Ukraine-Krieg

231 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen

Über 100 Menschen können so wie 2015 in der Turnhalle Hölterfeld ein Dach über dem Kopf erhalten. Foto: Michael Sieber
+
Über 100 Menschen können so wie 2015 in der Turnhalle Hölterfeld ein Dach über dem Kopf erhalten.

Zuweisung der Bezirksregierung: Ankunft von 15 Menschen wird für die nächste Woche erwartet.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Als „dynamisch“ bezeichnet die Leiterin der Remscheider Ausländerbehörde Claudia Schwarzweller den Flüchtlingsstrom aus der Ukraine, der in Remscheid ankommt. Die Remscheider haben bereits zu Beginn des Krieges damit gerechnet, dass Flüchtlinge nach Remscheid kommen. Mittlerweile haben sich 231 Menschen aus dem Kriegsgebiet bei der Stadtverwaltung registrieren lassen. „Im gesamten Jahr 2021 hatten wir zum Vergleich eine Gesamtzahl von 181 aus vielen Herkunftsländern. Daran lässt sich schon jetzt die Dimension erkennen“, erklärt die Behördenchefin, die zunächst die Aufgabe hat, den Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu geben. „Aber der Wohnraum, der uns zur Verfügung steht, ist endlich.“

So laufen die Vorbereitungen an, öffentliche Gebäude umzunutzen. Bereits 2015 wurde die Schule Hölterfeld in Hasten zur Erst-Unterkunft, woran noch Hinweisschilder an der Eingangstür erinnern. Ansonsten herrschte zuletzt Ruhe an und in dem Schulkomplex, obwohl Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke angekündigt hatte, die Sporthalle herrichten zu lassen.

Wir müssen für den Fall gewappnet sein, dass uns Busse mit Geflüchteten erreichen.

Barbara Reul-Nocke, Leiterin des Ukraine-Krisenstabs

Es gelte noch, eine Prüfung des Gebäudes abzuwarten. „Wir müssen aber für den Fall gewappnet sein, dass uns Busse mit Geflüchteten erreichen“, erklärt sie im RGA-Gespräch. Betten und Trennwände aufzustellen, sei dabei bei weitem nicht die größte Herausforderung. „Wir müssen für die Betreuung sorgen und stehen dazu bereits mit mehreren Hilfsorganisationen im Gespräch.“

Zudem müsse der Krisenstab einen Hausmeisterdienst organisieren, und das rund um die Uhr. „Die Menschen benötigen einen Ansprechpartner“, erklärt Barbara Reul-Nocke. Ein Privatunternehmen soll sich derweil um die Verpflegung kümmern. Es bereitet sich darauf vor, für alle Geflüchteten drei Mahlzeiten am Tag in die Sporthalle Hölterfeld zu transportieren.
So können Sie den Menschen aus der Ukraine nun helfen

Ein weiteres Thema, mit dem sich die Leiterin des Krisenstabs beschäftigt, ist die medizinische Versorgung. Wer sich darum kümmern soll, müsse sich noch erweisen. Infrage kommen Mitarbeiter des Gesundheitsamts, die aber allein schon durch die Pandemie an ihre Belastungsgrenze stoßen. „Oder auch Mediziner der Kassenärztlichen Vereinigung“, fügt die Dezernentin hinzu, für die eine Unterbringung in der Turnhalle nur eine Notlösung sein kann. „Für den Fall, dass auf einen Schlag zu viele Menschen kommen. Oder wir eben keine Wohnung mehr zur Verfügung stellen können.“

Geflüchtete haben in den meisten Fällen bei Freunden und Verwandten ein Zuhause gefunden

Jene Geflüchtete, die bereits in Remscheid sind, haben in den meisten Fällen bei Freunden und Verwandten ein vorübergehendes Zuhause gefunden – und sind versorgt. Die Registrierung im Ausländeramt ist für sie aber nötig, um die Aufenthaltsgenehmigung und finanzielle Hilfen zu erhalten. „Wir haben organisatorische Vorkehrungen getroffen, so dass es zum Glück noch nicht wie in anderen Städten zu langen Warteschlangen gekommen ist“, berichtet Claudia Schwarzweller, die keinerlei Prognosen abgeben kann, wie viele Menschen noch in Remscheid ankommen werden.

Fest steht, dass ihr aktuell eine Zuweisung von der Bezirksregierung Arnsberg vorliegt. Die Behörde verteilt die Geflüchteten auf die Kommunen in NRW und hat Remscheid für die kommende Woche die Ankunft von 15 Personen angekündigt, die untergebracht werden müssen. In den sechs Sammelunterkünften, die Remscheid zusätzlich zu rund 170 Wohnungen für Geflüchtete bereit hält, wird das Platzangebot zunehmend knapper. Denn bereits vor dem Krieg in der Ukraine verzeichnete die Behörde steigende Zuweisungen von Menschen, die zum Beispiel aus Syrien und Afghanistan flohen.

Hintergrund

Familien mit Kindern können unter anderem im Heim an der Klauser Delle in Lüttringhausen untergebracht werden, wobei Kinderbetreuung in den nahe gelegenen Kitas möglich ist. Das Gebäude ist aber in die Jahre gekommen und soll mittelfristig durch einen Neubau ersetzt werden. 4,4 Millionen Euro will die Stadt in die Flüchtlingsunterkunft investieren. Geschlossen ist mittlerweile die Einrichtung am Talsperrenweg in Lennep.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Nach DOC-Aus: So plant Remscheid jetzt in Lennep
Nach DOC-Aus: So plant Remscheid jetzt in Lennep
Nach DOC-Aus: So plant Remscheid jetzt in Lennep
Corona: Keine Maskenpflicht in städtischen Einrichtungen - Inzidenz in Remscheid sinkt weiter
Corona: Keine Maskenpflicht in städtischen Einrichtungen - Inzidenz in Remscheid sinkt weiter
Corona: Keine Maskenpflicht in städtischen Einrichtungen - Inzidenz in Remscheid sinkt weiter

Kommentare