„Aufholen nach Corona“

Verlorene soziale Kompetenzen: Trainer bringen Schülern Gelassenheit und Teamwork bei

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Die Trainer Charles Mbiya (r.) und Dave Cybis haben im Blick, wie die Zehntklässler zusammenarbeiten.

Im Rahmen des Landesprogramms „Ankommen und Aufholen nach Corona“ vermitteln die beiden Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainer, Charles Mbiya und Dave Cybis, Sozialkompezenten. In der Albert-Einstein-Schule sollen die Schüler soziale Defizite nach dem Home-Schooling aufholen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Als es die Klasse geschafft hat, den Balance-Akt zu bewältigen, jubeln sich die Zehntklässler zu: Am Anfang der Übung, in der eine Strecke geschickt und mit Teamwork bewältigt werden muss, ist die Zurückhaltung noch groß. Mit der Zeit trauen sich die Schüler mehr zu, unterstützen sich. Es sind Szenen wie diese, die Charles Mbiya und Dave Cybis sehen wollen. Sie vermitteln hier den kooperativen Weg dorthin, den Weg zum gemeinsamen Erfolg. Die beiden Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainer bieten im Rahmen des mit Landes- und Bundesmitteln geförderten Projekts „Ankommen nach Corona“ Sozialkompetenz-Trainings an (| siehe unten).

Diese und kommende Woche sind sie in der Albert-Einstein-Schule zu Gast. Die dortige Schulleiterin, Martina Gathen, hatte mit ihren Kolleginnen und Kollegen festgestellt, welche Defizite nach der entbehrungsreichen Zeit des Home-Schoolings besonders auftreten. Zum einen seien sicherlich Rückstände im Lernstoff festzustellen. Aufgeholt werden sollen die im Unterricht. Besonders gravierend aber sei, dass die Sozialkompetenz massiv gelitten habe. Gathen: „Wir sehen im sozialen Bereich große Lücken.“

An das Zusammenleben müssen sie sich wieder gewöhnen.

Schulleiterin Martina Gathen über Problemquellen für die Schüler

Dies zu schließen, sei eminent wichtig. Der Dienstleister, Pro-AGT aus dem Ruhrgebiet, wurde mit den Fördermitteln beschafft. Externe Kräfte hätten ganz andere Einflussmöglichkeiten auf die Schülerinnen und Schüler, merkt Gathen an.

In Tagesworkshops sind aktuell die Zehntklässler dran. In Sozialkompetenz- und Rollenübungen finden sie in der Gruppe zueinander, wachsen über sich hinaus, lernen kommunikativ hinzu. Wesentlicher Baustein sind lebensnahe Simulationen: So mimen die Trainer auch mal einen Türsteher, der einen Schüler vor der Disco abweist. Wie reagiert man da angemessen?

Damit die Schüler des AES dies nicht vergessen, erhalten sie Ende des Schuljahrs weitere Workshops. Die jüngeren Jahrgänge werden zudem vierzehntägig trainiert. Hier wurde das Sozialtraining in den Stundenplan integriert.

In Zeiten von Corona haben die Schüler soziale Kompetenzen verlernt

Die Trainer kommen an bei der Gruppe. Sie erklären: „Gerade mit Corona ist die soziale Kompetenz teilweise ganz verloren gegangen.“ Darauf könne das Schulsystem alleine gar nicht richtig reagieren. „Wir arbeiten mit Emotionen, holen die Schülerinnen und Schüler aus ihrer Komfortzone. Ganz wichtig bei allem ist der Teamgedanke.“

Gathen erklärt, was im Alltag zu beobachten ist: „Die Schülerinnen und Schüler sind sehr dünnhäutig, leicht aus der Fassung zu bringen. Weil die sozialen Kontakte gefehlt haben, müssen sie sich an das Zusammenleben erstmal wieder gewöhnen.“

Nach ihrer Auffrischung in einigen Monaten werden die Zehntklässler dann entlassen. Und nehmen neben ihrer Allgemeinbildung sicherlich auch neue, soziale Fertigkeiten mit.

Hintergrund

„Ankommen und Aufholen nach Corona“: Mit diesem Aktionsprogramm wollen Bund und das Land NRW versuchen, Folgen der Pandemie abzufedern. Das Programm umfasst verschiedene Bausteine. Für die Bausteine „Extra-Geld“ und „Extra-Personal“ gingen laut Landesregierung über 1,1 Million Euro nach Remscheid. Auch die Alexander-von-Humboldt-Realschule profitiert von dem Landesprogramm.

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