Stadt sucht nach Lösung

Verkehrschaos: Gärtner und Entrümpler blockieren die Deponie

Die Einfahrt zur Deponie am Samstagvormittag. Der Verkehr auf der Solinger Straße kam nahezu zum Erliegen. Foto: Herbert Melchers
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Die Einfahrt zur Deponie am Samstagvormittag. Der Verkehr auf der Solinger Straße kam nahezu zum Erliegen.

Am Samstag stauten sich die Autos auf der Solinger Straße bis zur Schüttendelle.

Von Axel Richter

Die Autos mit Grünschnitt und Gerümpel stauten sich zurück bis zur Schüttendelle. So viele Remscheider wollten am Samstag bei schönstem Frühlingswetter ihre Gartenabfälle auf der Deponie an der Solinger Straße abliefern, dass der Verkehr in Richtung Solingen nahezu zum Erliegen kam, die genervten Nachbarn Polizei und Ordnungsamt riefen und sich die Stadt zu einem dringenden Appell an die Bürgerinnen und Bürger veranlasst sah: „Bitte fahren Sie die Deponie nicht mehr an.“

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Schon Mitte der vergangenen Woche hatten die Technischen Betriebe als Betreiber des Wertstoffhofes die Remscheider dazu aufgerufen, auf das Entrümpeln von Kellern und Wohnungen vorläufig zu verzichten. Hintergrund: In der Corona-Krise sollen die Menschen möglichst daheim bleiben, viele Unternehmen sandten ihre Mitarbeiter in den Urlaub, ins Homeoffice oder auch in Kurzarbeit. Die gewonnene Zeit nutzen nun viele zum Aufräumen. Deshalb stieg die Zahl der Sperrmüll-Anmeldungen deutlich und die Fahrzeugschlange, die sich in der vergangenen Woche vor dem Wertstoffhof an der Solinger Straße bildete, wurde von Tag zu Tag länger und länger. Die Technischen Betriebe trifft das in einer angespannten Personalsituation. Doch ihre Bitte verhallte wirkungslos.

„Kein Privatmann hält sich an die Empfehlung, momentan nicht zur Deponie zu fahren“, schrieb der Deponie-Anwohner Herbert Melchers deshalb am Wochenende an Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und bat: „Lassen Sie sofort die Deponie für private Anlieferungen schließen.“

Die Menschen wissen nicht, wohin mit dem Grünschnitt

Daran denkt die Stadt nach RGA-Informationen vorläufig nicht. Fakt aber ist: Die Bürger, die am Samstag in ihren Garten gestapft waren, um Rasen und Rabatten auf Frühling zu trimmen, wissen zur Zeit nicht, wohin mit ihren Abfällen. Die Sammelstellen für Gartenabfälle, die normalerweise zu Frühjahrsbeginn in den Stadtteilen eingerichtet werden, gibt es in der Corona-Krise vorläufig nicht. Deshalb fahren die Bürger zur Solinger Straße.

Das Ordnungsamt griff am Samstag beherzt ein und machte eine zweite Fahrspur auf. „Wir haben den Verkehr dann noch eineinhalb Stunden begleitet“, berichtet Daniel Pfordt, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes. „Wir haben an der Deponie zur Zeit generell ein hohes Verkehrsaufkommen, am Samstag war das aber schon außergewöhnlich.“

Die Stadt Remscheid will am heutigen Montag beraten, wie sie die Verkehrssituation jenseits von Appellen in den Griff bekommt. Bei den Technischen Betrieben gibt es die Idee, eine Sammelstelle nur für Grünabfälle auf dem Schützenplatz einzurichten. Danach dürften die Gartenfreunde mit ihren beladenen Autos dorthin fahren und die Deponie bliebe in der Corona-Krise vor allem den Gewerbetreibenden vorbehalten. 

STANDPUNKT Gelobt und beklatscht

Von Axel Richter

Der RGA möge in der Coronazeit doch auch einmal die Technischen Betriebe positiv erwähnen und nicht immer nur die Pflegekräfte und Verkäufer. Das schreibt eine Leserin dem Tüpitter und behält natürlich recht damit. Wie viele Berufsgruppen machen auch die Männer der Müllabfuhr in der Krise einen hervorragenden Job.

axel.richter@ rga-online.de

Anstelle lobender Erwähnungen hätten die Deponie-Beschäftigten es am Samstag allerdings vermutlich lieber gesehen, wenn mehr Menschen ihrem Appell gefolgt und nicht mit ihren Gartenabfällen zur Solinger Straße gekommen wären, um dort ein mittleres Verkehrschaos zu verursachen. 

Ähnlich dürfte es den Pflegekräften und Verkäuferinnen ergehen, die heute an Fenstern beklatscht, nach Corona aber spätestens dann wieder angemault werden, wenn im Krankenhaus das Essen nicht mundet oder im Supermarkt die fünfte Kasse noch nicht aufgemacht wurde.

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