Wiedereröffnung

Überschaubarer Andrang am Wertstoffhof

Die Schranke am Wertstoffhof öffnet sich wieder für private Anlieferungen – aber nur mit Termin. Betriebsmeister Gerd Schorn (r.) und Mitarbeiter Rick Rottschy überprüfen derzeit anhand einer Liste, ob die Termine eingehalten werden. Foto: Roland Keusch
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Die Schranke am Wertstoffhof öffnet sich wieder für private Anlieferungen – aber nur mit Termin. Betriebsmeister Gerd Schorn (r.) und Mitarbeiter Rick Rottschy überprüfen derzeit anhand einer Liste, ob die Termine eingehalten werden.

Seit Mittwoch nehmen die TBR wieder Abfall an der Solinger Straße an.

Von Sven Schlickowey

Der Wertstoffhof an der Solinger Straße hat seit Mittwoch wieder geöffnet – der Ansturm hielt sich zum Start allerdings in Grenzen. Rund 25 private Anlieferer seien für den ersten Tag angekündigt, berichtet Betriebsmeister Gerd Schorn. „Bis zu 100 am Tag wären möglich.“ Doch es blieb ruhig. Und der Platz rund um die Container verhältnismäßig leer. „Unser Wertstoffhof wird nicht das neue Ischgl“, scherzte TBR-Chef Michael Zirngibl.

Die Wiedereröffnung des Wertstoffhofes hatte sich in den vergangenen Tagen zum Politikum entwickelt. Nachdem sich dort im ersten Lockdown lange Schlangen gebildet hatten, hatten die Technischen Betriebe (TBR) diesmal entschieden, den Hof zu schließen, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Das hatte für Unmut und Unverständnis gesorgt. Zuletzt hatten Lokalpolitiker das Thema aufgegriffen und eine zeitnahe Wiedereröffnung gefordert.

So ging es am Mittwoch wieder los an der Solinger Straße, allerdings nur nach vorheriger Terminabsprache. Die Termine würden im 15-Minuten-Takt vergeben werden, erklärt Zirngibl. Immer an bis zu vier Anlieferer mit unterschiedlichen Abfallarten. „Das Ziel ist, dass sich die Menschen nicht an den Containern begegnen.“ Und dazwischen müsse es noch Raum für gewerbliche und TBR-eigene Anlieferungen geben.

„Unser Wertstoffhof wird nicht das neue Ischgl.“
Michael Zirngibl, TBR

Neben der Terminvergabe gibt es eine weitere Einschränkung: Die maximale Abfallmenge ist auf eine Kofferraumladung begrenzt. „Damit die Leute sich hier nicht zulange aufhalten“, sagt der TBR-Chef. „Wenn jemand mit einem Anhänger voll kommt, blockiert der den Hof schon mal für eine Stunde.“

Möglich ist die Anmeldung derzeit nur über eine PDF-Dokument auf der Internetseite der TBR. Dabei können auch Wunschtermine angegeben werden. „Viele schreiben mehrere Zeiträume rein, in denen sie können“, sagt Betriebsmeister Schorn. Das vereinfache die Absprache. Denn vergeben werden die Termine aktuell noch „von Hand“: Ein Mitarbeiter gleicht den Wunsch des Kunden mit freien Zeiten ab, bestätigt den Termin per E-Mail und trägt ihn dann in eine Liste für die Kollegen an der Schranke ein.

Ein deutlicher Mehraufwand, wie Michael Zirngibl zugibt. Hilfe gebe es aber von zwei Mitarbeiterinnen der derzeit geschlossenen Theaterkasse des Teo Otto Theaters. In etwa zwei Wochen soll dann ein Online-Tool zur Verfügung stehen, mit dem die Anliefertermine direkt ausgewählt werden können.

„Wir sind im Moment nicht die einzigen in Deutschland, die so ein System wollen und unsere eigene IT kann das nicht umsetzen“, so der TBR-Chef. Von der Firma, die das Tool erstellt, habe man erst einen Termin für Anfang Februar bekommen. „Bis dahin müssen wir uns behelfen“, sagt Zirngibl, der wenig Verständnis für Kritik an dieser Vorgehensweise hat: „Es musste schnell gehen.“

95 Anträge seien am Dienstag eingegangen, berichtet TBR-Mitarbeiterin Claudia Küster. Noch einmal 40 am Mittwochvormittag. Bisher würden sich die Termine auf einen Zeitraum bis Ende Januar verteilen, so dass die maximale Anzahl von rund 100 bisher an keinem Tag erreicht werde. „Es wird mehr“, sagt Claudia Küster. Aber ein Termin-Notstand herrsche noch lange nicht.

Zumal die Technischen Betriebe dazu aufrufen, den Wertstoffhof nur in Ausnahmefällen aufzusuchen. Weiterhin gehe es darum, Szenen wie im Frühjahr zu vermeiden, so Zirngibl: „Die Leute sollen nur kommen, wenn es unbedingt nötig ist.“ 

Antragsformular

Der schnellste Weg zum Antragsformular für einen Termin auf dem Wertstoffhof führt über die Startseite der TBR, wo „Terminvergabe für den Wertstoffhof“ noch die aktuellste Meldung oben auf der Seite ist. Wir sie dort abgelöst, führt der Weg über den Menüpunkt „Entsorgung“ zur Kachel „Wertstoffhof Sammelstelle“, wo sich im Text der orange gefärbte Link zum Formular befindet.

tbr-info.de

Standpunkt

sven.schlickowey @rga-online.de

Ein Kommentar von Sven Schlickowey

Der Wertstoffhof ist wieder auf. Doch das Interesse ist bisher noch überschaubar. Das lässt zwei mögliche Schlüsse zu: Dass die Schließung gar nicht notwendig war. Oder dass die Entsorgungsnot nicht ganz so groß ist, wie man es den sozialen Medien entnehmen konnte. Vermutlich stimmt beides, zumindest ein bisschen. Damit taugt das Stück rund um den Wertstoffhof als Parabel für unsere derzeitige Corona-Situation: Eigentlich ist klar, dass in der Pandemie nicht alles geht. Trotzdem möchten wir so weiter leben wie bisher. Und bei jeder einzelnen Entscheidung müssen wir einen sinnhaften Zwischenweg finden. Das ist in vielen Fällen schon schwer genug, wenn man das auf einer sachlichen Ebene diskutiert. Wenn der Wertstoffhof aber mit einem Supermarkt verglichen wird, wie es die CDU getan hat, oder das Fehlverhalten von Umweltsündern als Argument für eine Öffnung ins Feld geführt wird, wie bei der SPD, erschwert das die Diskussion zusätzlich. Helfen würde da vermutlich ein wenig mehr Sachlichkeit.

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