Energiekrise

Vermieter will Gas abdrehen - und verteilt Radiatoren an Mieter

Leonhard Schönhals gehören einige Hundert Miet- und Gewerbeobjekte in Remscheid.
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Leonhard Schönhals gehören einige Hundert Miet- und Gewerbeobjekte in Remscheid.
  • Axel Richter
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Die höheren Stromkosten sollen die Mieter selbst zahlen - oder die Stadt. Wie der Vermieter das Ganze erklärt und was die Stadt Remscheid dazu sagt.

Von Axel Richter

Remscheid. Vor fünf Jahren rüstete Leonhard Schönhals die Heizung für seine Mieter in der Rosenhügeler Straße 19 von Öl auf Gas um. Jetzt wachsen ihm die Kosten über den Kopf („das kann ja keiner bezahlen“), weshalb der Geschäftsführer der Immobilienfirma City-Consult seinen Mietern einen Brief ins Haus schickte. Die Gasheizung werde abgestellt, stattdessen erhalte jede Wohnung einen Heizlüfter. Die höheren Stromkosten sollen die Mieter beziehungsweise Vater Staat tragen, sagt Schönhals. Doch der hustet ihm was.

„Der Vermieter muss die höheren Stromkosten, die er seinen Mietern zumuten möchte, schon selbst tragen“, sagt Carsten Thies, Chef des Fachbereichs Soziales und Wohnen bei der Stadt Remscheid.

Im RGA-Gespräch wirbt Leo Schönhals, dem in Remscheid einige Hundert Mietwohnungen und Geschäftsimmobilien gehören, um Verständnis. Längstens für sechs Wochen sollen seine Mieter in der Rosenhügeler Straße den Radiator laufen lassen. So lange soll es dauern, bis die zu teure und deshalb demnächst abgestellte Gasheizung wieder auf Öl umgerüstet sei. „Die Tanks sind ja noch im Keller“, sagt Schönhals. Das allein sei der Hintergrund des Schreibens, das er an seine Mieter sandte: „Die müssen für den Übergang ja eine Heizung haben.“ Und da, sagt Schönhals, annähernd die Hälfte seiner Mieter in der Rosenhügeler Straße von Hartz IV lebe, liege es für ihn auf der Hand, dass das Amt die Stromrechnung begleichen muss.

Wohnungsaufsicht soll Gebaren des Vermieters prüfen

Muss es aber nicht, sagt Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne): „Wenn ein Vermieter einen Heizungswechsel plant, dann kann er das nicht auf Kosten seiner Mieter beziehungsweise des Staates tun.“ Einen ähnlich gelagerten Fall habe er noch nicht erlebt. Im Gegenteil: „Das ist sicher nicht symptomatisch für den Mietwohnungsmarkt in Remscheid.“

Neuhaus und Thies haben den seltenen Fall an die städtische Wohnungsaufsicht weitergegeben. Die Behörde wacht über die Einhaltung von Mindeststandards bei der Wohnungsüberlassung. Bei schweren Verstößen kann sie Zwangsgelder verhängen und eine Wohnung im Extremfall für unbewohnbar erklären.

Lesen Sie auch: Energiesparen: Flüchten die Deutschen in die Sonne?

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