RGA-Uni-Vortrag

Hochbegabt heißt eben nicht gestört und crazy

Prof. Dr. Susanne Buch hob mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine der ersten Beratungsstellen für hochbegabte Kinder aus der Taufe. Heute beschäftigt sie das Thema vor allem in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern.
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Prof. Dr. Susanne Buch hob mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine der ersten Beratungsstellen für hochbegabte Kinder aus der Taufe. Heute beschäftigt sie das Thema vor allem in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern.
  • Axel Richter
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Am Donnerstag spricht Prof. Dr. Susanne Buch in der Lenneper Klosterkirche über Menschen mit einem Intelligenzquotienten von 130 und mehr.

Von Axel Richter

Remscheid. Sheldon Cooper hat einen Intelligenzquotienten von 187. Und keine Ahnung vom Umgang mit Menschen. Doch mit dem beziehungsgestörten Schlauberger aus der US-Fernsehserie „Big Bang Theory“ haben die meisten Menschen mit einem weit über dem Durchschnitt liegenden Intellekt nichts gemein. Im Gegenteil, sagt Prof. Dr. Susanne Buch: „Hochbegabte weisen nicht mehr und nicht weniger soziale Defizite auf als andere Kinder. Sheldon Cooper ist ein Zerrbild.“

Das Zerrbild will die Wissenschaftlerin vom Institut für Bildungsforschung in der School of Education an der Bergischen Universität Wuppertal am kommenden Donnerstag, 30. Juni, in Remscheid zurechtrücken. Um 19 Uhr ist sie auf Einladung des RGA zu Gast in der Klosterkirche Lennep.

Beim vorherigen Uni-Vortrag ging es darum, wie Technik menschlicher werden kann

Susanne Buch räumt mit Vorurteilen gegenüber Hochbegabung auf

Ab einem IQ von 130 gilt ein Mensch als hochbegabt. Bei allenfalls zwei Prozent der deutschen Bevölkerung ist das der Fall, womit ein weiterer Mythos zu Fall gebracht wäre. Es gibt weit weniger Hochbegabte, als gemeinhin angenommen wird. Und manche Kinder, deren Eltern die Beratungsstellen aufsuchen, sind tatsächlich nicht hochbegabt, sondern unkonzentriert. „Oder schlecht erzogen“, sagt die Professorin und lacht.

Susanne Buch entstammt keiner Akademikerfamilie. „Ich war erst die Zweite, die überhaupt Abitur machte“, erzählt sie. Das Kind sollte danach etwas Ordentliches lernen. Das war der Wunsch der Eltern. Susanne Buch wurde Fremdsprachensekretärin mit kaufmännischer Ausbildung. Doch danach zog es sie an die Uni.

In Marburg studierte sie Psychologie und wurde nach dem Diplom Teil eines Forscherteams, das sich der Entwicklung hochbegabter Kinder vom Kindergartenalter bis zum Erwachsenendasein widmete. Ergebnis: Hochbegabte eignen sich Wissen schneller an als andere. „Im sozialen Bereich haben sie aber die gleichen Probleme oder Fähigkeiten wie jedes andere Schulkind“, sagt die Professorin.

Deshalb muss ein Hochbegabter auch nicht jede zweite Klasse überspringen, obgleich die Eltern das vielleicht gern so hätten. Denn auch Hochbegabte brauchen Freunde. Das heißt, auch der Junge, der schon in der dritten Klasse selbstständig die Wurzel aus 256 zieht, spielt gern Fußball mit anderen und macht sich dabei auf dem Bolzplatz die Knie schmutzig.

Entscheidend für die Entwicklung eines Menschen ist, dass er den richtigen Mentor findet.

Prof. Dr. Susanne Buch

Pädagogische Diagnostik heißt der Lehr- und Forschungsschwerpunkt der Wissenschaftlerin. Doch mehr als um die Kinder kümmert Susanne Buch sich heute um die angehenden Lehrerinnen und Lehrer, die mit hochbegabten Jungen und Mädchen in den Schulen möglicherweise zu tun bekommen.

Und mit deren Eltern. Die Pädagogen brauchen das nötige Rüstzeug. Auch, um womöglich eine enttäuschende Nachricht zu übermitteln, denn oft fällt die Diagnose über die mutmaßliche Hochbegabung des Sprösslings anders aus als es die erwartungsvollen Eltern erhoffen. Ein Drittel der Kinder, die den Lehrerinnen und Lehrern vorgestellt werden, liegt über dem Durchschnitt, ein weiteres Drittel ist normal begabt und nur ein Drittel tatsächlich hochbegabt. Brauchen diese Kinder in der Schule dann eine besondere Förderung? Auch auf diese Frage will Susanne Buch in der Klosterkirche eingehen.

Wie hoch ihr eigener IQ ist weiß die Professorin übrigens nicht. „Ich bin allerdings ganz sicher, dass ich nicht hochbegabt bin“, sagt sie mit einem weiteren Lachen. Macht auch nichts. Denn, auch das weiß die Wissenschaftlerin aus der Forschung: „Die intellektuelle Begabung allein entscheidet nicht darüber, wie erfolgreich jemand im Beruf ist.“ Und schon gar nicht darüber, ob er zusammen mit anderen Menschen glücklich wird – oder zum gestörten Sonderling wie Sheldon Cooper. „Natürlich hilft Intelligenz“, sagt Susanne Buch: „Viel entscheidender für die Entwicklung eines Menschen aber ist, dass er zur richtigen Zeit den richtigen Mentor findet.“

Der Termin

Zur Person: Prof. Dr. Susanne Buch (53) stammt aus Hanau in Hessen. Sie studierte Psychologie an der Philipps-Universität in Marburg. Dort hob sie als Doktorandin mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine der ersten Beratungsstellen für Hochbegabte aus der Taufe. 2006 wechselte sie an die Universität des Saarlandes nach Saarbrücken. 2010 folgte sie dem Ruf der Bergische Universität Wuppertal. Seit 2014 leitet sie das Institut für Bildungsforschung in der School of Education. Im März wurde sie darüber hinaus neue Prorektorin für Studium und Lehre der Uni Wuppertal.

Vortrag: Am kommenden Donnerstag, 30. Juni, spricht Prof. Dr. Susanne Buch auf Einladung des RGA in der Klosterkirche Lennep. „Naturtalent oder harte Arbeit? Zur Bedeutung von Begabtenförderung in der Schule“ hat sie Ihren Vortrag überschrieben. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt zum RGA-Uni-Vortrag ist wie immer frei.

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