Corona-Pandemie

2G-Regel: Unsicherheit im Einzelhandel bleibt bestehen

Kontrolle der 2G-Regel im Möbelhaus: Inhaber Andreas Knappstein mit Berfin Caktü und Julia Berger am Empfang. Foto: Roland Keusch
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Kontrolle der 2G-Regel im Möbelhaus: Inhaber Andreas Knappstein mit Berfin Caktü und Julia Berger am Empfang.

Lockerung der 2G-Regel wirft für die Geschäfte weiter Fragen auf. Die Stichproben werden als halbherzig empfunden.

Von Andreas Weber und Sven Schlickowey

Remscheid. Sie hatten gehofft. Umso enttäuschter sind die Einzelhändler nun: Statt die 2G-Regel in Geschäften, die keine Waren des täglichen Bedarfs anbieten, abzuschaffen, so wie in mehreren anderen Bundesländern, hat die NRW-Landesregierung die Regelung in der neuen Coronaschutzverordnung nur abgemildert. Betreten dürfen die Läden weiter nur Geimpfte und Genesene, die Händler sind zu stichprobenartigen Kontrollen verpflichtet.

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„Eine unwirksame Maßnahme nur noch stichprobenhaft kontrollieren zu wollen, anstatt sie abzuschaffen“, sagt dazu Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband NRW – und verweist einmal mehr darauf, dass rund 80 Prozent aller Kontakte im Einzelhandel in den Lebensmittelmärkten stattfinden. Und auf die Auswirkungen, durch niedrigere Umsätze und höheren Personalaufwand: „Jeder Tag mit 2G-Zugangsbeschränkungen verursacht im NRW-Einzelhandel hohe zweistellige Millionenverluste.“

Wir wollen die Kunden nicht vergraulen oder diskriminieren.

Andreas Knappstein, Firmeninhaber

Ähnlich stellt sich die Stimmung im Remscheider Handel dar. „Verstehen kann man das nicht“, sagt zum Beispiel Cornelia Wüllenweber, Filialleiterin bei Boecker auf der Alleestraße. Zwar sei es angenehm, dass nun nicht mehr ein Mitarbeiter ständig an der Tür stehen müsse, trotzdem würden auch Stichproben Personal binden. Zumal nicht klar sei, wie diese abzulaufen haben, wie Wüllenweber sagt: „Wir haben uns vorgenommen, halbstündig durch die Gänge zu gehen und den einen oder anderen anzusprechen.“ Ob das der Vorschrift genüge, wisse sie nicht: „Die Unsicherheit bleibt.“

NRW-Check: Kampf gegen Corona verliert an Akzeptanz

Auch Andreas Knappstein, Inhaber des Möbelhauses Knappstein, moniert, dass NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann diesen Punkt bei der Neuregelung vage gelassen habe. „Im Prinzip müssten wir abzählen und zum Beispiel jeden 50., der reinkommt, rauspicken. Aber das geht natürlich nicht.“

Noch weniger will Knappstein, dass die um die 100 Mitarbeiter am Standort Remscheid Kunden vergraulen, gar diskriminieren, wenn sie krank aussehende Menschen mit einer Kontrolle unter Verdacht stellen. Es werde darauf hinauslaufen, dass Personal, das Zeit hat, sich ein paar Minuten nimmt, um punktuell die Impfstatus zu überprüfen. Knappstein stellt Regularien und Testungen nicht infrage, hätten sie doch in seinem Haus dazu geführt, dass viele positive Fälle in der Belegschaft erkannt worden wären, die sonst, weil die Betreffenden meist symptomfrei blieben, nicht erkannt worden wären. In den weiteren vier Knappstein-Standorten im Sauerland und Thüringen gab es letzte Woche in der Mitarbeiterschaft 23 positive Corona-Fälle, diese Woche sind elf betroffen. Remscheid blieb verschont. „Wir haben hier viel geimpft in der Firma und vielleicht auch Glück gehabt.“

Die Einschränkungen im Einzelhandel haben Knappstein gleichwohl schwer zugesetzt. „Wir haben stark unter Frequenzrückgängen gelitten. 2021 hatten wir knapp ein halbes Jahr keine Kunden im Haus.“ Home-Beratung und Online-Verkauf hätten das nicht auffangen können, sagt Knappstein. „Das war für uns eine brutal harte Zeit.“ Im Januar zählte das Möbelhaus wochentags täglich 460 bis 600 Kunden, an den Samstagen zwischen 1400 und 1600. Andreas Knappstein hofft, dass mit der nächsten Lockerung, dem Verzicht auf 2G und dem Tragen von FFP-2-Masken als alleiniger Pflicht, Zuspruch und Umsatz wieder zunehmen.

Das kündigt sich an. Der Unmut der Händler über die Nicht-Abschaffung hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst erreicht. Er stellte eine Änderung nach der Bund-Länder-Runde am 16. Februar in Aussicht. Sollte die nicht kommen, rechnen Experten mit weiteren Klagen – auch wenn die Kaufhaus-Kette Woolworth gerade vor dem Oberverwaltungsgericht Münster mit einem Eilantrag scheiterte.

Hintergrund

Der Widerstand gegen 2G ist im Einzelhandel groß, denn die Regel bedeutet einen enormen personellen Zusatzaufwand, weniger Kundschaft, mithin Umsatzverluste. Dagegen klagen müsste ein betroffener Händler, erklärt der Remscheider Ralf Engel. Der Leiter der Wuppertaler Geschäftsstelle beim Handelsverband NRW ist Jurist, kann den Part aber nicht für „seine“ Mitglieder übernehmen: „Klagebefugt ist man im Öffentlichen Recht nur, wenn man Betroffener ist und potenziell in seinen Rechten verletzt wird.“

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