Verstoß gegen Anleinpflicht ist teuer

Von freilaufendem Hund gerissen - Jäger pflegen verletztes Kitz

Laura Weischede (l.) und Jutta Frölich-Maikranze mit dem „Desireh“ getauften Rehkitz von Langenhaus.
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Laura Weischede (l.) und Jutta Frölich-Maikranze mit dem „Desireh“ getauften Rehkitz von Langenhaus.
  • Axel Richter
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Desireh ist ungefähr vier Wochen alt, hat große Knopfaugen, ist hübsch gepunktet – und schwer verletzt.

Von Dela Kirchner und Axel Richter

Remscheid. Denn das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück: Die Finderin ist mit der tiermedizinischen Fachangestellten Laura Weischede befreundet, deren Eltern jagdlich aktiv sind. So landete der Hilferuf an den richtigen Stellen, um dem kleinen Reh fachkundig helfen zu können. Was viele vermutlich nicht wissen: Wer ein Wildtier ohne die Freigabe des zuständigen Jagdpächters mitnimmt, auch in Notsituationen, macht sich strafbar.

„Jäger sind nicht immer böse“, macht Laura Weischede (26) deutlich. „Der zuständige Jagdpächter hat uns erlaubt, nach dem verletzten Kitz zu suchen und einer Behandlung in der Tierarztpraxis zugestimmt.“

Wie gut, dass die tiermedizinische Fachangestellte Teil des Teams der Tierarztpraxis Süd an der Burger Straße ist und Desireh von kurzen Wegen profitierte. Weischede hatte auch die passende Pflegestelle in petto: ihre Mutter Jutta Frölich-Maikranz (45), die selbst jahrelang in einer Tierarztpraxis gearbeitet hat und mit der Jagd seit Kindheitstagen vertraut ist.

„Wir wollten Desireh eine Chance geben“, erzählt die Frau eines Jägers. „Aber: Desireh ist noch lange nicht über den Berg. Sie hat große Probleme durch ein riesiges Hämatom an Hals. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob sie es schaffen kann.“ Bis dahin bedeutet das für die Familie: 24-Stunden-Bereitschaft zu Hause, so wenig Kontakt zu dem Kitz wie möglich und den Verlust nahezu aller sozialen Kontakte für die Zeit des Aufenthalts. „Kitze in diesem Alter haben schon Fluchtreflexe. Man kann sagen, dass Desireh in einer Art fortwährenden Panik vor mir und meinen notwendigen Behandlungen und Fütterungen lebt. Besuche bei dem Kitz sind tabu“, sagt Frölich-Maikranz. „Wer denkt, bei der Aufzucht von Wildtieren kann gekuschelt werden, liegt völlig falsch.“

„Die Zahl der Hunde hat mit der Zahl erfahrener Halter leider nicht Schritt gehalten.“

Markus Wolff, Forstamt

Eine Fehlprägung auf den Menschen ist letztendlich oft der Grund, der einem Wildtier die Chance auf eine Auswilderung und ein selbstbestimmtes Leben in der Natur nimmt. „Wir haben zu Hause schon einmal erfolgreich ein Kitz aufgezogen und es im Revier auswildern können. Bei vielen Tieren ist dies nicht möglich oder sogar verboten.“

Diese Regeln sollen Hundehalter beachten

Freilaufende Hunde sind in Wald und Flur ein Problem für den Wildtiernachwuchs. Der dringende Appell der Jäger ist jedes Jahr der Gleiche: Bitte Hunde an die Leine, zumindest in der Brut- und Setzzeit.

Die Regeln, an die sich die Hundehalter in Remscheid zu halten haben, sind eindeutig: Abseits von Waldwegen sind Hunde generell an der Leine zu führen. Auf Waldwegen besteht dagegen „generell kein Leinenzwang“, erklärt Arndt Liesenfeld, Leiter des Ordnungsamtes: „Der Hund muss aber jederzeit unter Kontrolle sein.“ Ist das der Fall? Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes und selbst Jäger, macht so seine eigenen Beobachtungen. „Die Zahl der Hunde hat mit der Zahl erfahrener Hundehalter jedenfalls nicht Schritt gehalten“, sagt er.

Tatsächlich hat die Zahl der Hunde in der Pandemie deutlich zugenommen. Von 2019 bis heute stieg sie um 450 auf 7100 Hunde. 2012 lebten in Remscheid noch knapp 5400 angemeldete Vierbeiner. Wir haben es also mit mehr Tieren zu tun. Mehr Freilaufflächen sind jedoch nicht entstanden. Im Zweifel kann es teuer werden, denn Verstöße gegen die Anleinpflicht verfolgt die Stadt als Ordnungswidrigkeit. Ein von Hunden gerissenes Reh stellt sogar eine Straftat dar.

Haustier-Boom: Hundesteuer übersteigt eine Million Euro

Jäger pflegen verletztes Kitz Desireh

Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück.
Das Rehkitz, das in den sozialen Netzwerken bereits die Runde macht, wurde von einem Hund gerissen. Desireh hatte dabei vorerst Glück im Unglück. © Roland Keusch

Anleinpflicht in Remscheid

In Remscheid sind Hunde in Fußgängerzonen, in Parks, auf Spielplätzen, Festen und in öffentlichen Gebäuden grundsätzlich an der Leine zu führen.

Für den Stadtpark, den Honsbergpark, den Edelhofpark, den Sieper Park und Hardtpark, am Professor-Herrmann-Platz sowie in den Grünanlagen Kuckuck, Quimperplatz und Kreuzbergstraße gilt eine Sonderregel. Dort müssen Hunde ebenfalls angeleint sein - und zwar an einer reißfesten Leine, die höchstens zwei Meter lang ist.

Im Wald gilt: Solange sich Hund und Halter auf Waldwegen befinden, gilt keine Anleinpflicht. Abseits des Weges ist der Hund anzuleinen. Im Naturschutzgebiet sind Hunde grundsätzlich an der Leine zu führen.

Passend zum Thema: Zahlreiche Themen warten auf die Jäger

Standpunkt von Axel Richter: Über Wipfeln keine Ruh

axel.richter@rga.de

Es ist Brut- und Setzzeit. Das heißt, die Vögel und Säugetiere bekommen ihren Nachwuchs. Zum Schutz des Wildkindergartens sollten Hunde an der Leine geführt werden. Und zwar auch solche, die nach der festen Überzeugung ihrer Halter kein anderes Tier beißen, sondern nur mit ihm spielen wollen. Selbst wenn das so sein sollte, dürfte dem Reh, das vor ihnen davonläuft, das im Zweifel egal sein.

Den Hund an der Leine zu führen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Doch Jäger und Forstmitarbeiter beobachten das Gegenteil. In den Pandemiejahren ist der Wald als Ort einer entgrenzten Freizeitgestaltung entdeckt worden. Radler sind dort unterwegs, Picknicks werden abgehalten, Grillnachmittage. Und nach der Trockenheit werden die übrig gebliebenen Dürreständer zur Motocrossstrecke. Ist ja eh schon alles tot. Falsch, neues Leben erwacht. Nur ist dank der Menschen am oberen Ende der Hundeleine über den Wipfeln schon lange kein Ruh mehr.

Lesen Sie auch: Das bietet der „Remscheider Sommer“ bis September

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