Eschbachtalsperre

Tote Fichten bleiben stehen - dem Wald zuliebe

Björn Milhöfer (l.) erklärt Lisa und Ottmar Gebhardt, worauf es beim Pflanzen ankommt. Burkhard Kretschmann macht es vor. Foto: Roland Keusch
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Björn Milhöfer (l.) erklärt Lisa und Ottmar Gebhardt, worauf es beim Pflanzen ankommt. Burkhard Kretschmann macht es vor.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Energie und Wasser GmbH investiert in heimische Bäume und bat Kunden zur Pflanzaktion.

Remscheid. 400 Festmeter Holz stecken in einem Hektar Fichtenwald, den der Borkenkäfer vernichtet hat. Jetzt, da der Rohstoff gefragt ist, ließe sich das Holz leicht zu Geld machen. Dennoch schlagen die Remscheider Förster nur einzelne Stämme und bringen pro Hektar nur 50 bis 60 Festmeter auf den Markt. Der Rest bleibt vorläufig stehen. Dem Walde zuliebe, sagt Markus Wolff, Chef des Remscheider Stadtforstamtes.

Oberhalb der Eschbachtalsperre pflanzten seine Waldarbeiter mit Hilfe von Vertragskunden der Energie und Wasser für Remscheid GmbH (EWR) deshalb jetzt neue Eichen, Buchen und Weißtannen unter abgestorbenen Fichten. 500 Setzlinge waren bestellt und sollten in dem bis zu 20 Hektar großen Waldstück gepflanzt werden - als Klimaschutzprojekt zur Kompensation von freigesetztem CO2.

Rückepferd Elli hilft bei der Durchforstung des Waldes unterhalb der Eschbachtalsperre.

Viele Unternehmen nehmen solche Ausgleichsmaßnahmen, zu denen sie verpflichtet sind, ausschließlich per Überweisung vor. Begünstigt werden Aufforstungsprojekte zum Beispiel im südamerikanischen Regenwald. „Wir möchten vor Ort etwas tun“, sagt EWR-Sprecher Chistian Edelmann und fand in der Waldgenossenschaft Remscheid, deren Vorsitzender Förster Wolff ist, den richtigen Ansprechpartner.

63 000 Laub- und Nadelbäume ersetzen kaputte Fichten

350 Mitglieder zählt die vor acht Jahren gegründete erste Bürgerwald-Genossenschaft Deutschlands heute. 85 Hektar Wald nennt sie in Remscheid ihr eigen. Oft sind es kleine Flächen, die unter dem Dach des Forstverbandes und des Stadtforstamtes gepflegt, aber auch naturnah genutzt werden.

Baumpflanzaktionen wie die der EWR bietet die Genossenschaft zu verschiedenen Anlässen. „Neulich hatte sich jemand zum 60. Geburtstag eine Pflanzaktion gewünscht“, erzählt Markus Wolff. „Anschließend saßen alle glücklich im Gasthof Eierkaal mit dreckigen Schuhen.“

Doch die Pflanzaktionen haben einen ernsten Hintergrund. 40 000 Laub- und Nadelbäume bringen die Remscheider Förster in jedem Jahr in die Erde. In diesem Jahr werden es noch einmal 23 000 Bäumchen mehr sein. Sie werden die Fichten ersetzen, die in drei heißen Sommern abgestorben sind. Das wird allerdings noch viele Jahre dauern.

Bis dahin bieten die toten Fichten der nächsten Baumgeneration ein Stück weit Schutz. Vor allem aber sorgt der Verzicht auf den Kahlschlag dafür, dass der Waldboden und die bereits nachwachsende Naturverjüngung von den großen Harvestern und Lkw, die die Stämme abtransportieren, nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden als das ohnehin der Fall ist.

Die Rücksichtnahme auf die Natur hat gleichwohl ihre Kehrseite. Von den toten Bäumen geht eine nicht unerhebliche Gefahr für Spaziergänger, Pilzsucher und andere Waldbesucher aus. Die Förster werden deshalb in Kürze 250 Schilder aufstellen mit dem Hinweis, dass der Wald nur auf eigene Gefahr betreten wird.

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