Pandemie

Virtuell auf Kneipentour gehen

Marvin Schneider (l.) und Niklas Bergmann – hier im Sommer – wollen das Viertel voranbringen. Archivfoto: Roland Keusch
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Marvin Schneider (l.) und Niklas Bergmann – hier im Sommer – wollen das Viertel voranbringen. Archivfoto: Roland Keusch

Gaststätten sind zwar geschlossen – Doch für die Macher an der Alten Bismarckstraße steht das Leben nicht still.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Seit Monaten steht das Leben in den Kneipen an der Alten Bismarckstraße still. Denn die Gastronomen müssen noch immer die Türen geschlossen halten, „es ist keine wirkliche Perspektive in Sicht“, sagt Niklas Bergmann, Betreiber des Saxo und des Vis-à-Vis. „In einer Kneipe geht es um Kommunikation, darum, andere Menschen kennenzulernen. Diese Lücke kann man nicht schließen.“ Denn mit den Richtlinien zur Öffnung, wie sie im letzten Sommer möglich war, sei den Menschen eine Normalität suggeriert worden, die gar nicht da sei. Gäste mussten wieder weggeschickt werden, weil die Kneipen zu voll waren.

Um diese Kommunikation wieder zu ermöglichen, hat Niklas Bergmann die Alte Bismarckstraße, das Saxo, das Vis-à-Vis und das Radio MyViertel virtuell auf einer Website nachgebaut. „Mit einem Avatar kann man dort über die Straße in die Läden gehen und Leute treffen, die man lange nicht gesehen hat“, erklärt Bergmann. Navigiert man durch eine der Kneipen und trifft auf einen anderen Avatar – ein virtuelles Figürchen –, öffnet sich die eigene Webcam.

„In einer Kneipe geht es um Kommunikation. Diese Lücke kann man nicht schließen.“

Niklas Bergmann, Gastwirt

So können die Gäste sich per Videochat sehen und miteinander ins Gespräch kommen. „Es gibt aber auch die privaten Bereiche. Dann sprechen nur die Menschen miteinander, die zusammen an einem virtuellen Tisch sitzen“ – zu dem weitere Avatare hinzustoßen können, wie in einer echten Kneipe auch. Zwei Wochen lang hat Niklas Bergmann durchgehend an der Website gearbeitet, seit drei Wochen existiert die Plattform und wird an den Wochenenden bereits rege angenommen.

Wirklich planen könne Bergmann für die kommenden Wochen allerdings noch nicht. „Wir sind für alles gerüstet“, sagt der Gastwirt. Außengastronomie mache für ihn unter Corona-Bedingungen aber erst Sinn, wenn die Temperaturen steigen. In der vergangenen Woche habe die Stadt Vermessungen für die geplanten Terrassen durchgeführt. „Wir haben unsere provisorische Terrasse jetzt abgebaut. Laut Stadt sollen die Terrassen bis zum Sommer fertig sein.“

Derweil ist auch der Verein MyViertel nicht untätig. Zehn Pfandringe sollen in der Alten Bismarck- und der Alleestraße aufgestellt werden, eine entsprechende Standortbeschauung finde in dieser Woche statt, berichtet Vorsitzender Marvin Schneider. „In einem Gastronomieviertel verschandeln viele Flaschen das Stadtbild.“ So könne das Viertel ressourcenschonend vorangebracht werden – und Pfandsammler müssten nicht mehr in den Mülleimer greifen. Für die Pflege und Leerung der Pfandringe vergibt der Verein Patenschaften. Gefördert wird das Projekt aus dem Quartiersfonds.

Ein neues Projekt ist auch die Anschaffung von vier Hütten, „um im Winter unseren eigenen MyViertel-Weihnachtsmarkt auf den Weg bringen zu können und ihm einen persönlichen Touch zu geben“, sagt Schneider. Dazu sei der Verein bereits im Gespräch mit der Evangelischen Stadtkirchengemeinde. „Aber es muss nicht beim Weihnachtsmarkt bleiben, die Hütten sind für jeden Anlass gut.“

Noch in der Planung ist ein Tauschschrank zwischen dem Vis-à-Vis und dem Biergarten des El Rey, in dem beispielsweise Bücher oder Haushaltsartikel getauscht werden können. Zurzeit sei der Verein auf der Suche nach jemandem, der den Schrank bauen kann. Ebenso soll das Radio MyViertel multimedialer aufgestellt werden, „dafür müssen wir uns aber noch das nötige Equipment zulegen“, so Marvin Schneider.

Link zur virtuellen Bismarckstraße: https://bit.ly/3ejetVz

Nachbarschaftshilfe

Im und nach dem ersten Lockdown setzten sich die Mitglieder des Vereins dafür ein, ältere Nachbarn in der Pandemie zu unterstützen und für sie einkaufen zu gehen. Auch halfen sie bei der Tafel aus. „Die anfängliche Angst der älteren Menschen ist nicht mehr so vorhanden“, sagt Marvin Schneider. Bei Bedarf könne die Hilfe aber jederzeit wieder aufgebaut werden.

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