Corona

Von 71 Infizierten haben 9 beide Impfungen

Vorbereitete Impfdosen bei einer Vor-Ort-Ímpfaktion des Remscheider Krisenstabes. Der macht mit seiner aufsuchenden Arbeit gute Erfahrungen und will deshalb daran anknüpfen. Nicht jeder Remscheider tritt den Weg ins Impfzentrum an. Nicht jeder hat einen Hausarzt. Foto: Roland Keusch
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Vorbereitete Impfdosen bei einer Vor-Ort-Ímpfaktion des Remscheider Krisenstabes. Der macht mit seiner aufsuchenden Arbeit gute Erfahrungen und will deshalb daran anknüpfen. Nicht jeder Remscheider tritt den Weg ins Impfzentrum an. Nicht jeder hat einen Hausarzt.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Sieben-Tage-Inzidenz wird zum Schulstart weiter steigen – Viele Virusträger kehren aus der Heimat zurück.

Remscheid. Noch vor einer Woche schauten die Remscheider noch interessiert auf die Zahlen in Solingen und erfreuten sich selbst eines deutlich geringeren Infektionsgeschehens. Dr. Gabriela Marek, für die Stadt Remscheid verantwortlich für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung, wusste genau, dass es so nicht bleiben würde: „Bevor sich Remscheid versieht, kann es bei uns ähnlich aussehen“, erklärte sie dem RGA und behielt recht. Zum Ferienende gewinnt das Coronavirus in Remscheid deutlich an Tempo.

Wie geht es jetzt weiter?

Zwar ging die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag wieder leicht zurück. Doch zum Ende der Sommerferien kennt die Kurve der Neuinfektionen vor allem eine Richtung: nach oben. Der Krisenstab der Stadt rechnet mit deutlich steigenden Infektionszahlen in Remscheid. Auch und gerade an den Schulen, die in dieser Woche wieder den Unterricht aufnehmen.

Was sind die Gründe für die wieder steigenden Infektionszahlen?

Die gleichen wie im vergangenen Jahr. „Viele der neuen Infektionsfälle haben eine Reiseanamnese“, sagt Dr. Gabriela Marek. Konkret: Bei den Neuinfizierten handelt es sich vor allem um Urlaubsreisende, die aus ihren Heimat- beziehungsweise den Herkunftsländern ihrer Familien nach Remscheid zurückgekehrt sind, erklärt die Medizinerin auf Nachfrage des RGA. Die Menschen kommen zurück vom Balkan oder aus der Türkei, wo sie sich augenscheinlich weniger streng an die Regeln zum Schutz vor einer Ansteckung gehalten haben. Das gilt allerdings nicht weniger für eine andere Urlaubergruppe, mit denen es das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung zu tun hat: „Die waren in Spanien im Urlaub“, sagt Gabriela Marek. Zum Beispiel auf Mallorca.

Welche Folgen sind zu erwarten?

Aktuell zählen vor allem Menschen mittleren Alters zu den Infizieren. Die meisten Alten sind geimpft. Das erklärt, dass die Zahl der Todesfälle stagniert und die Krankenhäuser aktuell keine schweren Krankheitsverläufe zu behandeln haben. „Und bei den Kindern verläuft eine Infektion häufig nur mit Husten und Schnupfen“, sagt Dr. Marek. Die Ärzte rechnen trotz wieder steigenden Infektionszahlen deshalb nicht mehr mit ähnlich tragischen Folgen wie in der Vergangenheit mit zahlreichen Toten. Das gilt freilich umso mehr die Menschen sich gegen Covid-19 impfen lassen.

Wie viele der Neuinfizierten sind geimpft und haben sich trotzdem angesteckt?

Zwischen dem 9. und dem 16. August zählte das Gesundheitsamt in Remscheid 71 positive Coronafälle. Von diesen 71 Patienten waren zuvor 9 zweimal geimpft worden, hatten also den vollen Impfschutz. Weitere 10 waren lediglich einmal geimpft worden. Die übrigen 52 Patienten waren zuvor gar nicht gegen Corona geimpft worden.

Unter 71 Infizierten waren 9 Geimpfte. Ist das nicht überraschend?

Nein. Es ist unbestritten, dass es trotz einer Impfung zu einer Infektion und einer Erkrankung an Covid-19 kommen kann. Keine Impfung bietet hundertprozentigen Schutz.

Wenn ich mich aber trotz Impfung anstecken kann, warum soll ich mich dann impfen lassen?

Erstens weil die Wahrscheinlichkeit einer Infektion für den Geimpften deutlich geringer ist als für einen Ungeimpften. Zweitens weil Geimpfte das Virus deutlich seltener an andere Menschen weitergeben als Ungeimpfte. Und drittens, weil im unwahrscheinlichen Fall einer Erkrankung der Krankheitsverlauf für den Geimpften deutlich geringer ausfällt. Das zeigte sich deutlich nach einem erneuten Coronaausbruch in einem Remscheider Altenheim. Im April waren alle Bewohnerinnen und Bewohner durchgeimpft. Dennoch kam es zu sieben Neuinfektionen. Aber: Alle Fälle zeigten einen milden bis symptomfreien Verlauf. In einem Heim in Lennep gab es um Weihnachten, als noch niemand geimpft war, dagegen mehr als 30 Tote.

Wie will der Krisenstab weitere Menschen für die Impfung gewinnen?

Die Stadt setzt ihre Strategie der aufsuchenden Impfteams fort und appelliert darüber hinaus an die Unternehmen, Impfungen in den Firmen durch ihre Betriebsärzte anzubieten. Damit sollen jene erreicht werden, die den Gang zum Arzt eher scheuen. Denn wie viele andere Krankheiten betrifft auch Corona die Armen eher als die Reichen. Und die Uninformierten mehr als die Informierten.

Kommentar

axel.richter@rga.de

Von Axel Richter

Keine Impfung schützt zu hundert Prozent. Die gegen Grippe in manchen Jahren zum Beispiel nur zu 60 Prozent, weil der im Frühjahr entwickelte Impfstoff nicht mit den Influenzaviren übereinstimmt, die im Herbst unterwegs sind. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Und gegen Corona sowieso, zumal: Biontech, Moderna und Co. erreichen eine Wirksamkeit von etwa 90 Prozent.

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