Naturschutz

Für den Remscheider Wald gibt es Hoffnung

Erläuterten in Küppelstein das Konzept zur Sicherung des Waldes: (v. l.) Markus Wolff, Burkhard Mast-Weisz, Markus Zirngiebl. Foto: Roland Keusch
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Erläuterten in Küppelstein das Konzept zur Sicherung des Waldes: (v. l.) Markus Wolff, Burkhard Mast-Weisz, Markus Zirngiebl.

Technische Betriebe haben Konzept zur Sicherung der Grünen Lunge entworfen.

Von Manuel Böhnke

Es ist ein tristes Bild, das Markus Wolff mitgebracht hat. Die Aufnahme aus dem Jahr 2009 zeigt Teile einer rund 20 000 Quadratmeter großen Fläche ganz in der Nähe des Kinderheims Waldhof in Küppelstein. „Der Orkan Kyrill hat dort den kompletten Fichtenbestand zerstört“, blickt der Forstamtsleiter zurück. Mehr als zehn Jahre später ist dieselbe Stelle kaum wiederzuerkennen. Statt Kahlschlag wachsen Birken und Buchen neben Eichen und Weißtannen, die Vegetation wirkt dicht. Diese Entwicklung macht Wolff Mut, auch auf die aktuelle „Waldklimakrise“ die richtige Antwort zu finden: „Bei allem Anlass zur Sorge um den Wald, gibt es auch Anlass für Hoffnung.“

Die speist sich vor allem aus der Krisenerfahrung der hiesigen Forstleute und Waldeigentümer. Um auch den durch die Dürrejahre 2018, 2019 und 2020 ausgelösten Herausforderungen gerecht zu werden, haben die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) ein „Konzept zur Sicherung und Entwicklung des Remscheider Waldes“ erstellt. Wolff, TBR-Betriebsleiter Michael Zirngiebl und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) stellten es gestern in Küppelstein vor.

„Bei allem Anlass zur Sorge um den Wald, gibt es auch Anlass für Hoffnung.“

Forstamtsleiter Markus Wolff

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Erfahrungen, die infolge des Orkans Kyrill gesammelt wurden. So haben die Experten etwa die Fläche in Küppelstein bewusst nicht aufgeforstet. Stattdessen setzten sie auf die Initialpflanzung einzelner Arten – darunter Pionierbäume, die sich rasch ausbreiten – und die Kraft der Natur. „Die hilft sich selbst. Wir wollen flankierend eingreifen.“

Entstanden ist dabei ein klimabeständiges Waldstück, in dem Wolff bis zu 14 verschiedene Arten gezählt hat. Sein Ziel ist ein möglichst breit aufgestellter Mischwald. Denn man könne nie wissen, welche Bäume, die heute noch zurechtkommen, in Zukunft Probleme mit dem Klima kriegen.

Bei den Plänen für die aktuellen Herausforderungen spielen auch die aufgrund von Dürre oder Borkenkäferbefall abgestorbenen Fichten eine Rolle. Sie sollen zum Großteil stehenbleiben. Zum einen liegt der Markt für Holz am Boden – Gewinn ist mit dem Verkauf kaum zu erzielen. Zum anderen spendet das tote Holz Schutz und Abkühlung für junge Bäume. „Der neue Wald entsteht im Schatten der alten Generation“, sagt Wolff.

Weniger im Fokus stehen bei den Plänen exotische Bäume, die besser an die Klimaveränderungen angepasst sind. Vielmehr sollen heimische Arten die wichtigsten Säulen bilden, die Baumartenpalette nur geringfügig neujustiert werden.

Wenngleich Wolff und Co. für die Zukunft nicht schwarzsehen, ist der Zustand des Waldes weiterhin „dramatisch“. In jedem Stadtbezirk seien die Folgen der vergangenen drei Jahren kaum zu übersehen. Für Michael Zirngiebl ist die Grüne Lunge damit ein großes, sichtbares Symbol für den Klimawandel.

Auch Burkhard Mast-Weisz zeigt sich besorgt über die Entwicklung. Die vielen kaputten Nadelhölzer, die er bei einer Heißluftballonfahrt über die Region am Sonntag erblickte, haben ihn nachdenklich gestimmt. „Das ist nicht irgendein Thema. Wald ist existenziell wichtig“, betont der Oberbürgermeister.

Das gelte zum einen für seine ökologischen Funktionen als CO2- und Wasserspeicher sowie als Lebensraum für Tiere. Zum anderen nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie aber auch als Ort der Erholung. „Der Wald ist ein Schatz“, bringt es Markus Wolff auf den Punkt. | Standpunkt

Hintergrund

Laut Angaben der Technischen Betriebe (TBR) sind rund 31 Prozent des Stadtgebiets bewaldet. Das entspricht etwa 2300 Hektar. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist in der Regel 0,7 Hektar groß. Die Stadt selbst ist über ihre Tochterunternehmen TBR und Stadtwerke Eigentümerin von knapp 1800 Hektar Wald. Die Flächen befinden sich aber nicht nur in Remscheid, sondern auch im Rheinisch-Bergischen, im Oberbergischen sowie im Märkischen Kreis.

Standpunkt: Es braucht etwas Romantik

Von Manuel Böhnke

manuel-boehnke@rga.de

Die Deutschen haben seit jeher ein besonderes Verhältnis zum Wald. Assoziierten die Menschen im Mittelalter häufig eher Grusel und Gefahr mit ihm, wandelte sich das Bild in der Epoche der Romantik. Als Kontrapunkt zur einsetzenden Industrialisierung, der Trennung der Arbeit von der Natur, und dem Wachstum der Städte wurde der Wald als Zufluchtsort beschrieben. Ein Stück dieses romantischen Bewusstseins scheint auch heute wieder gefragt zu sein. Denn wer zu einem Spaziergang durchs Bergische aufbricht, wird sehen, dass unsere Grüne Lunge seit Jahren leidet.

Nicht nur die schweren Stürme der jüngeren Vergangenheit haben ihr zugesetzt, Trockenheit und Borkenkäfer leisteten zusätzlich ganze Arbeit. Experten beschäftigt das Thema schon lange. Das zeigen Forststrategien und Konzepte wie das gestern vorgestellte. Doch auch Laien können etwas tun. Durch ein größeres Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz beispielsweise. Oder schlicht durch einen achtsamen Umgang mit der Natur, zu dem Müll und andere Hinterlassenschaften im Wald sicher nicht zählen. Wertschätzung fängt im Kleinen an.

Noch bis Anfang November lädt die Falknerei Bergisch Land zu Flugshows ein.

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