Beerdigung

Trauerrede: Das Angenehme kommt zum Schluss

Trauerrednerin Sandra Bockholt.
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Trauerrednerin Sandra Bockholt.
  • Andreas Weber
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Sandra Bockholt will als Trauerrednerin dafür sorgen, dass der Abschied den Hinterbliebenen leichter fällt.

Remscheid. Die Beerdigung ihrer Patentante im November 2020 verfolgte Sandra Bockholt lange. „Die Trauerrede war schlimm, empathielos vorgetragen, mit inhaltlichen Fehlern, die die ganze Familie betrafen“, denkt die 50-jährige Lenneperin zurück. „Die Feier in der Kapelle fand zwar nur im kleinen Rahmen statt, aber sie war schrecklich und ein einschneidendes Erlebnis für mich.“ Sie nährte den Wunsch es besser zu machen. Denn: „Man darf Hinterbliebene in diesem schweren Moment nicht so alleine lassen.“ Im Frühjahr 2021 begann Bockholt deshalb zu recherchieren. Wie werde ich Trauerrednerin?

Im Internet fand die Mutter von drei Töchtern und gläubige Christin heraus, dass es zwar viele Angebote gab, sie aber manche als unseriös entlarvte, viele nicht auf sie zutrafen und zudem teuer waren. „Man kann Kurse in Rhetorik und Schreiben belegen, aber das war nicht das, was ich wollte.“ Gut reden und sich ausdrücken konnte sie schon zu Schulzeiten und später als Schulpflegschaftsvorsitzende am Rögy hielt sie Ansprachen. „Das liegt mir“, sagt sie. Sandra Bockholt wandte sich an das Bestattungshaus Alfred Roth. Rebecca Pinnow, Tochter von Inhaber Frank Pinnow, gab ihr nach einem ausführlichen Gespräch eine Chance.

Die Zahl der Trauerredner nimmt in Zeiten rasant steigender Kirchenaustritte zu. Pinnow erinnert aber daran, dass diese auf kirchlichen Friedhöfen nicht zum Einsatz kommen können, nur auf den kommunalen. Und das sind in Remscheid vier. Ihr Bestattungshaus arbeitet mit drei pensionierten Pfarrern zusammen, die auch nicht-konfessionelle Beerdigungen vornehmen. Sandra Bockholt ist seit September 2021 die erste Trauerrednerin, die, wenn von Kunden angefragt, von den Pinnows empfohlen wird. „Diese Tätigkeit muss langsam wachsen. Das braucht Zeit“, rät Rebecca Pinnow der Einsteigerin. Sandra Bockholt, gelernte Industriekauffrau und in Teilzeit Sekretärin an der Grundschule Reinshagen, bringt diese Geduld für ihr nebenberufliches Engagement mit.

Für den Abschied hat sie ihr eigenes Redekonzept entwickelt

Im Vorfeld machte sie sich viele Gedanken, um zu vermeiden, was ihr bei der Beisetzung ihrer Patentante passiert ist. Für die sensiblen Abschiedsmomente hat sie ein Redekonzept entwickelt. „Meine Beobachtungen gehen dahin, dass Trauerreden erst Allgemeines, dann Persönliches und schließlich den Tod behandeln.“ Bockholt dreht es um, rückt die angenehmen Erinnerungen an das Ende. „Viele Angehörige haben Angst vor dem Ende solcher Trauerfeiern. Ich möchte sie daher mit schönen, heiteren Gedanken an den Verstorbenen ans Grab entlassen.“ Ihr Ansatz ist: Erst über den Tod sprechen, Geschichten zum Nachdenken einbinden, die es erlauben, die Gedanken abschweifen zu lassen, dann viel aus dem Leben des Toten erzählen, mit netten Anekdoten enden. „Wichtig ist, dass sich die Hinterbliebenen wiederfinden.“

Die religiösen Anteile in ihrer Rede hält sie niedrig als Frau, die nicht vom Fach ist. Gebete gehören, wenn gewünscht, dazu. Bockholt rückt die Würdigung des Menschen nach vorne. 25 bis 30 Minuten dauern ihre Ansprachen. Dafür setzt sie sich ausführlich mit den Hinterbliebenen zusammen. Aus den Notizen formuliert sie ihr Manuskript. Als Anhaltspunkt ist dieses unerlässlich. Bockholt erfüllt die Aufgabe: „Wenn ich den Trauergästen den Abschied etwas leichter machen kann, ist das für mich die größte Freude.“

Kontakt

Trauerrednerin Sandra Oberste-Brink-Bockholt (so ihr vollständiger Name) ist telefonisch erreichbar unter der 0173 - 568 8299 oder per Mail unter „trauerreden-bockholt@e-mail.de.

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