Verband rät von Pauschallösungen ab

Türen zu den Geschäften bleiben trotz Energiekrise offen

Die Alleestraße soll auch in der Vorweihnachtszeit zum Einkaufsbummel einladen. Pauschalregelungen, wonach in der Energiekrise Öffnungszeiten gekürzt werden sollen, lehnt der Vorsitzende des Handelsverbands ab.
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Die Alleestraße soll auch in der Vorweihnachtszeit zum Einkaufsbummel einladen. Pauschalregelungen, wonach in der Energiekrise Öffnungszeiten gekürzt werden sollen, lehnt der Vorsitzende des Handelsverbands ab.
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Handel: Noch keine einheitliche Linie bei Öffnungszeiten im Winter in Sicht.

Von Melissa Wienzek und Frank Michalczak

Remscheid. In Remscheid zeichnet sich bislang noch kein einheitliches Bild ab, inwiefern im Winter Öffnungszeiten des Einzelhandels reduziert werden, um Energie zu sparen. Während der Werbe- und Interessenring der Nachbarstadt Solingen seinen Mitgliedern empfiehlt, die Läden in der City möglichst ab November um 18 Uhr zu schließen, rät Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Handelsverbands NRW im Bergischen Land, von Pauschallösungen ab. „Die Ausgangslage ist doch sehr unterschiedlich und von Branche zu Branche verschieden“, erklärt der Lenneper Sanitärhändler. „In Lebensmittelgeschäften sind die Kühltruhen Hauptfaktor bei der Energie. Und die müssen ohnehin laufen“, nennt er ein Beispiel. Grundsätzlich sei auch kein immenser Spareffekt zu erwarten, wenn ein Textilgeschäft künftig um 18 Uhr statt um 19 Uhr schließe. „Sinnvoll ist hingegen, dass nachts auf Beleuchtung verzichtet wird.“

Das Team des Modegeschäfts Boecker an der oberen Alleestraße möchte in den kommenden zwei Wochen überlegen, wie es sich bei diesem Thema positioniert. Aktuell ist in der Woche bis 19 Uhr geöffnet. Richten wolle man sich nach den Öffnungszeiten des Allee-Centers. Man müsse sich aber insgesamt einmal mit den Innenstadt-Händlern zusammensetzen. Eines sei aber auch klar, sagt Filialleiterin Cornelia Wüllenweber: „Wir können die Kunden nicht vor den Kopf stoßen.“ Schließlich biete man Service vor Ort.

Das sieht auch Harro Schmidt vom Bürobedarfsgeschäft Gottlieb Schmidt an der unteren Allee so. Er möchte nicht früher schließen, wenn andere nicht mitziehen. „Es wäre schön, wenn wir eine einheitliche Vorgehensweise in der Innenstadt fänden.“ Auch wenn das wohl schwierig werde – der Zusammenhalt sei derzeit nicht gerade der beste. Jeder öffne anders. Aktuell hat Schmidt wochentags von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet und möchte daran auch erst mal festhalten. Auch wenn die letzte Stunde nicht die „Hauptverkehrszeit“ sei. „Aber es gibt ja auch viele Berufstätige, die jeden Tag lange arbeiten und solche Öffnungszeiten brauchen. Für sie möchten wir da sein.“

Beim Thema Energiesparen hatte der Einzelhändler bereits mitgezogen: Die Werbetafel bleibt komplett aus, das Schaufenster wird um 21 Uhr dunkel. Nur noch ein kleines Sicherheitslicht beleuchtet dann den Eingang - damit sich am nächsten Tag keine ungebetenen Hinterlassenschaften finden. Die Kundenfrequenz sei derzeit normal-ruhig. Gefragt seien Laterne-Bastel-Utensilien und Malbedarf. Harro Schmidt hofft auf den November und Dezember, wenn traditionell mehr Geschenke gekauft werden – und will im Advent dann auch samstags länger öffnen: statt bis 16 dann bis 18 Uhr.

Bereits gehandelt hat Kai Mosner. Der Inhaber von Highspeed Media an der unteren Allee hat bereits seit der Corona-Krise seine Öffnungszeiten reduziert. Aktuell macht er abends die Ladentür um 17 Uhr zu – Laufkundschaft gibt es dann ohnehin nicht mehr. „Ab 4, halb 5 ist eigentlich kaum noch was zu tun.“ Dennoch ist das Telekommunikationsgeschäft dann noch weiter für die Kunden da: „Bis 20 Uhr kann man bei uns noch Termine buchen. Das wird gern angenommen. Vor allem von Berufstätigen“, sagt Mosner. Händler müssten flexibel denken, findet er. Über die Internetseite, telefonisch, sogar über Facebook könnten Kunden Beratungstermine buchen.

Einzelhändlerin geht es um Verlässlichkeit

Aber es geht auch um die Verlässlichkeit, erklärt Einzelhändlerin Bärbel Beck. „Deswegen werden wir auf jeden Fall an den Kernöffnungszeiten festhalten.“ Keinesfalls dürfe es passieren, dass die Kundschaft montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr an ihrem Modehaus Johann vor verschlossenen Türen steht. „Es ist mir wichtig, dass wir dann durchgehend geöffnet haben.“ Dabei habe sie bereits vor Beginn der Energiekrise großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt – zum Beispiel, indem sie auf Taschen aus recyceltem Materialien setzt, fügt die Vizepräsidentin der bergischen Industrie- und Handelskammer hinzu.

Sonntage

Zwei offene Sonntage soll es noch geben – zum einen am 27. November in der Remscheider Innenstadt sowie am 11. Dezember in der Lenneper Altstadt. Die Läden sind von 13 bis 18 Ihr geöffnet.

Passend zum Thema: Remscheider Produkte werden teurer - Energiekrise trifft Werkzeugfirmen hart

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