Konzern schließt Ladenlokal an der Alleestraße

Vodafone wirft Unternehmer Betrug vor

Fünf Partneragenturen in der Region hat Vodafone wegen Betrugsverdachts geschlossen. Eine befand sich an der Alleestraße. Foto: Roland Keusch
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Fünf Partneragenturen in der Region hat Vodafone wegen Betrugsverdachts geschlossen. Eine befand sich an der Alleestraße.

Einen Reim auf ihre Telefonrechnung konnten sich die Eheleute aus Wermelskirchen nicht machen.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Zwar haben sie in einem Vodafone-Shop an der Alleestraße einen Vertrag für ein neues Smartphone abgeschlossen. Der abgebuchte Betrag war aber dreimal höher als vereinbart. Ein Anruf beim Telekommunikationsanbieter brachte Klarheit: Eine unbekannte Nummer stand zusätzlich auf der Rechnung des Paars. Auch waren dort Ausgaben für Handys aufgeführt, die die Wermelskirchener nie in der Hand hielten. Offenbar kein Einzelfall. Vodafone wirft dem Betreiber des Geschäfts „Betrug in mehreren Fällen“ vor.

Bei dem Beschuldigten handelt es sich laut Konzernsprecher Volker Petendorf um einen selbstständigen Vertriebspartner. Neben dem Shop in Remscheid betrieb er noch Partneragenturen in Solingen, Leichlingen, Leverkusen und Opladen. Mit Ablauf des vergangenen Monats hat Vodafone die Partnerschaft außerordentlich gekündigt, die betroffenen Läden geschlossen.

„Wir haben deutliche Hinweise, dass es dort unsaubere Geschäfte gab“, begründet Petendorf. Konkret gehe es um eingereichte Verträge und ausgelöste Produktbestellungen, „die von dem Kunden definitiv nicht gewollt sind“. So wurden mutmaßlich auf der einen Seite die Verbraucher zu Opfern, da ihnen höhere Kosten entstanden. Doch auch Vodafone fühlt sich betrogen: Für die Vertragsabschlüsse sei Provision gezahlt worden. Zudem habe man Smartphones im Glauben geliefert, sie seien für die Kunden bestimmt. Die hätten von den Geräten allerdings nie etwas gesehen.

Wie viele Verdachtsfälle im Raum stehen und um welche Schadenssumme es geht, verrät Petendorf nicht. Vodafone habe Strafanzeige erstattet. Ein Ermittlungsverfahren läuft. Im Gespräch mit dem RGA erklärt der Beschuldigte, er würde sich eigentlich gerne zu den Vorwürfen äußern. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, müsse er zum aktuellen Zeitpunkt jedoch leider darauf verzichten.

„Wir haben deutliche Hinweise, dass es dort unsaubere Geschäfte gab.“
Volker Petendorf, Vodafone-Sprecher

Zum vorliegenden Fall kann Lydia Schwertner nichts sagen. Immer wieder hat die Leiterin der Remscheider Beratungsstelle der Verbraucherzentrale jedoch mit zweifelhaften Handyverträgen zu tun. „Wenn andere Vertragsinhalte abgeschlossen als vereinbart wurden, lohnt eine Anzeige“, betont sie. Auch ein Gang zum Anwalt oder zur Verbraucherzentrale sei hilfreich. „Häufig können wir eine Menge retten.“

Damit es nicht so weit kommt, sollten Verbraucher einige Punkte beachten. Zentral ist dabei das Produktinformationsblatt. Darin sind alle wesentlichen Angaben zu Telefon-, TV- und Internetverträgen festgehalten. Wird während des Verkaufsgesprächs nicht darauf hingewiesen, sollten Kunden gezielt danach fragen. „Geht der Händler nicht darauf ein, suchen Sie sich einen anderen Shop“, betont Schwertner.

Die Verbraucherschützerin rät Kunden, vor der Vertragsunterschrift genau zu überprüfen, ob die Inhalte dem entsprechen, was im Produktinformationsblatt steht und mündlich zugesagt wurde. „Vor der Zustimmung zu einem Vertrag sollten Kunden alle relevanten Unterlagen zur Kenntnis nehmen können.“

Aus ihrer Berufserfahrung weiß sie, dass Verbraucher häufig Dokumente unterschreiben, von deren Inhalt sie im Grunde nur geringe Kenntnis haben. So kommt es vor, dass darin ungewollte Extraleistungen enthalten sind. Schwertner erinnert sich an ein Beispiel: „Ein Fall wollte nur einen günstigeren Mobilfunkvertrag. Letztendlich liefen sechs verschiedene Verträge auf ihn.“

Mit den Vodafone-Vorwürfen beschäftigt sich nun die Ermittlungsbehörde. Unabhängig davon hat das Unternehmen Lösungen für die mutmaßlich betrogenen Kunden gefunden, erklärt Volker Petendorf. Der Konzern hat eigene Ermittlungen angestellt, um weitere Verträge zu identifizieren, an deren Redlichkeit Zweifel besteht. Auch diese Nutzer habe man kontaktiert. Wer sich betrogen fühlt, aber noch keine Hilfe erhalten hat, soll sich bei der Vodafone-Kundenbetreuung melden.

Wie es mit den geschlossenen Filialen weitergeht, ist unklar. „Wir setzen auf den stationären Handel und suchen nach neuen Partnern“, betont Petendorf. Das sei in der aktuellen Lage aber nicht einfach.

Widerruf

Für in Handyshops geschlossene Verträge besteht in der Regel kein Widerrufsrecht, klärt die Verbraucherzentrale auf. „Eine mögliche Ausnahme besteht, wenn mit dem Abschluss eines Mobilfunkvertrages etwa zusätzlich ein vergünstigtes Handy oder ein Tablet erworben wird“, erklärt Lydia Schwertner.

Bei einer Verkehrskontrolle im Oktober ging ein 34-Jähriger der Polizei ins Netz. Er wurde mit einem Haftbefehl gesucht.

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