Bundesweites Pilotprojekt

Waldgenossenschaft wächst und wächst

Solche Fichtenmonokulturen will die Waldgenossenschaft zu Mischwäldern „umbauen“. Markus Wolff, Vorsitzender der Genossenschaft und Leiter des Remscheider Stadtforstamtes, freut sich über viele Mitglieder, die den Aufkauf möglich machen. Foto: Roland Keusch
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Solche Fichtenmonokulturen will die Waldgenossenschaft zu Mischwäldern „umbauen“. Markus Wolff, Vorsitzender der Genossenschaft und Leiter des Remscheider Stadtforstamtes, freut sich über viele Mitglieder, die den Aufkauf möglich machen.
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Bundesweites Pilotprojekt zählt mittlerweile 300 Mitglieder – 85 Hektar Wald sollen mehr bringen als auf dem Sparbuch.

Von Axel Richter

Remscheid. Acht Jahre ist es her, da gründeten Remscheider Bürger die erste Bürgerwald-Genossenschaft Deutschlands. Die Zahl derer, die für eine Mindesteinlage von 500 Euro ein Stück Wald im Bergischen Land besitzen, ist seither auf 300 gestiegen. Das Jahr 2020 werden die Remscheider Waldgenossen erstmals mit einer schwarzen Null abschließen. Das hätte sie 2019 auch schon können, sagt Forstamtsleiter und Vorsitzender Markus Wolf. Wäre die Waldgenossenschaft Remscheid nicht in einen unseligen Rechtsstreit geraten.

Warum gibt es die Waldgenossenschaft?

Annähernd die Hälfte der Wälder in Deutschland befinden sich in Privatbesitz, in Nordrhein-Westfalen sind es noch einmal mehr. Viele Privatwälder sind sehr klein, in der Forstwirtschaft spricht man von Handtuchflächen. Grundbesitz wurde über Jahrzehnte unter den Erben aufgeteilt und so zerstückelt. Viele Privatleute, denen solche Miniwälder gehören, die manchmal nicht größer als ein paar Hundert Quadratmeter sind, werden nicht gepflegt. Oder die Eigentümer, oft handelt es sich auch um Erbengemeinschaften, verkaufen sie an Investoren, die den Wald kahlschlagen. 2013 kam ein paar engagierten Bürgern die Idee, kleine Waldflächen als Genossenschaft zu kaufen, um sie unter dem Dach des Forstverbandes und des Stadtforstamtes zu schützen, aber auch naturnah zu nutzen.

Wer sind de Waldgenossen?

Der Nabu ist Waldgenosse in Remscheid, Greenpeace, Robin Hood, Stiftungen, die ihr Geld in sozialen Finanzinvestments anlegen möchten, gehören dazu. Annähernd zwei Drittel der Mitglieder verteilen sich auf ganz Deutschland. Aber auch viele engagierte Remscheider Bürgerinnen und Bürger sind Mitglied der Waldgenossenschaft Remscheid. Sie handeln aus Idealismus, aber nicht nur. Schließlich dürfen die Waldgenossen auch eine kleine Rendite erwarten: ein bis drei Prozent und damit immerhin mehr als auf dem Sparbuch.

Wie viel Wald gehört ihnen?

Mittlerweile sind die einzelnen kleinen Wälder, die sich im Besitz der Genossenschaft befinden, auf eine Gesamtfläche von 85 Hektar angewachsen. Und er wächst weiter, nicht nur um Handtuchfläche. „Gerade verhandeln wir um den Ankauf einer Fläche von 15 Hektar“, berichtet Förster Wolff. Dafür bezahlt die Genossenschaft die marktüblichen Preise.

Wie wird der Wald genutzt?

Zehn Prozent des Genossenschaftswaldes lassen die Förster in Ruhe, sie sollen sich in eine Art Urwald zurückverwandeln. Auf allen anderen Flächen betreiben sie Holzwirtschaft. Das heißt, Bäume werden gefällt, Holz verkauft und neue Setzlinge gepflanzt. „Wir arbeiten nach den Maßstäben des ökologischen naturgemäßen Waldumbaus“, sagt Forstamtsleiter Wolff. Der wird angesichts der Schäden durch Trockenheit und den Borkenkäfer in den Fichtenmonokulturen immer drängender. Außerdem sagt der Förster: „Wälder werden nicht automatisch zum gesunden Ökosystem, wenn man sie in Ruhe lässt.“

Wie ist die Waldgenossenschaft aufgestellt?

Neben Markus Wolff, der für die forstwirtschaftliche Seite verantwortlich zeichnet, sitzt Volker Pleiß mit am Vorstandstisch. Bei der Stadtsparkasse steht er den Firmenkunden beratend zu Seite. In der Waldgenossenschaft ist er mithin für die Finanzen zuständig. Der Aufsichtsrat besteht aus Ronald Paas, Jutta Velte und Burkhard Kretschmann. Ihn wählten die Genossen 2020 zum Nachfolger von Stephan Meurer.

Wie werde ich Mitglied der Waldgenossenschaft?

Auf Antrag. Über den Mindestanteil hinaus können weitere Anteile erworben werden. In der einmal im Jahr abgehaltenen Generalversammlungen hat jeder Genosse dennoch nur eine Stimme: ob er 500 Euro eingebracht hat oder 50 000.

Rechtsstreit

Seit fünf Jahren liegen ein Verein in Radevormwald und ein Landwirt miteinander über Kreuz. In dem Rechtsstreit geht es um Erosionsschäden. Die sollen auch von einer Waldfläche ausgehen, die sich im Besitz der Genossenschaft befindet, weshalb auch sie beklagt wurde. In der Folge stapften Gutachter durch den Wald, ein Rechtsanwalt musste eingeschaltet werden. „Das kostet uns leider viel Geld“, sagt Wolff.

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