Berufskolleg verliert seinen Chef

Urgestein Lothar Groß nimmt mit 66 Jahren Abschied

Geht mit 66 Jahren in den Ruhestand: Lothar Groß, Leiter des Wirtschaftsgymnasiums. Foto: Friedhelm Haun
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Geht mit 66 Jahren in den Ruhestand: Lothar Groß, Leiter des Wirtschaftsgymnasiums.
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Das Wirtschaftsgymnasium am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung verliert seinen Chef.

Von Andreas Weber

Remscheid. Studiendirektor Lothar geht am 31. Januar in den Ruhestand. Seit 2000, als der Fachzweig an der Stuttgarter Straße ins Leben gerufen wurde, wird es in Regie von Studiendirektor Lothar Groß geführt. Mit 66 Jahren verabschiedet sich das Urgestein.

Heiligabend lag der Bescheid von der Bezirksregierung in der Post. 51 Berufsjahre liegen hinter dem gebürtigen Mülheimer. Als 15-Jähriger begann Groß eine Lehre als Bankkaufmann in seiner Heimatstadt im Ruhrgebiet. Weil er in der Bankbranche damals kaum Aufstiegschancen sah, machte er sein Abitur nach und studierte doppelt. Erst Wirtschaft an der Uni Duisburg mit einem Abschluss als Diplom-Ökonom. Danach legte er, ermuntert durch Erfahrungen in der Erwachsenenbildung, die ihm finanziell neben Taxifahren durchs Leben halfen, ein Lehramtsstudium mit Deutsch und Pädagogik drauf.

Seine erste Stelle als Lehrer führte ihn 1985 direkt nach Remscheid

Nach seinem Referendariat in Duisburg gelangte er mit seiner ersten Stelle 1985 direkt nach Remscheid an das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung. Als Mann aus der Praxis war der zweifache Familienvater (eine Tochter, ein Sohn), der längst in Remscheid heimisch geworden ist, eine ideale Besetzung. Das Wirtschaftsgymnasium ins Rollen zu bringen, bereitete ihm viel Freude. Trotz starker Konkurrenz ist es zum größten Beruflichen Gymnasium in der Region geworden. In der Regel sind die Jahrgänge zweizügig. Neben den allgemeinbildenden Fächern sind BWL und VWL sowie Wirtschaftsinformatik verpflichtend. Einer der beiden Leistungskurse ist die Betriebswirtschaftslehre, der zweite entweder Deutsch, Englisch oder Mathe. Mehr als 600 Mal wurde das Abitur in den 20 Jahren vergeben. Zahlreiche Rückmeldungen ehemaliger Schüler zeugen von erfolgreichen Berufsausbildungen und Studiengängen. „Natürlich haben viele unserer Absolventen Wirtschaft studiert, aber auch Maschinenbau, Sprachen, Informatik und viele weitere Wissenschaften“, erklärt Groß.

Cornelia Berghaus-Biermann, die Leiterin des Berufskollegs, gönnt ihrem erfahrenen Mitarbeiter zwar den wohlverdienten Ruhestand, verzichtet aber ungern auf ihn. „Lothar Groß hat bei allem Engagement für das Wirtschaftsgymnasium nie den Kontakt zur Basis verloren. Als gelernter Bankkaufmann hat er es sich nicht nehmen lassen, in der Berufsschule an der Ausbildung zukünftiger Bankkaufleute mitzuarbeiten.“

Außerdem pflegte er immer den Kontakt zu den Partnerschulen. Er war zum Beispiel beteiligt, als die Stadt Remscheid sich entschied, eine Sekundarschule einzurichten und für diese erste Konzepte erstellt wurden. Etwas später wurde die Nelson-Mandela-Schule aus der Taufe gehoben.

Mit Schülern besuchte er gerne das Freilichtmuseum in Hagen

Lothar Groß ist sicher, dass „sein Wirtschaftsgymnasium“ als gymnasiale Oberstufe mit modernem Anspruch auch in Zukunft viele Schüler überzeugen wird. Als besondere Zukunftsaufgabe sieht er die Digitalisierung an, die an der Schule in vollem Gange sei: „Wir müssen unseren Nachwuchs die Möglichkeiten der modernen Technik jenseits von Youtube, Tiktok und Instagram nahebringen.“

Nach seinem Weggang wird zunächst die Stellvertreterin von Groß, Iris Schwabe-Säbel, die Leitung kommissarisch übernehmen. Ein großes Hobby, das Reisen, wird Lothar Groß in Corona-Zeiten nur sehr eingeschränkt wahrnehmen können. Aber auch das sei in NRW unter wirtschaftshistorischen Gesichtspunkten möglich. Lothar Groß denkt an die Textilfabrik Cromford Industriemuseum in Ratingen, die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent. Oder an das LWL-Freilichtmuseum in Hagen-Selbecke, das 200 Jahre Handwerks- und Technikgeschichte aus Westfalen und Lippe präsentiert. Dort ist Groß immer gerne mal mit seinen Schülern hingefahren.

Das Gymnasium

Das Wirtschaftsgymnasium ist eine dreijährige gymnasiale Oberstufe. Organisatorisch ist es als „Berufliches Gymnasium“ eine Abteilung des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung. Schwerpunkt ist die Wirtschaftslehre. Ziel ist das volle Abitur verbunden mit Kenntnissen und Fähigkeiten im kaufmännisch-wirtschaftlichen Bereich. Anmeldungen sind online ab dem 29. Januar möglich.

www.schueleranmeldung.de

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