hochwasser. Entsprechend müsse man überlegen, was nun zu tun sei – auch und gerade an den kleineren Wasserläufen wie dem Morsbach. „Und das sollte nicht jede Stadt einzeln machen, schließlich sind wir ein Wasserraum.“

Gleichwohl betont Bernd Müller, im Umweltamt im Bereich Gewässer- und Bodenschutz tätig, dass das Hochwasser so nicht vorhersehbar gewesen sei: „Diese Dimensionen lagen weit über dem, womit wir bisher gerechnet haben“, sagt er. Als Planungsgrundlage dienten bislang die Werte der zurückliegenden Jahre: „Wir arbeiten also in der Vergangenheit.“ Angesichts des sich ändernden Klimas sei es fraglich, ob das für die Zukunft noch ausreiche.

Firma Matador soll besser gegen das Hochwasser geschützt werden

Eine von vielen Fragen, denen sich der geplante Wassergipfel widmen wird, wie OB Mast-Weisz sagt. Dabei sollen auch die jeweiligen Stadtwerke, Technischen Betriebe und Wirtschaftsförderungen mit am Tisch sitzen, kündigt er an: „Der Wupperverband hat sich über das Angebot, das gemeinsam zu besprechen, gefreut.“

Peter Kissling will sich darauf alleine aber nicht verlassen. Man werde die Firma, die sich seit 120 Jahren an dieser Stelle in Familienbesitz befindet, durch bauliche Maßnahme besser gegen das Wasser schützen, sagt er – und lässt durchblicken, dass in der Krise auch eine Chance liegt: Eine der Hallen sei alt und nun zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen. „Ich überlege, die abzureißen und an der Stelle neu zu bauen“, so Kissling. Die Förderkredite und erweiterten Abschreibungsmöglichkeiten für Hochwasseropfer würden das möglich machen.

Straßensperrung

Die Morsbachtalstraße ist seit gestern wieder teilweise befahrbar. Das teilt die Stadt mit. Lediglich der Abschnitt zwischen Gockelhütte/Gockelshammer und Müngsten (Einmündung L216 zur B229) bleibe gesperrt, heißt es in einer Mitteilung. Die Zufahrt von der Ortschaft Morsbach bis Gockelshütte ist als Sackgasse befahrbar. Der Bereich zwischen der Ortschaft Morsbach und Gerstau beziehungsweise im weiteren Verlauf bis Haddenbach kann normal genutzt werden.

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