Alternative Musik

Trio hat die richtige Medizin gegen den Corona-Blues

Wildes Holz sorgte in der Klosterkirche für einen außergewöhnlich unterhaltsamen Konzertabend. Foto: Michael Schütz
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Wildes Holz sorgte in der Klosterkirche für einen außergewöhnlich unterhaltsamen Konzertabend.

Wildes Holz gastierte in der Klosterkirche.

Von Peter Klohs

Remscheid. Das Trio Wildes Holz ist in der alternativen Musikszene bekannt wie ein bunter Hund. Die in der Tat zuweilen wilden Adaptionen von wohlbekannten klassischen Stücken, aber auch harter Rockmusik sind nichts für den Mainstream-Konsumenten.

Nach einigen coronabedingten Absagen spielte das Trio am Donnerstagabend in der Klosterkirche. Alleine das Instrumentarium von Flötist Tobias Reisige ist mehr als ansehnlich: gewiss 20 Flöten aller Größen und Stimmlagen, von der winzigen Piccolo-Blockflöte bis zur zwei Meter großen Subgroßbassblockflöte. Markus Conrads sorgt mit seinem Kontrabass für die Basis, auf der sich der Flötist und der aus Remscheid stammende Gitarrist Johannes Behr austoben können.

90 Minuten kurzweiliges Musizieren in allen Stilen

Es folgten mehr als neunzig Minuten kurzweiliges Musizieren, in dem kein Stil unerwähnt und ungespielt sein sollte. Schon beim zweiten Stück „In der Holzklasse“ erahnte man, wohin die musikalische Reise des Abends ging: Es wurde wild, virtuos, zuweilen leicht abgedreht, aber immer mit dem nötigen Humor versehen, der dafür sorgte, dass die gut 100 Besucher in der Klosterkirche die Musik des Trios wie eine Medizin gegen den Corona-Blues aufsaugten.

Johannes Behr, der inzwischen in Köln lebt, hat dem dortigen Stadtteil Ehrenfeld eine Komposition gewidmet, deren Harmonien ungewöhnlich wenngleich angenehm klingen. Der wie natürlich wirkende 5/4tel Rhythmus geht leicht auch in ungeübte Ohren. Die „Pavane furioso“ entpuppte sich als Schreittanz mit Hardrock-Versatzstücken. „The little Drummerboy“ wird mit „Kashmir“ (Led Zeppelin) und „Alle Jahre wieder“ verschmolzen, zu „Mensch“ (Herbert Grönemeyer) wird die Riesenflöte hervorgeholt, Ahas „Take on me“ geht als Jive über die Bühne und auf die Idee „Hells Bells“ (ACDC) mit „Jingle Bells“ zu vermählen, muss man erst mal kommen.

Dazwischen spielten Conrads und Behr ein swingendes Duo über Frosty, den Schneemann. Aber auch Tobias Reisige hatte sein großes Solo, in dem er Bachs „Nun kommt der Heiden Heiland“ dank Sample-Technik auf gewiss zehn verschiedenen Tonspuren spielte, wobei alleine das Zuschauen Spaß machte, vom Ohrenschmaus einmal ganz abgesehen. Und da Weihnachten kurz bevor steht, gab es Spezielles zu diesem Thema: „Every last Christmas“ ist ein Arrangement der Stücke „Last Christmas“ und „Every breath you take“, beides reichlich abgenutzt, aber in der Version von Wildes Holz nicht nur hör-, sondern auch noch genießbar.

Als zusätzliche Schmankerl gab es noch Jazz à la Django Reinhardt, zu dem die Füße der Konzertbesucher heftig mitwippten, und ein Flötenkonzert von Vivaldi, nicht ganz wie das Original klingend. Aber vielleicht hätte Vivaldi, wenn er denn eine elektrische Gitarre gekannt hätte… Es klingt schön und … ja, wild.

Mit einem Medley einiger Hits aus den 90er-Jahren endete der offizielle Teil. Aber das Publikum hat noch nicht genug und bekommt zwei Zugaben. Die Medizin hat gewirkt und kurzzeitig gesundet, konnte man beschwingt den Heimweg antreten.

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