Bergischer Wald

Wald der Zukunft: Weniger Rehe oder mehr Plastikhüllen

Forstamtsleiter Markus Wolff (r.) zeigt David Schichel (Grüne), Sven Wolf (SPD) und Sven Chudzinski (FDP), v.l., Stellen, an denen sich der Wald nicht wie gewünscht selber erneuert. Das kostet dem Besitzer des Waldes, in diesem Fall der Stadt, viel Geld. Foto: Michael Schütz
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Forstamtsleiter Markus Wolff (r.) zeigt David Schichel (Grüne), Sven Wolf (SPD) und Sven Chudzinski (FDP), v.l., Stellen, an denen sich der Wald nicht wie gewünscht selber erneuert. Das kostet dem Besitzer des Waldes, in diesem Fall der Stadt, viel Geld.

Die Fraktionsvorsitzenden der Gestaltungsmehrheit informieren sich über ökologischen Waldumbau.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Nur sechs mal sechs Meter groß ist die Fläche, auf die Markus Wolff zeigt. „Lärchen, Eichen, Vogelbeere, dahinten ist noch eine Roteiche“, zählt der Leiter des städtischen Forstamts den Pflanzenbestand in dem Quadrat auf. „So sieht unserer Meinung nach bergischer Wald aus.“ Seine Zuhörer sind Sven Wolf, David Schichel und Sven Chudzinski. Die Fraktionsvorsitzenden der drei Parteien, die im Remscheider Stadtrat die Gestaltungsmehrheit bilden, sind gekommen, um mit Markus Wolff die Frage zu klären, wie ein ökologischer Waldumbau aussehen könnte. Und dafür dienen die sechs Mal sechs Meter als Beispiel.

Denn das, was diese 36 Quadratmeter vom restlichen Wald unterscheidet, ist, neben dem dichten Bewuchs, ein Gatter, das sie umgibt. Und das Tiere, vorneweg Rehe, fernhält. Vor vier Jahren habe man den Zaun errichtet, sagt Wolff. Seither habe sich der Wald innerhalb des Gatters sehr viel besser entwickelt als drumherum. Für den Förster der Beweis, dass ein Schlüssel zum Wald der Zukunft in der Regulierung des Wildbestands liegt. Vor allem der Rehe, die gerne junge Bäume anknabbern.

Rehe seien ein „zentrales Problem“, sagt Wolff: „Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, können wir uns den Waldumbau schenken.“ Wie das seiner Meinung nach aussehen kann, zeige das Revier rund um die Neyetalsperre. Das liegt zwar im oberbergischen Wipperfürth, gehört aber der Stadt Remscheid. Während in den meisten anderen Revieren private Jagdpächter zuständig sind, kümmert sich hier das Forstamt selber um die Jagd.

Bergischer Wald in Zukunft: Ein Hektar Wald ist 15 000 Euro wert

Bei den Politikern wirbt Wolff für die Idee, den Reh-Bestand entweder selber zu regulieren, die Jagdpächter dazu zu bewegen – oder diese zur Kasse zu bitten. Zuviel Verbiss richte auch ökonomischen Schaden an, sagt der Forstamtsleiter: „Wir reden hier ja über städtisches Eigentum.“ Bei durchschnittlich 50 Euro je Festmeter Holz sei ein Hektar ausgewachsener Wald rund 15 000 Euro wert, rechnet er vor. Da komme bei etwa 1450 Hektar städtischer Waldfläche einiges zusammen. Trage der Jagdpächter dazu bei, dass dieser Wert gemindert werde, müsse er dafür zahlen.

Letztes Mittel sei, das Revier aus der Jagdgenossenschaft herauszulösen, sagt Markus Wolff. Das käme quasi einem Rauswurf des Pächters gleich. „Das können wir machen“, betont der Förster – und warnt gleichzeitig die drei Politiker vor: „Dann klingeln bei Ihnen aber die Telefone.“

Die Stadt Remscheid schützt die jungen Bäume mit Plastikhüllen vor Rehen

Wie eine Alternative dazu aussehen könnte, zeigt Markus Wolff den Fraktionsvorsitzenden wenige Meter weiter, hier ist jeder Baumsetzling mit einer Kunststoffhülle geschützt. „Das wollen wir eigentlich nicht“, sagt er. Das sehe nicht schön aus und koste viel Geld. „Und am Ende müssen wir das auch noch entsorgen.“

Auch von Fällungen toter Bäume möchte Wolff, abgesehen von besonders gefährlichen Stellen, nichts wissen. Selbst wenn darin der Borkenkäfer lauert. Das habe man in den vergangenen Jahren versucht. Ohne Erfolg. „Das Konzept, den Wald zu retten, in dem man in kahl schlägt, leuchtete mir noch nie ein.“ Stattdessen lasse man die toten Bäume heute stehen. Als Schutz für jüngere. Und als Lebensraum für Insekten, Spechte und Pilze.

Ziel sei es, dass der Wald sich alleine erneuert, erklärt Markus Wolff. Unter den großen Bäumen müssten kleine nachwachsen. „Dann ist es nicht ganz so schlimm, wenn die alten absterben.“ Dafür brauche man aber auch die Jäger. Sven Chudzinski (FDP), David Schichel (Grüne) und Sven Wolf (SPD) erwiesen sich nicht nur als interessierte Zuhörer, sondern signalisierten auch Zustimmung. Vorerst setzen sie aber auf Dialog: „Setzen Sie sich zusammen“, regte Sven Wolf an. Die Lösung sei eher ein Runder Tisch als die Konfrontation.

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