Ende mancher Teststelle droht

Verbraucher sollten bei Corona-Tests Preise vergleichen

Für viele gibt es seit Montag Corona-Tests nur noch gegen Bezahlung. Es gibt aber auch Ausnahmen.
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Für viele gibt es seit Montag Corona-Tests nur noch gegen Bezahlung. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Seit heute ist die Zeit der kostenlosen Corona-Tests (fast) vorbei. Damit dürfte auch die im Frühjahr ausgebrochene Goldgräberstimmung unter den Teststellen-Betreibern ein Ende finden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Nachdem die Zahl ihrer potenziellen Kunden schon zuvor deutlich abgenommen hatte, weil Geimpfte und Genesene und inzwischen auch alle Schüler in der Regel keine Tests mehr benötigen.

Remscheid: Anspruch auf kostenlose Tests bleibt für manche

Doch ganz werden die Teststellen nicht aus dem Stadtbild verschwinden. Auch weil es weiterhin Menschen gibt, die Anspruch auf kostenlose Tests haben. Das betreffe vor allem Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren und drei Monaten sowie alle, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, erklärt Lydia Schwertner von der Remscheider Verbraucherzentrale. Aber auch wer sich aus einer Quarantäne freitestet, müsse nichts dafür bezahlen.

Zudem gebe es eine Übergangsfrist bis zum Jahresende, so Schwertner: „Bis zum 31. Dezember 2021 können sich alle, die zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig sind, weiterhin kostenlos testen lassen. Das Gleiche gilt auch für Schwangere.“ So solle ermöglicht werden, dass sich diese Personengruppen in Ruhe über eine Impfung informieren können.

Remscheid: Zahl der Testungen wird sich drastisch reduzieren

Trotzdem dürfte sich die Zahl der Testungen drastisch reduzieren, viele Ungeimpfte werden das kostenpflichtige Angebot wohl nur noch zu bestimmten Anlässen nutzen. „Das wird jetzt wohl einen ordentlichen Knick geben“, prophezeit Roger Höller, als Abteilungsleiter beim Gesundheitsamt für die Zulassung der Teststellen verantwortlich. Dass in Folge dessen einige Betreiber aufgeben werden, davon sei auszugehen.

77 Teststationen waren in der Spitze in Remscheid angemeldet, berichtet Höller. Acht hätten ihren Betrieb bisher dauerhaft eingestellt, zwei weitere ruhen lassen. „Es kann aber auch sein, dass eine aufhört und sich gar nicht bei uns meldet.“

Vergleichsweise günstig: Für alle Selbstzahler 13,99 Euro pro Test

Zu den Teststationen, die bereits angekündigt haben, weiter zu machen, gehört der Walk-In der Düsseldorfer Firma Zotz-Klima, der zwischenzeitlich von der oberen Alleestraße ein paar Meter weiter in die Fastenrathstraße gezogen ist. Neben PCR-Tests gebe es dort auch weiterhin Antigen-Schnelltests, heißt es in einer Mitteilung. Für alle Selbstzahler für 13,99 Euro pro Test.

Das ist, glaubt man der Verbraucherzentrale, vergleichsweise günstig. Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die meisten Anbieter für Schnelltests zwischen 18 und 40 Euro berechnen werden. Denn anders als bei der Abrechnung der Bürgertests mit der Kassenärztlichen Vereinigung, bei der es meist zwölf Euro für einen Abstrich gab, herrscht bei den Selbstzahlern freie Marktwirtschaft. „Das Bundesgesundheitsministerium gibt keinen Preis vor und plant derzeit keine Regulierung“, sagt die Verbraucherzentrale. Und rät dazu, die Preise vor dem Abstrich zu vergleichen.

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog.

Anbieter für Gratis-Schnelltests: Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. Nicht alle Teststellen melden, wenn sie nicht mehr geöffnet haben.

Die falsche Richtung

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Wer sich impfen lassen könnte, dies aber nicht will, muss ab sofort zumindest seine Schnelltests selber zahlen. Und ab dem 1. November erhalten Ungeimpfte, die in Corona-Quarantäne müssen, keine Lohnfortzahlung mehr. Alles, was Unentschlossene dazu bewegen könnte, sich doch noch den potenziell lebensrettenden Piks abzuholen, ist begrüßenswert. Doch die Logik hinter diesen beiden Entscheidungen, dass Impfverweigerer im Zweifel die Folgen ihres Handelns im Portemonnaie spüren, führt in die falsche Richtung. Weil Raucher auch nicht ihre Lungenkrebsbehandlung selber bezahlen müssen. Und weil bei keiner anderen Arbeitsunfähigkeit gefragt wird, warum die Mitarbeiter zuhause bleiben. Gehen wir diesen Weg weiter, landen wir vielleicht an einem Punkt, an dem persönliche Entscheidungen über den eigenen Lebenswandel über Krankenkassenbeiträge, Übernahme von Behandlungskosten und Lohnfortzahlung entscheiden. Das wäre, egal wie dringend wir eine höhere Impfquote brauchen, sicherlich nicht der richtige Weg.

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