Umweltverschmutzung

Galvano Fischer: Verseuchte Erde wird entfernt

Umweltminister Oliver Krischer (3.v.l.) mit Barbara Reul-Nocke, Prof. Jens Utermann, Dr. Roland Arnz und Roland Cesarz. Der Grünen-Politiker ist seit Ende Juni 2022 Landesminister. Am Boden zu sehen: gelbliche Pfützen mit Schadstoffrückständen.
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Umweltminister Oliver Krischer (3.v.l.) mit Barbara Reul-Nocke, Prof. Jens Utermann, Dr. Roland Arnz und Roland Cesarz. Der Grünen-Politiker ist seit Ende Juni 2022 Landesminister. Am Boden zu sehen: gelbliche Pfützen mit Schadstoffrückständen.

Die Sanierung bei Galvano Fischer ist im Endspurt. Jahrelang waren Schadstoffe ins Grundwasser gesickert – auch bei der Firma Blasberg in Reinshagen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Im Dezember will die Mannschaft von Dr. Roland Arnz die Baustelle an der Westhauser Straße räumen. Dann wurde, nach jahrelangem Vorlauf, acht Monate lang zunächst das Gebäude der ehemaligen Galvanik Fischer abgerissen und abtransportiert, ehe im Anschluss im Erdreich gebaggert und gebuddelt wurde, um die vorhandenen Altlasten und Schadstoffe zu entfernen.

Seit 2009 liefen hierzu Planungen und doch ist die Geschichte auch zum Jahresende noch nicht abgeschlossen: Weil die Schadstoffe jahrelang ins Grundwasser gesickert waren, die an den Quellen Ohlsiepen und Westhauser Siepen festzustellen waren, wird die Wasserqualität – ein Kilometer entfernt von der Wupper – in zeitlichem Abstand abermals überprüft werden. Wenn es schlecht läuft, müssen auch hier wieder Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

2024 soll bei Galvanik Blasberg begonnen werden

Und auch darüber hinaus ist der Verband in Remscheid damit keineswegs fertig. Im Gegenteil soll 2024 das nächste Großprojekt aufgenommen werden. Nach zähem Streit um rechtliche Fragen und Eigentumsverhältnisse sei rund um die Galvanik Blasberg in Reinshagen nun aber nahezu alles geklärt, so dass in der Küppelsteiner Straße das nächste Recyclingprojekt starten könne, teilte Barbara Reul-Nocke nun mit.

„Die Belastung dort ist vergleichbar groß mit der hier“, sagte die Umweltdezernentin dem RGA am Rande eines Baustellenbesuchs bei Galvano Fischer. Mit bis zu drei Millionen Euro Kosten dort rechnete die Stadt bereits vor vier Jahren – und beim Verursacher war nach einer Pleite nur noch ein Bruchteil zu holen.

Die Belastungen in Reinshagen und Westhausen seien vergleichbar, damit meint Reul-Nocke: Es ist dringend notwendig, dass endlich etwas getan werden kann. Abermals wird der AAV, der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung – eine Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) und damit letztlich eine Landestochter – die Arbeiten übernehmen. Wenn der vornehmlich aus Landesmitteln gespeiste Verband tätig wird, übernimmt er 80 Prozent der Kosten. Er wird meist nur dort tätig, wo Kommunen im Besitz einer belasteten Fläche sind.

Bei Galvano Fischer ist die Stadt im Besitz der alten Betriebsfläche, auf der Wohnbebauung entstehen soll, sowie einer Brachfläche. Letztere soll der Natur überlassen werden. 20 Prozent der „3 bis 3,5 Millionen Euro teuren Sanierungsmaßnahme“ an der Westhauser Straße, wie AAV-Geschäftsführer Dr. Arnz sagt, übernimmt die Stadt.

Remscheid wäre alleine nicht in der Lage, solche Projekte durchzuführen.

Barbara Reul-Nocke zur teuren und aufwendigen Sanierung

Zur Baustellenbesichtigung bei Galvano Fischer war NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) gekommen. „Bei 80 000 Flächen in NRW, die in irgendeiner Weise belastet sind“, so Krischer, sei die Arbeit des AAV dringend notwendig. Ernüchternd dann indes, wie viele Projekte der Verband jährlich stemmen kann: in etwa eine Handvoll. Sieben Projekte pro Jahr habe es auch schon mal gegeben, so Arnz, „dieses Jahr sind es drei“. Da muss priorisiert werden. Die Hinterlassenschaften aus einer Zeit, in der – wie an der Westhauser Straße, wo es vor allem um Chromat und sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien geht – einfach vor Ort versickert wurde, werden Dauerthema bleiben.

Verseuchte Erde: Anwohner sorgen sich um ihre Gesundheit

Dass der Verband eine KdöR ist, heißt: Natürlich zahlt am Ende den Großteil dieser Projekte die öffentliche Hand, also der Steuerzahler, weil es ein öffentliches Interesse gibt. In einigen Fällen, so auch in Westhausen, beteiligen sich Vorbesitzer oder Erben in gewissem Maße. Nur in Top-Lagen wie in Köln oder Düsseldorf lohne es sich für Investoren, Projekte dieser Art inklusive aufwendiger Schadstoffentsorgung selbst durchzuziehen. Die Kommunen sind also froh, dass es den Verband gibt. Reul-Nocke: „Weder finanziell noch personell wäre Remscheid alleine in der Lage, solche Projekte durchzuführen.“

Sollte sich die Stadt entschließen, später nicht selbst zu bauen, sondern das Grundstück wieder zu veräußern, würde der AAV entsprechend der Sanierung zu 80 Prozent daran beteiligt.

Projekte im Bergischen Land

Remscheid: Der AAV steht mit Galvanik Blasberg vor dem vierten Projekt in Remscheid. Vor Galvano Fischer war eine umfassende Schadstoffentfernung schon am Schießstand Tente sowie bei Hartchrom Feige (die Stadt übernahm nach Vorplanungen) notwendig.

Nachbarschaft: „Das ist das Bergische Land, wir haben viele Industrien mit solchen Altlasten“, sagte Barbara Reul-Nocke. Der Verband verwies auf Projekte in Wuppertal (Galvanik Unterkohlfurth) und Solingen (Schneidwarenfabrik Rasspe, Galvanik Goldau).

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