Vortrag

Ulrike Herrmann: „In einer endlichen Welt ist unendliches Wachstum nicht möglich“

Ulrike Herrmann mit Moderator Timm Herbst im Foyer der Stadtbibliothek.
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Ulrike Herrmann mit Moderator Timm Herbst im Foyer der Stadtbibliothek.

Die Wirtschaftsjournalistin und Bestsellerautorin Ulrike Herrmann redete über Kapitalismus, Kriegswirtschaft und grünes Schrumpfen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. „Ich bin absolut keine Kapitalismus-Kritikerin“, sagt Ulrike Herrmann gleich zu Beginn. Durchaus überraschend für jemanden, der gerade ein Buch mit dem Titel „Das Ende des Kapitalismus“ veröffentlicht hat. Doch das sei „keine Forderung, sondern eine Beschreibung“, erläutert sie. Am Dienstagabend hielt die Bestsellerautorin einen Vortrag in der Zentralbibliothek. Und der stieß auf vergleichsweise großes Interesse. Die rund 50 Sitzgelegenheiten im Foyer waren schnell besetzt, eilig schafften die Veranstalter weitere Stühle heran.

Herrmanns These: Kapitalismus brauche Wachstum, um stabil zu bleiben. „Aber in einer endlichen Welt ist unendliches Wachstum nicht möglich.“ Auch das oft propagierte „grüne Wachstum“ sei nur eine Illusion, allein schon, weil Öko-Energie nur aufwendig zu erzeugen sei und damit knapp bleibe. Also muss die Gesamtwirtschaft schrumpfen. Geschehe dies jedoch chaotisch, führe das zu Massenarbeitslosigkeit und sozialen Verwerfungen. „Gerade die Deutschen wissen, was passiert nach einer schweren Wirtschaftskrise.“

So steht es um die Wirtschaft im Bergischen

Auf der Suche nach Vorbildern für geordnetes Schrumpfen wurde die studierte Historikerin in Großbritannien fündig, genauer in der Kriegswirtschaft von 1939. Die Briten seien vom Ausbruch des Weltkriegs eher überrascht worden, so mussten sie schleunigst Produktionskapazitäten für Waffen schaffen – indem sie die Zivilwirtschaft eindampften. Das Ergebnis sei eine „Art demokratische private Planwirtschaft“ gewesen, sagt Ulrike Herrmann: Die Unternehmer agierten weiter als Unternehmer, doch die Regierung schrieb vor, was in welcher Stückzahl produziert wurde. Und verteilte die raren Güter anschließend gerecht.

Ein mögliches Vorbild für das nun notwendige „grüne Schrumpfen“, wie Herrmann meint. Und so wie die Briten einst Ressourcen für die Kriegsvorbereitung freischaufelten, müsse man das heute für die nachhaltige Umgestaltung der Energiewirtschaft machen: „Das wird viele Milliarden kosten.“

Ulrike Herrmann gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands, hat viel beachtete Bücher geschrieben und ist regelmäßig in den TV-Talkrunden der Republik zu Gast. Auch weil sie oft Lösungen jenseits der üblichen Thesen anbietet. Dass die Wirtschaft schrumpfen muss, um den Planeten zu retten, ist hingegen eher Allgemeingut, räumt sie ein. Doch über den Weg dorthin mache sich kaum jemand Gedanken. „In diese Lücke stoße ich.“

Dabei macht sie klar: „Das Ende des Kapitalismus ist nicht das Ende der Menschheit.“ Selbst wenn Deutschland die Hälfte der aktuellen Wirtschaftsleistung aufgebe, lande man bei den Werten von 1978. „Und wir waren damals genauso glücklich wie heute.“ Der Wandel müsse allerdings von der Gesellschaft ausgehen. Ein möglicher erster Schritt: Weniger Fleisch essen. Das entlaste die Umwelt, ziehe aber keine sozialen Verwerfungen nach sich. „Und es wäre ein Zeichen, dass die Bevölkerung bereit ist, in die Grenzen der Natur zurückzukehren.“

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