Vielfältige Herausforderungen

Vereine kämpfen mit der Krise

Den Projektladen von Our Children And Our Future an der Wiedenhofstraße öffnen Franz Lebfromm und seine Mitstreiter derzeit nicht. F oto: Roland Keusch
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Den Projektladen von Our Children And Our Future an der Wiedenhofstraße öffnen Franz Lebfromm und seine Mitstreiter derzeit nicht.

Organisationen sehen sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Drei Wochen lang waren die Mitarbeiter der Ärztlichen Kinderschutzambulanz im Frühjahr im Homeoffice. Anfang Mai kehrten sie zum normalen Tagesgeschäft zurück. „Als es wieder losging, sind wir total überrannt worden“, erzählt Leiterin Birgit Köppe-Gaisendrees. Mit vielen, teils schweren Fällen sah sich die Ambulanz konfrontiert. Beruhigt hat sich die Lage noch immer nicht. „Wir haben Arbeit ohne Ende. Es ist teilweise schrecklich.“ Hinzu kommen Sorgen um die wirtschaftliche Situation der Anlaufstelle.

Denn die Ärztliche Kinderschutzambulanz finanziert sich unter anderem über Spenden. Rund 200 000 Euro gehen pro Jahr ein, um Personalkosten zu decken und das Angebot auf dem neuesten Stand zu halten. Dieser Wert wird in diesem Jahr wohl nicht erreicht. Der aktuelle Stand ist deutlich geringer, wenngleich die traditionell spendenreiche Vorweihnachtszeit noch aussteht.

„Wir haben Arbeit ohne Ende. Es ist teilweise schrecklich.“ 

Birgit Köppe-Gaisendrees

„Obwohl wir definitiv noch Unterstützung gebrauchen können, ist unsere Existenz nach derzeitigem Stand nicht bedroht“, beruhigt Birgit Köppe-Gaisendrees. Dass Mittel fehlen, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie und ihr Team während der Corona-Krise weniger als normalerweise den direkten Kontakt zu Firmen gesucht haben. Schließlich sei man sich bewusst, wie schwierig die derzeitige Lage wirtschaftlich für viele Unternehmen ist.

Bauchschmerzen bereitet Köppe-Gaisendrees die unübersichtliche, schwer vorauszusehende Lage. „Niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt“, sagt sie. Diese Gedanken kennt auch Franz Lebfromm. Dabei richtet sich der Blick des Remscheiders vor allem nach Uganda. Dort ist der Verein Our Children And Our Future (OCAOF) aktiv, dessen Vorsitzender Lebfromm ist. Die offiziellen Fallzahlen in dem ostafrikanischen Land sind zwar niedrig. Doch Lebfromm geht von einer erheblichen Dunkelziffer aus. „Es wird kaum getestet“ erklärt er. Hinzu komme ein schlechter Informationsstand der Bevölkerung, was die Infektionsschutzmaßnahmen angeht.

Lebfromm ist froh, dass OCAOF seine Arbeit trotz der schwierigen Lage fortsetzen kann. So beleben seit Mitte Oktober wieder junge Menschen das Weiterbildungszentrum in Kitamba. Nach sechs Monaten Zwangspause sind zumindest die Schüler der Abschlussklassen dorthin zurückgekehrt. „Glücklicherweise haben wir vor Ort die Möglichkeiten, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten“, sagt Lebfromm. Andere Schulen in Uganda haben die monatelange Schließung nicht überstanden.

Dass das OCAOF-Projekt davon nicht betroffen ist, hängt nicht zuletzt mit der ungebrochenen Spendenbereitschaft für den Verein zusammen. Die Unterstützung erlaubt es, Lehrern, Ausbildern und anderen Mitarbeitern eine Art Kurzarbeitergeld zu zahlen. Auch wurden Hilfspakete für die Ärmsten im Projektumfeld geschnürt. Unter anderem bekamen sie Grundnahrungsmittel, Seife und Saatgut für die nächste Ernte zur Verfügung gestellt. Derzeit organisiert OCAOF Decken und Moskitonetze für arme Familien.

Spender, Paten und Förderer halten dem Verein die Treue. Doch auch Lebfromm und seine Mitstreiter müssen sich einschränken. Normalerweise präsentieren sie ihren Verein auf Weihnachtsmärkten, verkaufen dort Kunsthandwerk aus dem Projektumfeld. Das fällt in diesem Jahr flach. Auch der kleine Laden des Vereins, der „Afrika Point 2“ in der Wiedenhofstraße 3, hat geschlossen. Mitte November soll der Betrieb mittwochs und samstags von 11 bis 14 Uhr sowie freitags von 15 bis 18 Uhr wieder losgehen. Voraussetzt, die dann geltenden Corona-Regeln erlauben die Öffnung.

Eingependelt hat sich inzwischen wieder der Betrieb der Remscheider Tafel. Der Verein hat die Krise bislang gut überstanden. Man könne sich auf seine ehrenamtlichen Helfer verlassen und sei finanziell solide aufgestellt, betont der Vorsitzende Frank vom Scheidt. Augenblicklich bemüht er sich um Lösungen für Obst, Gemüse und Milchprodukte. Die sind bei der Tafel derzeit knapp, Partner werden gesucht. Zudem arbeitet das Team der Tafel an der jährlichen Weihnachtspäckchen-Aktion. Sie soll auch in diesem Jahr stattfinden – wenn auch in abgewandelter Form.

Gemeinnützige Organisationen wie die Ärztliche Kinderschutzambulanz, OCAOF und die Tafel kämpfen in der Corona-Pandemie alle mit verschiedenen Herausforderungen. Sie eint, sich von der Krise nicht unterkriegen zu lassen.

Kontakt

Kinderschutzambulanz: Tel. 13 59 60, info@ksa-rs.de

OCAOF: Tel. 5 65 74 75, ocaof@gmx.de

Tafel: Tel. 79 01 93, info@tafelremscheid.de

Die vereinbarte Erhöhung der Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst belasten den Remscheider Haushalt bis zum Jahr 2022 mit 1,6 Millionen Euro zusätzlich.

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