Photovoltaik-Anlage an der Solinger Straße

Unabhängig vom Gas? So wird das nichts

Foto: Roland Keusch Deponie Solinger Straße TBR-Mitarbeiter Joachim Maywald
+
Für eine Photovoltaik-Anlage an der Solinger Straße sprechen sich SPD, FDP und Grüne aus.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Photovoltaik: Stadtwerke finden nur wenige Flächen und viele Dächer sind nicht stabil.

Von Axel Richter

Remscheid. Die Deutschen wollen unabhängig werden vom russischen Gas. „Es müsste also schnell was passieren“, sagt Frieder Kottsieper. Wird es aber nicht. Jedenfalls nicht in Remscheid. Denn, so musste der Vorsitzende des Naturschutzbeirates der Stadt jetzt zur Kenntnis nehmen: Für Photovoltaik-Anlagen gibt es in Remscheid nur wenige Freiflächen. Selbst viele Firmendächer eignen sich nicht.

Acht Standorte hat die Energie und Wasser für Remscheid (EWR) GmbH untersucht. Sie liegen vor allem entlang der Autobahn. Übrig geblieben sind zwei: eine an der Herbringhauser Straße und die Deponie Solinger Straße. Die anderen scheitern an Umwelt- oder Wirtschaftlichkeitsgründen.

„Wenn man von oben schaut, ist Remscheid ideal.“

Klaus Zehrtner, Stadtwerke

Für die Deponie sprechen sich SPD, FDP und Grüne aus. In einem Antrag für den heutigen Hauptausschuss will die Rathaus-Ampel den Weg ebnen. „Es ist jetzt Zeit, zu handeln, das erleben wir momentan so deutlich wie noch nie“, erklärt FDP-Fraktionschef Sven Chudzinski.

Bis zu 500 000 Kilowattstunden Strom könnte eine solche Freiflächenanlage pro Hektar und Jahr erzeugen. Als Alternative gelten Dachflächen.

Davon gibt es viele und auch richtig große in Remscheid. „Wenn man von oben auf die Stadt schaut, ist das eigentlich ideal“, erklärt EWR-Sprecher Klaus Zehrtner. Doch auch von den vielen Firmendächern seien nur wenige für Photovoltaik nutzbar. Die meisten gelten als nicht ausreichend tragfähig. Den Hintergrund dafür liefert die Katastrophe von Bad Reichenhall. Im Januar 2006 starben dort 15 Menschen, weil eine Eissporthalle unter Schneemassen zusammengebrochen war.

Photovoltaik: Aktuell ist langer Atem gefordert

Hinzu kommen bürokratische Hemmnisse. Dr. Marcus Jankowski, Chef der Sägenfirma Robert Röntgen, der in der gestrigen RGA-Ausgabe die Sorgen der Remscheider Werkzeugindustrie in der Energiekrise schilderte, kann darüber nur den Kopf schütteln. Mit einer Modulfläche von 4000 Quadratmetern hat seine Firma heute die größte Photovoltaikanlage Remscheids.

750 Kilowatt-Peak kann sie erzeugen. Und sicher noch mehr, denn das Dach der Firma Röntgen ist nur zu einem Drittel belegt. Problem: Ab einer Leistung von 751 Kilowatt-Peak stünde das Unternehmen vor einem komplizierten Ausschreibungsverfahren, dessen kleingedruckte Regeln allein fünf Din-A4-Seiten füllt.

Dass Remscheid zur Solarstadt wird, wie die Rathaus-Ampel nach den Kommunalwahlen 2020 angekündigt hatte, rückt unter diesen Umständen in weite Ferne. Denn auch um die Idee eines Bürgerfonds zur gemeinsamen Finanzierung von Photovoltaikanlagen auf städtischen Dächern ist es längst still geworden.

Passend zum Thema: Photovoltaik fördert autarke Energieversorgung

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Familiencafé vereint die Generationen
Familiencafé vereint die Generationen
Familiencafé vereint die Generationen
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option

Kommentare