Sportausschuss

Hackenberg: Verzicht auf Stadionbau beschert Vereinen eine Perspektive

Vom großen Wurf beim Sportplatz Hackenberg wird Abstand genommen: Aus Asche wird Kunstrasen, die weiteren Sportflächen könnten für Leichtathletik fit gemacht werden. Archivfoto: Roland Keusch
+
Vom großen Wurf beim Sportplatz Hackenberg wird Abstand genommen: Aus Asche wird Kunstrasen, die weiteren Sportflächen könnten für Leichtathletik fit gemacht werden.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Kunstrasen für Sportplätze Hackenberg und Neuenkamp möglich – 2,5 Millionen Euro im Haushalt sind der Schlüssel.

Remscheid. Die SG Hackenberg und der BV 1910 Remscheid haben seit Dienstagabend eine realistische Perspektive für die Zukunft. Mit einem Aufatmen nahm der Sportausschuss zur Kenntnis, dass ein zügiger Umbau der beiden Sportanlagen von Asche auf Kunstrasen auch ohne Fördermittel klappen könnte. Voraussetzung dafür ist der Verzicht auf den DOC-bedingten Stadionbau in Hackenberg. Der war ursprünglich mit dem Bau des Outlet-Centers und dem Abriss des Röntgen-Stadions für 10,6 Millionen Euro veranschlagt.

Im Laufe der vergangenen sieben Jahre sind die Baukosten jedoch ungleich höher geworden, und die Stadt hat 2,5 Millionen Euro zusätzlich in den Haushalt eingestellt, um die Mehrkosten aufzufangen. Diese 2,5 Millionen spielen in den künftigen Überlegungen eine zentrale Rolle. Der Sportbund hat einen Sieben-Punkte-Plan mit SGH, BV 1910, RSV, Stadtverwaltung und FC Remscheid entwickelt. So sollen von den 2,5 Millionen, die ohne ein modernes Sportzentrum nicht benötigt würden, 1,1 Millionen für den Kunstrasen in Hackenberg genommen werden. Hinzu kämen Möglichkeiten für die Leichtathletik und den Schulsport. Einen Eigenanteil von 50 000 Euro würde die SGH beisteuern.

Für Neuenkamp ergeben sich zwei Szenarien: Erhält der RSV im zweiten Anlauf die beantragten 1,5 Millionen Euro aus dem 31 Millionen schweren Sportsondertopf des Landes, würde der RSV der Stadt den Sportplatz Neuenkamp für einen symbolischen Kleinbetrag überlassen. Die Stadt könnte Neuenkamp dann mit den verbliebenen 1,4 Millionen für den BV 1910 herrichten. Pläne in diesem Kostenrahmen für eine multifunktionale Kunstrasenanlage, die dem Quartiersgedanken am Hohenhagen Rechnung trägt, liegen vor.

Szenario 2 berücksichtigt, dass der Förderantrag erneut abgelehnt wird. Dann würde die Stadt dem RSV den Platz in Neuenkamp für 1,3 Millionen abkaufen und für weitere 1,2 Millionen Euro mit einer „kleinen Lösung“, für die der Plan auch vorliegt, modernisieren. Nach Fertigstellung würde die Anlage dem RSV und BV 1910 zur Bewirtschaftung übertragen. Finanziert würde dies mit den 1,4 Millionen aus der Haushaltsstelle „Mehrkosten Hackenberg“, weiteren 900 000 Euro, die im Haushaltsplan vorgesehen sind als städtischer Eigenanteil für Neuenkamp, 200 000 Euro aus der demnächst freien Sportpauschale sowie dem obligatorischen Eigenanteil von 50 000 Euro durch den BV 1910.

„Selbst wenn keine Landesmittel fließen, gibt es jetzt Plan B.“

Berthold Fahl, BV 1910

BV-10-Geschäftsführer Berthold Fahl begrüßt: „Damit sind wir auf dem richtigen Weg. Selbst wenn keine Landesmittel fließen, gibt es jetzt Plan B. Für die SGH und uns wäre das eine Superlösung.“ Zu der auch der FC Remscheid beiträgt. Dessen Vorstand um Ralf Niemeyer und Thorsten Greuling räumte mit seiner Solidarität gegenüber den anderen Vereinen letzte Steine aus dem Weg. Der FCR setzt voraus, dass die Heimspielstätte des Landesligisten, das Röntgen-Stadion, verkehrssicher gemacht wird. 400 000 Euro kostet die Sanierung, nur 170 000 Euro mit Eigenleistungen.

So könnte der FCR bis zum DOC-Bau bleiben, wo er sich am wohlsten fühlt. Sollte das Röntgen-Stadion in ein paar Jahren abgerissen werden, würde der Verein neben dem Lüttringhauser Jahnplatz das Stadion Reinshagen nutzen. Die Traditionsstätte, früher die Heimat des VfB 06/08, der sich 1990 dem BV 08 anschloss und zum FCR fusionierte, müsste dafür im Tribünenbereich aufgemöbelt werden, vor allem, um Sicherheit zu garantieren, wenn rivalisierende Fanlager aufeinandertreffen. 1500 Besucher (800 allein auf der überdachten Tribüne) beträgt die heutige Kapazität.

Reinshagen liegt zwar weit weg für den FCR, dennoch will man zum Wohle des Sports diese Pille schlucken. Klare Erwartung ist jedoch, dass der FCR eine „gleichwertige regionalligataugliche Ersatzsportstätte erhält“.

Ziel ist, den Kunstrasen in Neuenkamp und Hackenberg zügig zu verlegen. Möglichst in 2022. Abgewartet werden soll, ob Landesmittel nach Remscheid fließen. Wichtig sei, betonte Dezernent Thomas Neuhaus, ob die Bezirksregierung grünes Licht gebe. Abgewartet werden soll auch die Bestandsaufnahme der Uni Wuppertal zur Sportentwicklungsplanung der „Freiflächen“, die im Juni vorliegen soll.

Stark gemacht

Was die Förderanträge für die RSV-Vereinsanlage und den Sportplatz Neuenkamp betrifft, erklärte Landtagsabgeordneter Jens Nettekoven im Sportausschuss, dass er sich bei der zuständigen Landesministerin stark gemacht habe, Remscheid bei der Neuauflage des Sportsonderprogramms zu berücksichtigen.

Standpunkt

Ein Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber@rga-online.de

Im August 2020 waren sich alle Anwesenden des Gipfeltreffens im BV-1910-Vereinsheim einig, man sei dabei, den gordischen Knoten zu zerschlagen. Landesförderung versprach einen Ausweg aus der verfahrenen Situation rund um den Sportplatz Neuenkamp. Die Mittel flossen bekanntlich nicht nach Remscheid, vor Jahresende stand alles nicht unerwartet wieder auf null. Mit dem Verzicht auf ein Sportzentrum in Hackenberg und den sich daraus öffnenden Optionen, frohlockte Sportausschuss-Vorsitzender Thorben Clever jetzt vorsichtig, könne der gordische Knoten gelockert werden. Die durchdachte Lösung, die nicht nur auf Fördertöpfe setzt, sondern auf vorhandene städtische Mittel zurückgreift, ist dem Sportbund zu verdanken. Sie räumt zwei Baustellen weg. Die Solidarität der beteiligten Vereine trägt dazu bei, dass zustande kommt, was niemand mehr so recht für möglich gehalten hätte angesichts der städtischen Finanznot. Verzichtet wird auf einen großen Wurf, um mehrere kleine möglich zu machen. Die SG Hackenberg will kein Stadion, ihr reicht ein Kunstrasen. Den könnte sie vielleicht schon 2022 eröffnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Tierheim in Remscheid ist ab sofort geschlossen
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Wenn „Querdenker“ den Betrieb stören
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Lärmbelästigung durch Poser: Beim Vorbild klappt es bisher ganz gut
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle
Corona: Inzidenz steigt auf 287,9 - Zwei weitere Todesfälle

Kommentare