RGA vor Ort

Verein kümmert sich um „seine“ Bibliothek

Noch ist die Stadtteilbibliothek an der Gertenbachstraße zu finden. Obwohl die Räume alles andere als ideal sind, es gibt zum Beispiel keine Toilette, wird die Bücherei hier sehr gut angenommen, vor allem von Kindern. Bald soll sie in die ehemalige Feuerwache umziehen. Archivbild: Michael Sieber
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Noch ist die Stadtteilbibliothek an der Gertenbachstraße zu finden. Obwohl die Räume alles andere als ideal sind, es gibt zum Beispiel keine Toilette, wird die Bücherei hier sehr gut angenommen, vor allem von Kindern. Bald soll sie in die ehemalige Feuerwache umziehen.

Die Lütteraten wollen den neuen Standort der Bücherei mitgestalten.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Dass die Lüttringhauser Stadtteilbibliothek umziehen wird, steht im Prinzip außer Frage. Auch das neue Domizil, die ehemalige Feuerwache, steht fest. Allein der Zeitpunkt ist noch fraglich. „Wir rechnen aktuell mit zwei bis drei Jahren“, sagt Ulrich Hochfeld vom Verein die Lütteraten. Knackpunkt sind derzeit zwei Mieter in dem Gebäude der alten Feuerwache. Die, da sind sich Verwaltung und Lütteraten einig, sollen keinesfalls verscheucht werden. Aber erst wenn sie ausziehen, kann der Bücherei-Umzug beginnen.

Auch bei Herbst- und Bauernmarkt waren die Lütteraten zuletzt vertreten. Natürlich mit Büchern. Archivbild: Doro Siewert

Und wenn es soweit ist, soll der neue Standort mehr sein als ein Ersatz für den derzeitigen in der Gertenbachstraße. „Wir möchten eine wesentlich größere und besser nutzbare Medienstation“, sagt Hochfeld. „Eine, an der die Besucher Medien nicht nur ausleihen, sondern auch ausprobieren können.“ Dahinter stehe die Idee von der Bibliothek als „dritter Ort“, erklärt der Vorsitzende der Lütteraten. „Neben der eigenen Wohnung und der Schule beziehungsweise dem Arbeitsplatz.“ Diesen Ort zu gestalten, daran möchten die Lütteraten mitwirken. „Wir haben genügend Energie und Vorstellungen, die wir gerne einbringen würden“, sagt Hochfeld. Eine reine Bibliothek, die nur Medien ausleiht, „das kann auch ein Automat“, ist der pensionierte Lehrer und siebenfache Großvater überzeugt.

Deswegen soll der neue Standort der Stadtteilbibliothek eine Lese-Ecke bekommen, in der man auch mal einen Kaffee oder ein kaltes Getränk bekommen kann. „Wir haben gehört, dass vorne ein gläserner Anbau geplant ist“, sagt Ulrich Hochfeld. „Der wäre dafür sicherlich geeignet.“ Auch einen möglichen kleinen Seminarraum hat er bereits ins Auge gefasst: „Da könnte man gut mit kleinen Gruppen arbeiten.“

Remscheid: Beim Verein Lütteraten kümmern sich 140 Mitglieder um Bibliothek

Seit mehr als einem Jahrzehnt schon kümmern sich die Lütteraten um ihre Bibliothek. Als die 2007 aus Kostengründen geschlossen werden sollte, regte sich Widerstand im Dorf. Burkhard Mast-Weisz, inzwischen Oberbürgermeister, damals Sozialdezernent, suchte das Gespräch mit den Lüttringhausern. Und gemeinsam schaffte man es, einige zehntausend Euro einzusparen.

„Geld war für uns nie das Problem.“
Ulrich Hochfeld über die Unterstützung für seinen Verein

So verpflichtete sich der Verein, der sich schließlich 2008 gründete, einen Zuschuss für Neuanschaffungen zu leisten, inzwischen 8000 Euro pro Jahr. Und vor allem bei jeder der derzeit 23 Öffnungsstunden eine ehrenamtliche Kraft zu stellen. Getroffen wurde die Vereinbarung übrigens im ersten Schritt handschriftlich. Auf der Rückseite einer Speisekarte.

Etwa 140 Mitglieder hat der Verein heute – und an Unterstützung mangelt es in der Regel nicht. „Geld war für uns nie das Problem“, berichtet Ulrich Hochfeld. Habe der Verein Bedarf, finde sich immer ein Unternehmen, vom Bänderhersteller Sopp über die Volksbank bis Holthaus Medical, das aushelfe.

Neben dem Erhalt der Bibliothek widmen sich die Lütteraten der Leseförderung. „Wir verführen Kinder zum Lesen“, formuliert es Ulrich Hochfeld. Dazu gehöre es auch, die Schulen in Lüttringhausen über die Bücherei zu unterstützen. „Die Lehrer können bei uns zum Beispiel Bücherkisten zu bestimmten Unterrichtsthemen anfordern.“

Zudem gehen viele Mitglieder und Unterstützer auch direkt in die Schulen, zum Beispiel zum Vorlesen. „Man kann Kinder für Bücher begeistern, auch wenn sie das Lesen von zu Hause nicht kennen, wenn man es richtig macht“, sagt Ulrich Hochfeld – und erinnert sich an eine Lesung von OB Mast-Weisz: „Die Schüler hingen an seinen Lippen.“

20 Minuten seien eigentlich geplant gewesen, 50 seien es am Ende geworden. „Selbst das Pausenläuten haben die Schüler ignoriert.“ Und anschließend hatten die Lütteraten etwas für die Schüler dabei: das Buch, aus dem der OB vorgelesen hatte, ein ganzer Klassensatz, für jeden Schüler eins.

Stadtteilserie

Diese Woche ist unsere Serie in Lüttringhausen unterwegs. In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit den Folgen von Corona für den einzigen Weltladen in Remscheid. Und für dessen Lieferanten im globalen Süden, die von der Pandemie noch sehr viel stärker betroffen sind.

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