Mobilstationen

VRR will zehn Haltestellen aufrüsten

„Der Friedrich-Ebert-Platz ist einer wichtigsten ÖPNV-Verknüpfungspunkte in Remscheid“, sagt Burkhard Fey, bei der Stadt für Verkehrsplanung und ÖPNV zuständig. Dies könnte eine von zehn Mobilstationen in Remscheid werden. Foto: Michael Schütz
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„Der Friedrich-Ebert-Platz ist einer wichtigsten ÖPNV-Verknüpfungspunkte in Remscheid“, sagt Burkhard Fey, bei der Stadt für Verkehrsplanung und ÖPNV zuständig. Dies könnte eine von zehn Mobilstationen in Remscheid werden.

Attraktiveres Umsteigen: Der Verkehrsverbund schlägt „Mobilstationen“ vor. Zum Beispiel an den vier Bahnhöfen.

Von Andreas Tews und Katharina Birkenbeul

Remscheid. Das Umsteigen von einem Verkehrsmittel in ein anderes soll attraktiver werden. Darum strebt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für 630 wichtige Umsteigehaltestellen einen Mindeststandard und damit für viele Stationen auch eine deutliche Verbesserung an. Zehn dieser „Mobilstationen“ sollen in Remscheid eingerichtet werden. Kurzfristig schlagen Gutachter des VRR dafür Güldenwerth Bahnhof, Lennep Bahnhof und Remscheid HBF vor. Bei der Stadt kommt diese Idee gut an, mit einem genauen Zeitplan ist Burkhard Fey, bei der Stadt für Verkehrsplanung und ÖPNV zuständig, aber vorsichtig.

Das 84-seitige Gutachten ist in den Gremien des VRR im Herbst 2020 vorgestellt worden. Darin heißt es, dass der Verkehrsverbund ein flächendeckendes Netz an „Mobilstationen“ mit einem einheitlichen Standard anstrebt. Die sollen an möglichst zentralen Orten eingerichtet werden. Die Gutachter haben Standpunkte für solche Stationen ausgemacht und in Priorisierungsstufen eingeteilt.

Remscheid: Der Bahnhof Lennep bietet sich für die Umsetzung einer „Mobilstation“ als Erstes an

Kurzfristig sollten demnach Güldenwerth Bahnhof, Lennep Bahnhof und Remscheid Hauptbahnhof aufgerüstet werden. Mittelfristig sehen sie dies für die Haltepunkte Friedrich-Ebert-Platz und Lüttringhausen Bahnhof vor. Auf der langfristigen Agenda sehen sie die Haltestellen Amtsgericht, Bismarckplatz, Lüttringhausen Rathaus, Richard-Lindenberg-Platz und Trecknase. Bei der Bestimmung der ausgewählten Haltestellen war die Stadt mitbeteiligt. „Der Bahnhof Lennep bietet sich unserer Meinung nach als Erstes an, weil es schon als Mobilstation bezeichnet werden kann“, sagt Fey. Dort gebe es bereits eine P+R-Anlage, viele Buslinien und bald sollen auch Rad-Parkplätze kommen.

Mindestausstattung: Die „Mobilstationen“ sollen sich nicht nur durch ihre einheitliche optische Gestaltung von anderen Haltestellen abheben. Dies gilt auch für die Ausstattung. Jede dieser Stationen sollte zumindest einen Wetterschutz für Fahrgäste, Sitzgelegenheiten, Mülleimer, Aushangfahrpläne, eine überdachte Fahrradabstellanlage und eine oder mehrere Stelen mit durchgängigem Design und Wegweisern bieten. Außerdem soll sie durchgängig barrierefrei sein. Zum Mindeststandard gehören eine dynamische Fahrgastinformation über die Ankunftszeiten der nächsten Busse oder Züge und eine Uhrzeitanzeige. Auch Fahrkartenautomaten zählen die Gutachter auf. Sie erwähnen aber auch die Möglichkeit, dass Tickets in Bussen oder Bahnen verkauft werden können. Ein Umgebungsplan soll die Orientierung erleichtern. Dies könne auch per App geschehen.

Investitionen: Das bedeutet, dass an den betreffenden Remscheider Haltestellen noch einiges zu tun wäre. Nach Einschätzung der Gutachter fallen Kosten zwischen 15 000 Euro am Bahnhof Güldenwerth bis zu 79 000 an der Trecknase allein an Materialkosten für die Mindestausstattung an. In Güldenwerth fehlen an sich nur noch Stelen und Wegweiser. An der Trecknase sieht das hingegen anders aus: Bike-and-Ride-Anlage, dynamische Fahrgastinformationstafel, Umgebungsplan, Uhr sowie Stelen und Wegweiser müssten noch installiert werden. Auch an den meisten anderen als Mobilstation vorgeschlagenen Bushaltestellen fehlt eine Bike-and-Ride-Anlage. „Wie viel es am Ende wirklich alles kostet, können wir erst sagen, wenn der Plan konkret wird“, so Fey. „Für die Finanzierung haben wir 50 000 Euro im Doppelhaushalt 21/22 beantragt und es gibt auch ausreichend Fördermittel, beispielsweise beim VRR selbst“, sagt Fey.

Zeitplan: „Wir können nicht versprechen, dass wir bis Ende des Jahres eine Mobilstation haben, aber wir werden mit den Planungen beginnen, um dies sobald wie möglich umzusetzen. Es ist ein interessantes Zukunftsthema“, kündigt Fey an.

Kriterien

Als „Mobilstationen“ eignen sich laut VRR-Gutachten in erster Linie Haltestellen, an denen mehrere Linien des öffentlichen Nahverkehrs jeweils im regelmäßigen Takt abfahren, an denen viele Fahrgäste umsteigen und an denen ein Zugang zu einem „Schnellverkehrsmittel“ (zum Beispiel S-Bahn) besteht. Die Umsetzung dieser liegt dann in der Hand der jeweiligen Städte. An der Auswahl war Remscheid zudem mitbeteiligt.

Standpunkt: Günstige Tickets fehlen

Von Katharina Birkenbeul

katharina.birkenbeul@ b-boll.de

Zehn Mobilstationen soll Remscheid in den nächsten Jahren bekommen – zumindest laut eines Gutachtens des VRR. Damit sollen Bushaltestellen an besonders wichtigen Verknüpfungspunkten attraktiver gestaltet werden. In Remscheid, wo das Netz des Öffentlichen Nahverkehrs gut ausgebaut ist, ein guter Vorschlag, um den ÖPNV wieder etwas attraktiver zu machen. Denn wer steigt gerne an verdreckten oder vor Regen ungeschützten Haltestellen um. Auch Fahrräder, die in der Pandemie deutlich an Nutzern gewinnen, müssen sicher abgestellt werden können.

Allerdings bringt auch die schönste Haltestelle nichts, wenn die Kosten für eine Fahrkarte immer weiter in die Höhe schießen. Die nicht gerade geringen Gelder, die laut VRR-Gutachten in die Mindestausstattung der Mobilstationen gehen würden, könnten zumindest zum Teil stattdessen dafür sorgen, dass Einzelfahrkarten, Monatstickets und Co. günstiger werden. Denn eine Mobilstation nutzt ohne Fahrgäste nichts und Fahrgäste wünschen sich eine Mobilstation.

Auch den S-Bahn-Verkehr will der VRR reformieren.

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