Mehrfamilienhäuser

Vömix: Darum ist das Gewag-Projekt ein Vorbild

Die Balkone kamen vor ein paar Tagen, bald sind die neuen alten Wohnungen bezugsfertig. Gewag-Vorstand Oliver Gabrian (3. v. r.) präsentierte dem Ausschuss das Vömix-Projekt.
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Die Balkone kamen vor ein paar Tagen, bald sind die neuen alten Wohnungen bezugsfertig. Gewag-Vorstand Oliver Gabrian (3. v. r.) präsentierte dem Ausschuss das Vömix-Projekt.

Vor-Ort-Termin des Wohn-Ausschusses: Die Gewag hat sich für die Häuser Agnes-Miegel-Weg 2 bis 14 bewusst gegen einen Abriss und für eine Sanierung entschieden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ein kurzer Flur, links ein Mini-Bad, dahinter eine kaum größere Küche und ein Wohn-Ess-Zimmer, von dem es ins Schlafzimmer geht – mehr hatten die Wohnungen am Agnes-Miegel-Weg nicht zu bieten. „Als ich vor drei Jahren in Remscheid anfing, standen die schon seit Jahren leer“, erinnert sich Gewag-Vorstand Oliver Gabrian. Der kurz nach dem Krieg mit viel Einsatz und wenig Material hochgezogene Wohnraum galt nicht nur wegen der Grundrisse als unvermietbar. Inzwischen hat sich das geändert. Und das Projekt der Remscheider Wohnungsbaugesellschaft könnte als Vorbild für andere in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhäuser dienen.

Denn die Gewag hat sich für die Häuser Agnes-Miegel-Weg 2 bis 14 bewusst gegen einen Abriss und für eine Sanierung entschieden. Das sei ökonomisch wie ökologisch sinnvoller, sagt Gabrian: „Wer in Klima und in sozialen Mieten denkt, muss so viel Wohnraum wie möglich erhalten.“ Zumindest dann, wenn es technisch und wirtschaftlich möglich sei. Bei einem Vor-Ort Termin des Ausschusses Arbeit, Soziales, Gesundheit, Wohnen und Pflege präsentierte der Vorstand das Projekt den Politikern. Mit einem gewissen „Werksstolz“, wie er gerne zugab.

Der erste Bauabschnitt ist so gut wie fertig, erfuhren die Ausschuss-Mitglieder. Und bereits komplett vermietet. Aus mehr als 40 wurden durch Zusammenlegen 33 Wohnungen. Die Gebäude wurden entkernt, neue Decken eingezogen, die Grundrisse verändert, Balkone angebaut, die Wände gedämmt, Fenster und Türen erneuert. Geheizt wird zukünftig mit Wärmepumpen, ein Teil des Stroms liefern Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach.

Aber nicht nur deswegen sei die Sanierung sinnvoll fürs Klima, sagt Oliver Gabrian. Rund die Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes eines Gebäudes entstehe beim Bau, unter anderem bei der Herstellung der Materialien. Hinzu komme ein wirtschaftlicher Vorteil: In Lennep habe man gerade für 3000 Euro pro Quadratmeter neu gebaut: „Und das waren die alten Preise, heute würde das 4000 bis 4500 Euro kosten.“ Die Sanierung im Agnes-Miegel-Weg würde dagegen mit nur 1900 Euro je Quadratmeter zu Buche schlagen. „Dadurch sinkt die Miete um bis zu 3,50 Euro.“

Mit minimalen Abstrichen, wie Gabrian einräumt: Die schmalen Treppenhäuser könne man nicht barrierefrei gestalten, zudem hätten die Häuser weiterhin „olle Keller“: „Einen Tod muss man sterben.“ Dem gegenüber stehe aber eine um einige Hundert Euro niedrigere Monatsmiete. Etwa ein Drittel der Wohnung sind zudem öffentlich gefördert, verbunden mit einer entsprechenden Mietpreisbindung.

So gelungen das Projekt jetzt schon ist, es ist nur der Anfang, macht Gabrian deutlich. Schließlich gebe es nicht nur in Remscheid zahlreiche vergleichbare Objekte. „Ich werde in meinem Berufsleben sicherlich nicht mehr damit fertig“, so der Vorstand. „Und mein Nachfolger vermutlich auch nicht.“

Das Vömix-Projekt sei „ein gutes Beispiel, was man aus altem Wohnraum machen kann“, befand der Ausschussvorsitzende Jürgen Kucharczyk (SPD). Und das nicht nur für Remscheid. Man befinde sich in einem regen Austausch mit anderen gemeinwohlorientierten Wohnungsbaugesellschaften, berichtete Oliver Gabrian. Auch und vor allem, um voneinander zu lernen, wie man solche Sanierungen am besten umsetzt: „Die ganze Branche fängt ja gerade erst an.“

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Hintergrund

Fast drei Viertel aller Gebäude und Wohnungen in Deutschland entstanden erst nach 1950, wobei die 60er und 70er Jahre als die stärksten Baudekaden hervortreten. In NRW erfassen die Statistiker insgesamt rund 8,9 Millionen Wohnungen. Rund die Hälfte, 4,3 Millionen, wurden zwischen 1948 und 1978 gebaut. Im Schnitt wohnt jeder Deutsche auf 45,1 Quadratmetern.

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