Rathaus

Türen verzögern Sanierung des Löwen

Der steinerne Löwe vor dem Rathaus hat Moos angesetzt. Nächstes Jahr soll das Standbild für 90 000 Euro saniert werden. Foto: Roland Keusch
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Der steinerne Löwe vor dem Rathaus hat Moos angesetzt. Nächstes Jahr soll das Standbild für 90 000 Euro saniert werden.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Stadt will auch an die Geschichte erinnern.

Remscheid. Bernd Hoffmann würde ihn am liebsten niederreißen. Das erfuhren die RGA-Leser in der Rubrik „10 Fragen an“ vom obersten Statistiker der Stadt Remscheid. Doch der Löwe, den die Nazis am 1. Mai 1939 als steinernes Standbild auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz vor dem Rathaus enthüllten, wird den Remscheidern erhalten bleiben.

Die überfällige Sanierung des Standbildes aus grauem Muschelkalk ist längst beschlossene Sache. Für 90 000 Euro sollen beschädigte Steine ausgetauscht, die Fassade neu verfugt sowie Mose und Graffitis beseitigt werden. So hat es der Stadtrat bereits 2019 beschlossen. Doch die Sanierung lässt auf sich warten, wie die Grünen in einer Anfrage an die Stadt Remscheid festhalten.

Der Grund für die Verzögerung: In der Säule befinden sich zwei Türen, die mit eben jenem Muschelkalk verkleidet und besonders reparaturbedürftig sind. Prallt etwa ein Ball dagegen – schließlich hängen am Löwensockel auch zwei Basketballkörbe – sind sie bald wieder kaputt. „Wir suchen deshalb nach einer anderen Lösung, aber die muss wiederum denkmalkonform sein“, sagt Thomas Judt, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Einfach schließen kann er die Türen jedenfalls nicht. Denn: Dahinter stecken Stromanschlüsse, woran die Händler des Wochenmarktes ihre Wagen und Stände anschließen. Deshalb müssen sie bleiben.

„Der Löwe ist Teil unserer Geschichte. Den müssen wir aushalten“

Thomas Judt, Chef des Gebäudemanagements

Spätestens 2022 soll eine Lösung gefunden sein. Dann wird der Löwe nach dem Willen des Rates jedoch nicht nur aufgehübscht. Er soll an seinem Sockel auch eine Tafel mit QR-Code für das Handy erhalten. Die Stadt will über den historischen Hintergrund informieren und auch die alte Widmung wieder lesbar machen, die einst auf dem Löwendenkmal stand: „Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit“.

Nach dem verlorenen Krieg ließen die Remscheider die Inschrift verschwinden. 1966 machten sie den Löwen zum „Bergischen Löwen“. Tatsächlich war er das nie, sondern ein Standbild im Stil des monumentalen faschistischen Klassizismus, wie die Nazis ihn bevorzugten. Ein Abriss kommt für Thomas Judt dennoch nicht in Frage: „Er ist Teil unserer Geschichte. Den müssen wir aushalten. Auch wenn er alles andere als gut war.“

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