Kabarett

Kleinkünstler Tobias Wessler akzeptiert die 50 jetzt doch

Musikalisch, humorvoll, und sein Alter akzeptiert er inzwischen auch: Tobias Wessler in der Schatzkiste bereitete Freude.
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Musikalisch, humorvoll, und sein Alter akzeptiert er inzwischen auch: Tobias Wessler in der Schatzkiste bereitete Freude.

Künstler bietet in der Schatzkiste einen unterhaltsamen Abend zum Älterwerden.

Von Sabine Naber

Remscheid. „Endlich mal wieder ein volles Haus“, freute sich Jürgen Scheugenpflug, der künstlerische Leiter der Kleinkunstbühne Schatzkiste, über die vielen Gäste, die gekommen waren, um den Wuppertaler Kabarettisten, Schauspieler und Sänger Tobias Wessler zu erleben.

„Fifty Years and Grey“ hatte er seinen neuen Soloabend überschrieben, in dem er sich musikalisch und kabarettistisch mit seinem Leben auseinandersetzte und gleich zu Beginn von Problemen sang, die er in seiner Jugend noch nicht hatte. Beispielsweise, dass er plötzlich eine Krawatte braucht, sie aber nicht binden kann. Oder dass er im Café einen Kaffee bestellt und ihm die Kellnerin erst einmal eine ganze Litanei von unterschiedlich zubereiteten Kaffees herunterbetet, bevor er schließlich erschöpft bei einem „Coffee of the Week“ sein Okay gibt.

Und bei der Goldenen Hochzeit von Onkel und Tante wird ihm plötzlich bewusst, dass auch bei ihm selbst in Kürze die Fünf vorne steht: „Schon in der Schule stand diese Zahl für Abstieg. Und dann sind es ja nur noch 17 Jahre bis zur Rente. Und auch die Zahl derjenigen, die dich duzen, nimmt merklich ab“, wird ihm bewusst. Das Publikum amüsiert es.

Beim Fußballgucken merkt er, dass die Spieler längst jünger sind als er selbst. Und realisiert, dass sogar die Trainer inzwischen jünger sind. Da greift er einmal mehr zur Gitarre, hängt sie sich um den Hals und erinnert sich sehnsüchtig an seine Jugend, als man noch genug Fleisch essen durfte und es niemanden zu interessieren schien, ob sich die Kulturen im Joghurt rechts- oder linksherum drehen.

Rauchen hat ein ähnlich schlechtes Image wie Trump.

Tobias Wessler wundert sich über Veränderungen im Laufe der Zeit

Herrlich, wenn er die Perücke mit den langen blonden Haaren, anschließend die dunkle Sonnenbrille aufsetzt und MC Macho spielt. „Damals in den 80er Jahren musste man nur bedeutungsvoll sagen, dass man ein Moped hat. Dann lagen einem ganze Schwesternheime zu Füßen“, behauptet er. Und protzt weiter, dass für Männer wie ihn das Bett schließlich kein Kommunikationsforum sei.

Die Show brach allerdings zum Vergnügen des Publikums alsbald zusammen wie ein Kartenhaus, als er – immer noch als MC Macho – an der imaginären Theke sitzend von einer gut aussehenden Frau angesprochen wurde. Da reichte es musikalisch nur noch zu einem verlegenen: „Öh, Öh, Öh . . .“ Wessler singt: „50 – du hast gewonnen. Ich nehme das jetzt an.“ Und trauert doch der Zeit nach, als er zu rauchen angefangen hatte und die Schachtel nur zwei D-Mark kostete. Wenn es teurer wird, höre ich auf, sei er sich damals sicher gewesen.

„Heute musst du raus gehen, wenn du drinnen rauchen willst. Rauchen hat ein ähnlich schlechtes Image, wie Donald Trump.“ Er habe sich gesagt, wenn „dieser Spacko“ Präsident werde, „dann höre ich auf“. „Ich wollte immer schon aufhören. Aber doch nicht so“, sang er verzweifelt weiter.

Ein unterhaltsamer, humorvoller Abend, bei dem Tobias Wessler kräftig austeilte und im kleinen Privattheater erstmals eine Premiere gefeiert wurde. Wer seinen Auftritt verpasst hat, der bekommt im Dezember die Gelegenheit, ihn mit einem anderen Programm kennenzulernen. Dann wird Wessler zusammen mit Harry Heib und Pianist Jochen Kilian das Ensemble der Schatzkiste bilden und mit „Angriff der Weihnachtsmänner“ einen hochmusikalischen Ausflug in den wundervollen Wahnsinn der weihnachtlichen Vorfreude starten.

Die nächsten Termine

Carmela de Feo alias „La Signora“ wird am Donnerstag, 27. Oktober mit ihrem Programm „Allein unter Geiern“ in der Schatzkiste an der Elberfelder Straße zu Gast sein.
„Keine Zeit für Pessimismus“ heißt es eine Woche später, 3. November, bei Matthias Brodowy auf der Kleinkunstbühne am Remscheider Markt. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr.
Am Donnerstag, 17. November, ist dann Heinz Gröning, der unglaubliche Heinz, zu Gast.
Tickets gibt es unter termine.rga.de

Passend dazu: Kulturnacht: Die Szene zeigt sich an 80 Orten in der Stadt

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