Ehrenamtler setzen sich für die Bürger ein

Die Arbeit beim THW ist mehr als Technik

Elias El Ghorchi und Marcel Patzsch mit Arbeitsgeräten, mit deren Bedienung die THW-Helfer vertraut sind. Foto: Roland Keusch
+
Elias El Ghorchi und Marcel Patzsch mit Arbeitsgeräten, mit deren Bedienung die THW-Helfer vertraut sind.

Die Ehrenamtler des Technischen Hilfswerks kommen nicht nur im Katastrophenfall zum Einsatz

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Ob bei Dammbrüchen oder bei Gasexplosionen – die Helferinnen und Helfer in Blau sind stets im Einsatz, wenn es darum geht, Hilfe zu leisten. Öffentlichkeitsbeauftragter Elias El Ghorchi und Sven Chudzinski, stellvertretender Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes in Remscheid, berichten, wie man Helfer beim Technischen Hilfswerk (THW) wird.

Wie komme ich zum THW?

„Die meisten kommen aus Überzeugung und Interesse an der Technik“, sagt Elias El Ghorchi. Der 21-Jährige ist selbst mit zwölf Jahren in die Jugendgruppe des THW eingestiegen. In den Gruppen der Kleinen (acht bis zwölf Jahre) und Großen Helden (13 bis 17) werden die Kinder und Jugendlichen unter dem Motto „spielend helfen lernen“ an die Tätigkeiten herangeführt. „Bei den Kleinen Helden werden viele Spiele gemacht, damit die Gruppe zusammenwächst“, erklärt El Ghorchi.

Dann steigen die Kinder auf Leitern und lernen die Geräte des THW kennen. Die Großen Helden werden nach und nach an die Technik herangeführt. Bei ihnen geht es beispielsweise um Holz- und Gesteinsbearbeitung. „Unsere Fahrzeuge sind voll mit Geräten“, erklärt Sven Chudzinski. Die lernen die Jugendlichen ebenfalls kennen. Voraussetzungen brauchen die Kinder keine. „Alle sind herzlich willkommen, die bereit sind, etwas im Team zu leisten“, betont El Ghorchi. Jeden zweiten Donnerstag treffen sich die Gruppen. Auch Schnupperdienste sind möglich. Ab 17 Jahren können die Jugendlichen mit der Grundausbildung beginnen, mit der auch Erwachsene beim THW starten können.

Wie sieht die Grundausbildung aus?

Wie in einer Fahrschule findet etwa ein halbes Jahr lang die theoretische und praktische Ausbildung statt: Immer donnerstags treffen sich die Grundausbildungsanwärter zu rollierenden Themen. „Man kann also jederzeit einsteigen“, sagt El Ghorchi. Wie knote ich einen Knoten? Wie stelle ich eine Beleuchtung auf? Und wie baue ich einen Dreibock aus Holz?

Wie läuft die Prüfung ab?

Ähnlich einem Stationslauf zeigen die THWler ihr Können in einem breiten Spektrum an Einsatzsituationen: So müssen sie beispielsweise beweisen, dass sie eine Motortrennschleife bedienen können oder wissen, wie die Beleuchtung aufgebaut wird. Auch eine Theorieprüfung gehört dazu.

Wie geht es dann weiter?

Nach der Grundausbildung können sich die THWler für die Fachgruppen spezialisieren. Die „Bergungsgruppe“ ist die erste Gruppe am Einsatzort. „Sie hat einen bunten Blumenstrauß an Einsatzoptionen“, sagt El Ghorchi. Die Gruppe „Notversorgung und Instandsetzung“ kümmert sich um die Infrastruktur – benötigte Zelte, Beleuchtung, Sanitäranlagen oder gar eine mobile Küche. „Unsere Schwere Bergungsgruppe ist überregional im Einsatz“, erklärt der 21-Jährige. Mit ihrem Schreitbagger („Rettungsspinne“) kümmern sie sich um schwere Bergungen. Ganze Betonwände können sie mit ihren Geräten anheben.

Es ist einfach schön, mit anderen Menschen anderen Menschen zu helfen.

Sven Chudzinski

Der ESS-Trupp (Einsatzstellen-Sicherungs-System) überwacht Gebäude, die einzustürzen drohen, beispielsweise nach einer Explosion oder nach einem Hochwasser, wie in der vergangenen Woche. „Mit dem bloßen Auge sieht man nicht, ob ein Haus sich bewegt“, erklärt Chudzinski.

Eine Besonderheit des Remscheider Ortsverbands sind die Bergungstaucher. Nach Bundeswehrstandards werden die THWler, die sich als Taucher spezialisieren, an der Wuppersperre ausgebildet, berichtet Elias El Ghorchi. „Wir sind so ausgestattet, dass wir auch bei schlechten Sichtverhältnissen technische Hilfeleistung durchführen können“, sagt er. Schweißen und sägen unter Wasser sind somit kein Problem. Auch die Organisation von Einsätzen benötigt helfende Hände. Wo können die Helfer während eines Einsatzes schlafen? Wie werden sie verpflegt? All das muss koordiniert werden.

Wo werde ich eingesetzt?

Die THW-Ortsverbände sind untereinander organisiert und unterschiedlich spezialisiert. „Man muss sich das THW wie ein Baukastensystem vorstellen“, sagt El Ghorchi. Braucht das Remscheider Team beispielsweise Spürhunde, kann es in einem anderen Ortsverband anfragen. So können Einsätze auch überregional stattfinden. „THW ist mehr als Technik“, sagt Elias El Ghorchi. Sven Chudzinski fügt hinzu: „Das ist Familie, da ist Zusammenhalt. Es ist einfach schön, mit anderen Menschen anderen Menschen zu helfen.“

Hintergrund

Einen Samstag im Monat treffen sich die THWler zum Dienst. Dann werden anstehende Veranstaltungen besprochen und Übungen durchgeführt. 110 ehrenamtliche Helfer hat das THW Remscheid zurzeit, 30 von ihnen sind Jugendliche. Elf THW Fahrzeuge stehen am Standort Auf dem Knapp. Wer beim THW hilft, geht ein Arbeitsverhältnis mit dem Bund ein. Zum THW Remscheid:

https://t1p.de/7lif

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
55 Flüchtlinge sind in Remscheid angekommen
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Wegen Corona-Schutz: Ärzte befürchten schwere Grippe
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Insektentod: Duo sammelt Unterschriften
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt
Zwei Verletzte nach Messerstichen am Markt

Kommentare