Besitzer fällt es schwer sich zu trennen

Neue Visionen für altes Lenneper Kino

Leo Schönhals im alten Kino ganz in der Nähe des Alten Markts. Er will es wiederbeleben.
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Leo Schönhals im alten Kino ganz in der Nähe des Alten Markts. Er will es wiederbeleben.
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Leo Schönhals will Gaststätte mitsamt Filmsaal in oberer Etage erwerben und neu beleben.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Am Übergang vom Alten Markt zum Munsterplatz kamen in Lennep einst Kinofreunde auf ihre Kosten. Oberhalb der Gaststätte Zum Bergischen Löwen gab es das Union-Theater, das heute noch so aussieht, als wäre die Zeit stehengeblieben. Wer im Gebäude über die Treppe hinaufgeht, stößt auf ein Kassenhäuschen, in dem sich eine Truhe mit der Aufschrift „Langnese Eiskrem“ aus den 60ern befindet. Von dort gelangen Besucher in den Kinosaal mit Leinwand und 159 Plätzen auf Stühlen mit rotem Stoffbezug. Das alles steht zum Verkauf: „Es fällt mir schwer, mich davon zu trennen. Es ist seit 1913 in Familienbesitz. Meine Großeltern haben hier ihre Existenz aufgebaut“, sagt Besitzer Karl Meyer (67). „Aber ich weiß das Gebäude ja auch künftig in besten Händen.“ Die Käufer sind keine Unbekannten: Investor Leo Schönhals und Geschäftspartner Haris Babic wollen das Haus mitsamt Gastwirtschaft und Kinosaal erwerben - und wiederbeleben.

Hier wurden früher einmal die Kinogäste in Empfang genommen. Und so mancher gönnte sich dann auch mal ein Eis

An Visionen mangelt es Schönhals nicht. Der Kinosaal sei ideal für Veranstaltungen. „Mal eine Filmvorführung, mal ein Konzert oder Kasperle-Theater für die Kinder“, listet der 73-Jährige auf, der weiß, dass sich das nur in enger Kooperation mit dem Bauamt umsetzen lässt. Denn da gibt es einiges zu tun: Noch immer hängen die beigen Schallschutzvorhänge aus Kunststoff im Kinosaal, die ganz sicher nicht den aktuellen Brandschutzvorschriften entsprechen. Diese dürften ohnehin bei einer künftigen Nutzung Thema sein. Unkomplizierter wird die Wiederbelebung der darunter gelegenen Gaststätte, in der zuletzt als Osteria italienische Spezialitäten serviert wurden. „Wir suchen einen Betreiber, zum Beispiel für ein türkisches Restaurant als Ergänzung zum Angebot in der Altstadt“ , sagt Leo Schönhals.

Zum Kino: Restaurant soll in alte Apotheke

Den glaubte er bereits, für die alte Apotheke an der Wetterauer Straße gefunden zu haben. Der Kontakt zum Interessenten sei aber abgebrochen. Ohnehin sei wesentlich schwieriger, die Apotheke in einen Restaurantbetrieb umzuwandeln, weil es sich hier um eine Nutzungsänderung handele.

Im seitlichen Bereich, über der Gaststätte, befand sich das Kino für 159 Besucher.

Die angrenzen Wohnungen im uralten Gebäudekomplex an der Wetterauer Straße habe er indes vermieten können nach dem Kauf im Jahr 2019. „Unser Architekt wurde zuletzt von der Stadt beauftragt, sie komplett neu vermessen zu lassen“, erklärt Schönhals. Dies sei eine Voraussetzung dafür, dass er beim Projekt „Restaurant in Apotheke“ weiterkomme. Ihm schwebt nun vor, dort ein Steakhaus einzurichten, wie Leo Schönhals hinzufügt.

Beim Weinfest werden Erinnerungen an das Kino gesucht

Beim Weinfest am kommenden Wochenende will er Stehtische vor das Lokal am Rande des Alten Markts stellen und mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Und dabei dürften jede Menge Erinnerungen geweckt werden - auch an die alten Kino- und Gaststättenzeiten.

Die hat Karl Meyer als Kind bei seinen Eltern erlebt, die Lokal und Lichtspielhaus führten. „Ich hab damals heimlich durch den Vorhang Dracula geguckt“, erinnert er sich. Später ging es im Union-Theater durchaus international zu. Seine Eltern wollten den damaligen Gastarbeitern etwas bieten. „So gab es bei den Spätvorstellungen an den Wochenenden auch Filme in italienischer und spanischer Sprache,“ erinnert sich Meyer.

Auch die uralte Technik befindet sich noch im Originalzustand im Gebäude, das einen neuen Besitzer findet.

In den 80er-Jahren hätten seine Eltern den Kinobetrieb aufgeben, 1995 schloss seine Mutter die Gaststätte, die einst beliebter Treffpunkt für die Lenneper war. „Zum Beispiel für die Mitglieder der Schützenvereine. Hier war ja viel los“, schildert Karl Meyer die Blütezeit der Gastronomie in Lennep, an die Schönhals anknüpfen möchte.

Kinderparadies

Noch etwas kündigt Leo Schönhals an: Nachdem Corona sein Spiel- und Bewegungsparadies für Kinder an der Alleestraße über mehr als zwei Jahre hinweg ausbremst habe, soll es nun im Oktober 2022 endlich losgehen. Sechs Euro sollen Kinder und Erwachsene, die den Nachwuchs begleiten, Eintritt bezahlen. Die kleinen Gäste sollen sich austoben, während ihre Eltern im Bistro entspannen können. „Ich will ein Angebot schaffen, das sich die Familien in Remscheid leisten können“, betont der Investor, der allerdings nach wie vor Restarbeiten erledigen lassen muss.

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