Ergebnis nach dem Probesitzen

Bänke auf der Allee: Remscheid wählt das Modell Baden-Baden

Das Modell Baden-Baden L soll es nun werden.
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Das Modell Baden-Baden L soll es nun werden.

Probesitzen auf der Alleestraße: Das Ergebnis steht fest.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der Gewinner des Probesitzens auf der Alleestraße steht fest: Bank Nummer 5, das Modell Baden-Baden L der Firma Nordbahn, hat bei der Abstimmung die meisten Stimmen bekommen und wird zukünftig die wichtigste Einkaufsstraße Remscheids schmücken. Die ersten Bänke sollen noch in diesem Jahr bestellt werden, berichtet Lukas Giacinto, der das Projekt bei der Stadtverwaltung betreut. Im März oder April des kommenden Jahres könnten die bereits aufgestellt werden. „Das ist aber natürlich vom Wetter abhängig.“

Seit Anfang September stehen auf der oberen Allee acht Bänke und eine Liege zum Probesitzen bereit. Online und per Stimmkarte konnten Bürger bis Freitag ihr Votum abgeben. Und so mitbestimmen, wie die Alleestraße zukünftig aussieht. Eine praktische Form der Bürgerbeteiligung, die für „sehr, sehr große Resonanz“ und „viele positive Kommentare“ gesorgt habe, sagt Baudezernent Peter Heinze: „Die Bevölkerung war total begeistert.“

Jela Liebetrozh und Gordana Vuckovic gehörten zu den Testern.

So sehr, dass man daraus Lehren auch für weitere Projekte ziehen möchte: Man setze sich mit dem Ergebnis auch im Hinblick auf die anstehende Umgestaltung des Friedrich-Ebert-Platzes auseinander, so Heinze: „Klar geworden ist auf jeden Fall schon mal, dass die Remscheider Sitzflächen aus Holz wollen.“ Denn darüber verfügt nicht nur die Gewinner-Bank, sondern auch die zweit- und drittplatzierte.

Baden-Baden L besteht aus einem pulverbeschichteten Metallgestell, das schmale, eng beieinanderstehende Holzlatten trägt. Mit ihren geschwungenen Formen und einer Sitzhöhe von 49 Zentimetern ist sie speziell für die Bedürfnisse Ältere konzipiert worden. „Das einladende Erscheinungsbild richtet sich aber auch an andere Bevölkerungsgruppen“, sagt Lukas Giacinto.

„Die Bevölkerung war total begeistert.“
Baudezernent Peter Heinze

Stehen wird die neue Bank an ungefähr 40 Stellen, an solchen, an denen heute schon Bänke stehen, und an zusätzlichen. Allein zwischen dem Eingang des Allee-Centers und der Zange könnten nach bisheriger Planung mehr als ein halbes Dutzend weiterer Sitzgelegenheiten aufgestellt werden.

Wie viele Bänke es genau werden und wo sie stehen können, hänge noch von weiteren Abstimmungen mit den anderen Fachbereichen ab, sagt Lukas Giacinto. „Das wird aber noch dieses Jahr geschehen.“ Fest stehe aber bereits, dass es rund um den Brunnen, anders als von vielen gewünscht, keine Bänke geben wird. „Die Feuerwehr benötigt diese Fläche als Evakuierungsfläche.“

Die Anschaffungspreise der zur Auswahl stehenden Bänke hatte die Verwaltung bewusst verschwiegen, um das Ergebnis nicht zu beeinflussen. Aber auch ohne diese Information erwiesen sich die Remscheider als sparsam und entschieden sich für eine der günstigeren Modelle. Rund 800 Euro kostet jedes Exemplar Baden-Baden L. Die teuerste Bank des Probesitzens hätte etwa 2000 Euro pro Stück gekostet.

Bezahlbar wären aber ohnehin alle gewesen, dabei hatte man bei der Vorauswahl geachtet. „Die Maßnahme ist ausfinanziert“, sagt Baudezernent Heinze. Deswegen könne die Beschaffung nun auch sofort beginnen. Passend zu den Gewinner-Bänken sollen im kommenden Jahr zudem noch Abfallbehälter angeschafft werden. Und bis die neuen Bänke aufgestellt werden, sollen die acht Probe-Bänke auf der oberen Allee erst einmal bleiben. Angenommen werden sie nach wie vor sehr gut.

Die Abstimmung

1310 Stimmen wurden bei der Probesitzen-Abstimmung insgesamt abgegeben, davon waren 1154 gültig. Fast zwei Drittel der Teilnehmer nutzten dafür die Box im Allee-Center, noch mal etwa ein Drittel stimmte online ab. Die anderen Möglichkeiten spielten eine untergeordnete Rolle. 345 Stimmen (29,9 Prozent) entfielen auf die Gewinner-Bank. Die Bank 6 wurde mit knapp 20 Prozent Zweiter, Bank 1 holte den dritten Platz.

Standpunkt: Gerne mehr davon

sven.schlickowey@rga-online.de

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Fast zwei Meter breit, knapp über 90 Zentimeter hoch, so sieht Baden-Baden L, der Favorit der Remscheider, aus, der in ein paar Monaten die Alleestraße schmücken wird. Dabei ist es fast egal, welches Modell aus dem Probesitzen als Sieger hervorging, viel wichtiger ist der Prozess als solcher. Zum einen, weil jetzt endlich mal etwas auf der Alleestraße passiert, was man auch sehen kann. Zum anderen aber auch, weil Stadtplaner und Bevölkerung hierbei direkt in den Austausch miteinander kamen. Ganz ohne moderierte Bürgerbeteiligungswerkstatt oder Fußverkehrscheckspaziergang. Und siehe da: Es gab jede Menge zu lernen. Dass Remscheider trotz Regens lieber auf Holz als auf Metall sitzen zum Beispiel. Oder auch, dass sie überhaupt gerne auf der Alleestraße sitzen, es dort also zu wenig Bänke gibt. Und dass elektronische Kommunikation zwar total praktisch ist, viele Remscheider aber lieber einfach einen Zettel ausfüllen und in eine Box werfen. 

So kann man das Probesitzen, so lustig die Idee im ersten Moment klang, inzwischen als vollen Erfolg verbuchen, der als Blaupause für ähnliche zukünftige Projekte dienen sollte. Gerne mehr davon.

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