Bilanzpressekonferenz

Volksbank: Zuviel Geld kann auch ein Problem sein

Christian Fried (l.) und Andreas Otto bei der Bilanzpressekonferenz der Volksbank im Bergischen Land. Der neu zusammengestellte Vorstand konnte durchaus gute Zahlen für 2021 vermelden. Foto: Michael Schütz
+
Christian Fried (l.) und Andreas Otto bei der Bilanzpressekonferenz der Volksbank im Bergischen Land. Der neu zusammengestellte Vorstand konnte durchaus gute Zahlen für 2021 vermelden.

Bilanz der Volksbank im Bergischen Land: Gute Zahlen in einem herausfordernden Umfeld.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ein Zuwachs bei der Bilanzsumme von mehr als 100 Millionen Euro, ein Gewinn nach Steuern im siebenstelligen Bereich und mehr als 20 Prozent Plus beim Wertpapiergeschäft – hinter der Volksbank im Bergischen Land liegt ein „tolles Jahr“, wie es der Vorstandsvorsitzende Andreas Otto formulierte. Das genossenschaftliche Kreditinstitut konnte bei nahezu allen Kennzahlen zulegen. Auch wenn nicht jeder dieser Werte die Banker wirklich freute.

Denn dass man erstmals eine Bilanzsumme von ziemlich genau drei Milliarden Euro erreichte, lag vor allem an einem starken Zuwachs bei den Kundeneinlagen. „Uns fließt immer noch sehr viel Geld zu“, sagt Otto. Liquidität, für die die Volksbank selber Negativzinsen zahlen muss. Und die so das Ergebnis der Bank drückt.

Ein Ende dieser Entwicklung sei derzeit nicht absehbar, so Otto. Nicht zuletzt wegen der Ukraine-Krise. Die könne dazu führen, dass viele Anleger deutsche Banken wieder als „sicheren Hafen“ empfänden, vermutet der Vorstandsvorsitzende. Zusammen mit der vergleichsweise hohen Freigrenze bei der Volksbank im Bergischen Land, Bestandskunden zahlen erst ab 250 000 Euro Verwahrentgelt, dürfte dies noch mehr Geldzufluss bedeuten. Wobei die aktuellen Freibeträge nicht in Stein gemeißelt sind, wie Otto betont: „Wir sind in Überlegungen, ob wir die so noch halten können.“

Rund eine Million Euro sollen als Dividende gezahlt werden

Noch allerdings verdient die Volksbank im Bergischen Land auch so Geld. Auch dank der Provisionen im Wertpapiergeschäft, der Bestand der Kunden stieg um knapp 22 Prozent auf über 1,25 Milliarden Euro und dank rund 100 Millionen Euro zusätzlichem Baufinanzierungsgeschäft. Nach Steuern bleibt für 2021 ein Überschuss von rund sechs Millionen Euro. Damit liege der Cost-income-Ratio unter 60 Prozent, sagt Vorstandsmitglied Christian Fried nicht ohne Stolz. Die bergische Volksbank hat also 58,5 Cent Verwaltungsaufwand, um einen Euro zu verdienen. Das ist vergleichsweise effizient, der Branchenschnitt liegt deutlich über 70 Prozent.

Rund eine Million Euro des Gewinns soll als Dividende an die Genossenschaftsmitglieder fließen, wenn die Vertreterversammlung dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zustimmt. Das restliche Geld wird insbesondere genutzt, um das Eigenkapital zu erhöhen. Grund seien neue Vorschriften, erklärt Christian Fried. Allein um den derzeitigen Bestand an Immobilienfinanzierungen halten zu können, brauche man bis 2023 fast vier Millionen Euro mehr Eigenkapital. „Das versetzt uns in die Lage, weiterhin Kredite an unsere Kunden zu vergeben“, sagt Andreas Otto.

Die Volksbank im Bergischen Land, 2017 durch Fusion der Volksbank Remscheid-Solingen mit der Wuppertaler Credit- und Volksbank entstanden, ist in 13 Kommunen mit insgesamt 21 Filialen und mehr als 360 Mitarbeitern vertreten. Das Institut hat rund 75 000 Kunden und wird von knapp 11 000 Mitgliedern getragen, deren Zahl in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden soll.

Nachdem zuletzt einige nah beieinander liegendende Geschäftsstellen zusammengefasst wurden, seien im Moment keine Veränderungen am Filialnetz geplant, sagt der Vorstand. Man beobachte aber das Verhalten der Kunden, sagt Andreas Otto: „Die Digitalisierung der Bank hört nicht auf.“ Als regionale Bank betrachte man die Filialen als „Ankerpunkt“, betont Fried.

Mit Sorge blickt der Vorstand derzeit in die Ukraine. Die Folgen des Krieges werden, wie die Folgen von Corona, das Jahr bestimmen, schaut Christian Fried in die nahe Zukunft. Höhere Energie- und Rohstoffkosten könnten als Preistreiber wirken, vermutet er. Verzichte die Europäische Zentralbank auf die erwarteten Anhebungen der Zinsen, könnte das dem entgegen wirken. Man sehe zurzeit noch keine „dramatischen Verwerfungen“, sagt Andreas Otto. „Aber es bleibt herausfordernd.“

Hintergrund

Rund 8,3 Millionen Euro Steuern wird die Volksbank im Bergischen Land nach eigenem Bekunden für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2021 wohl zahlen müssen, mehr als die Hälfte bleibt als Gewerbesteuer in der Region. Allein die Stadt Remscheid, das Institut hat seinen Hauptsitz in Lennep, wird demnach etwa drei Millionen Euro erhalten. Hinzu kommen 280 000 Euro, die als Spenden übers Crowdfunding oder als Sponsoring in die Region flossen.

Auch interessant: Volksbank Oberberg bleibt trotz Pandemie stark

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Flüchtlingsheim bleibt in der Warteschleife
Flüchtlingsheim bleibt in der Warteschleife
Flüchtlingsheim bleibt in der Warteschleife
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Unfall: Auffahrt zur A1 ist wieder frei
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Arbeitskreis plant Remscheider CSD
Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten
Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten
Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten

Kommentare