Letzte Ruhe

Waldfriedhof Reinshagen: Einsam gestorben – würdig bestattet

Am Mittwochvormittag weihten Vertreter von Stadt, Kirchen und vom Ambulanten Hospiz die Gedenkstele ein.
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Am Dienstagvormittag weihten Vertreter von Stadt, Kirchen und vom Ambulanten Hospiz die Gedenkstele ein.

Gedenkstele auf einem anonymen Urnengrabfeld eingeweiht.

Von Sabine Naber

Remscheid. 350 Remscheiderinnen und Remscheider hat die Stadt seit 2010 anonym am Waldfriedhof Reinshagen bestattet. Es waren Menschen, die keine Angehörigen hatten, die sie auf ihrem letzten Weg begleiten und auch beerdigen konnten. Dennoch sollen sie in Würde und Respekt bestattet werden – dazu wurde gestern ein besonderes Grabfeld mit einer Stele eingeweiht.

„Ich freue mich, dass wir eine Gedenkstelle einrichten konnten“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Sie erinnert an Menschen, die vielleicht auch keinen Bezug zur Kirche haben. „Ehrenamtler, Verwaltung und Religionsgemeinschaften haben die Menschen im Tode nicht allein gelassen.“ Um die neue Grabstelle werden sich Ehrenamtliche vom Ambulanten Hospiz kümmern.

„Die Stadt setzt ein wichtiges Zeichen.“

Antje Menn, Superintendentin

Auf dem anonymen Bestattungsfeld ist eine Stele aufgestellt worden, die der Remscheider Künstler und Steinmetz Thomas Hundhausen angefertigt hat. „Es ist eine schöne Gedenkstätte für die Einsamen geworden. Ein Ort der Erinnerung, an dem auch Freunde oder Nachbarn Blumen niederlegen können“, betonte Michael Zirngiebl, Betriebsleiter der Technischen Betriebe Remscheid (TBR). „Die Stadt setzt damit ein wichtiges Zeichen. Dafür danke ich im Namen der Kirche“, machte Superintendentin Antje Menn deutlich. „Ich finde die Idee gut, ein solches zentrales Gedenkzeichen zu setzen“, sagte Jürgen Larmann vom Vorstand des Ambulanten Hospiz. Er sieht darin auch eine Würdigung des ehrenamtlichen Einsatzes von Kollegin Cornelia Janzen, die diese Beerdigungen begleitet und die Trauerreden hält.

Aus Lava von der Eifel hat Thomas Hundhausen die Stele gestaltet. „Das Material ist grobporig, dazu habe ich in Edelstahl gefasste Bronze verarbeitet, die treppenstufenartig in den Stein übergeht. In die Mitte habe ich den roten Lebenspunkt aus Glas gesetzt. Die Inschrift ‚Wir gedenken‘, steht an der Seite geschrieben.“

Es sei nicht einfach gewesen, einen Grabstein zu konzipieren für eine Personengruppe, die nicht definiert ist, sagte der Künstler. Lava habe er gewählt, weil sich darauf kaum Algen absetzen. Die Stele steht in einem halbrunden Bogen aus Kopfsteinpflaster.

Rund 100 einsame Sterbefälle gebe es jedes Jahr in Remscheid. Und die Zahl steigt. Bestatter Holger Reichenbach ist für diese Beerdigungen zuständig, beauftragt wird er seit 15 Jahren vom Ordnungsamt.

Seit zehn Jahren schreibt Cornelia Janzen die Trauerreden für diese Beisetzungen und begleitet sie. „Als ich damals erfuhr, wie anonym so etwas gehandhabt wird, habe ich beim Ordnungsamt gefragt, ob ich das machen könnte“, berichtete die Ehrenamtlerin. Da habe sie ein Trauerredenseminar besucht und übernimmt seitdem die monatlichen Bestattungen.

„Ich spreche mich mit Holger Reichenbach ab, erfahre von ihm auch die Namen, Geburts- und Sterbedaten. Und ich versuche, über Familienangehörige, Pflegende, Freunde oder andere Menschen, die Anteil nehmen, etwas über die Verstorbene, den Verstorbenen zu erfahren. Um meine Trauerrede persönlicher zu gestalten ist es immer schön, wenn jemand etwas erzählen kann.“

Der Gedanke, dass Menschen wortlos und völlig anonym unter die Erde gebracht werden, empfindet sie als würdelos und traurig. Steht der Beerdigungstermin fest, gibt es einen Rundruf unter ihren Mitstreitenden im Hospiz-Verein. „Wer an diesem Tag Zeit hat, der geht dann mit.“

Hintergrund

Seit gestern Vormittag steht auf dem „Ordnungsbehördlichen Grabfeld“ eine Stele mit der Inschrift „Wir gedenken“. Sterben Menschen ohne Angehörige, die für eine Beerdigung zuständig wären, muss das Ordnungsamt eintreten und für die Bestattung sorgen. Seit vielen Jahren werden diese Beerdigungen vom Ambulantes Hospiz begleitet. Die Stadt hat jetzt den Rahmen auf dem Grabfeld des Waldfriedhofs um ein zentrales Gedenkzeichen ergänzt.

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