Meine erste Platte

Mit AC/DC an der Hotelbar in Leipzig gesessen

Thomas Neuhaus mit einer LP von Udo Lindenberg, dessen Texte ihn immer angesprochen haben. Foto: Roland Keusch
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Thomas Neuhaus mit einer LP von Udo Lindenberg, dessen Texte ihn immer angesprochen haben.

Thomas Neuhaus lernte Udo Lindenberg bei einem Ostermarsch kennen

Von Peter Klohs

Remscheid. „Jill und die Cowboy-Hexe.“ Thomas Neuhaus muss nicht groß überlegen, wenn man ihn nach seiner ersten Platte fragt. Das Hörspiel nach einer Geschichte von Karl Heinz Gies bekam er als LP im Alter von sechs oder sieben Jahren von seinen Eltern geschenkt. „Die habe ich leider nicht mehr“, fügt er an. „Ich habe gar keine LPs mehr, auch nicht die erste Musik-LP. Es dürfte Udo Lindenberg gewesen sein.“

Musik kam recht spät in das Leben des Remscheider Sozialdezernenten. Seine Familie war, wie er heute sagt, recht unmusikalisch. „Mein Vater sang lieber selber. Die Familie hörte Musik nur durch das Radio.“ Aber es kam die Zeit des Heranwachsens und des langsam Erwachsenwerdens. „Meine Freunde hatten alle Platten“, weiß Neuhaus zu berichten, „und irgendwann musste ich da einfach mitziehen.“

Nachdem er etwas unentschlossen diversen Musikern zugehört hatte, bekam er recht schnell einen Zugang zur Musik. „Musik war eine Ausdrucksmöglichkeit meiner pubertären Sicht auf die Dinge. Und Lindenbergs Texte haben mir, der ich in Dortmund groß geworden bin, immer viel gesagt. Da ging es um Außenseiter, um Sexualität, um all’ diese Dinge. Nach und nach besaß ich alle Platten von ihm, gekauft in einem der beiden LP-Läden in Dortmund. Lindenbergs Texte veränderten sich späterhin: Er sang über Frieden, Abrüstung, die Umwelt und reife Liebe. Ich habe ihn bei einem Ostermarsch kennengelernt, ein netter Typ, überhaupt nicht abgehoben.“

Andere deutsche Rockmusiker fanden auch Gnade vor Thomas Neuhaus Ohren: die Hagener Rockband Grobschnitt, die aus Dortmund stammende Band Cochise sowie Ton Steine Scherben aus Berlin. Einige Zeit später verstärkte sich bei Thomas Neuhaus das Interesse an der Musik, und die Texte wurden nicht mehr so extrem wichtig. So lernte er durch einen Freund den amerikanischen Komponisten Frank Zappa kennen, einen der „besten Musiker, der die Bandbreite zwischen Jazz und Rock virtuos ausgelotet hat. Zappa konnte nur durch seine Musik provozieren, der brauchte seine extravaganten Texte eigentlich gar nicht“. Neuhaus bezeichnet „Bamboozled by love“ von Zappas Album „Tinseltown Rebellion“ als eines seiner Lieblingsstücke.

„Nein, ich war kein Popper“, erklärt der Chef des Covid-19-Krisenstabes. „Ich war ein Arbeiterkind, das neugierig die Welt entdecken wollte. Auch die musikalische Welt.“ Also suchte er permanent neue musikalische Eindrücke, fand die facettenreiche Musik von Queen und den Anfang des Hard Rocks und des Heavy Metal: „Status Quo habe ich gerne gehört, natürlich Deep Purple, Ozzy, Iron Maiden, Motörhead. Sehr gerne höre ich auch heute noch Metallica. Und all die anderen Rocksachen, die ich zum Geburtstag geschenkt bekomme.“ Anekdoten von AC/DC, die er in einer Hotelbar in Leipzig kennenlernte, schließen sich an.

Drei Gläser Wein braucht er für die neueren deutschen Schlager

Seine musikalische Bandbreite ist gewachsen. Er kann auch „gut Klassik hören. Auf der anderen Seite auch Muse oder Mando Diao aus Schweden. Ich probiere immer die Musik aus, die meine Kinder hören.“ Trotzdem gibt es Musik, die er nicht ertragen kann. „Ich schließe prinzipiell nichts aus“, sagt er, „aber die Red Hot Chili Peppers und die Beatles sind für mich nicht hörbar. Das ertrage ich nicht. Ansonsten alles von Punk bis Fado. Für den neueren deutschen Schlager brauche ich dann drei Gläser Wein. Aber auch der geht dann. Das ist auch meine Lebenseinstellung: Man muss sich für alles öffnen können.“

Einen Geheimtipp gibt er mir noch mit: den aus der ehemaligen DDR stammenden Gerhard Gundermann, der sogenannte singende Baggerfahrer. „Musik und Kunst überhaupt muss sich einmischen“, sagt Neuhaus dazu.

Zur Person

1967 in Dortmund geboren entwickelte Thomas Neuhaus erst spät einen Draht zur Musik. Geblieben ist ihm bis heute die Liebe zu Rock, Metal und verwandten Tönen. Neuhaus ist Mitglied von Bündnis 90 / Die Grünen und Sozialdezernent. Der Diplom-Volkswirt ist seit 2014 in Remscheid tätig und Chef des Corona-Krisenstabes in der Stadt. LPs besitzt er keine mehr.

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