Panne

Testzentrum in Lüttringhausen liefert 50 falsche Ergebnisse

Shayan Ansari bittet alle, die in der alten Feuerwache ein falsches Ergebnis bekommen haben, um Entschuldigung. Offenbar war eine ganze Test-Charge fehlerhaft. Foto: Doro Siewert
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Shayan Ansari bittet alle, die in der alten Feuerwache ein falsches Ergebnis bekommen haben, um Entschuldigung. Offenbar war eine ganze Test-Charge fehlerhaft.
  • Axel Richter
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Lüttringhausen: Positive Befunde bestätigten sich im PCR-Test nicht – Betreiber bitten Betroffene um Entschuldigung.

Remscheid. Emilia ist acht Jahre alt und reagierte reifer als manch ein Erwachsener: „Jetzt habe ich Euch den Tag verdorben“, bat sie die Eltern um Entschuldigung. Der Besuch im Zoo, den sich die Familie Weyers nach einem Corona-Schnelltest am Samstag vorgenommen hatte, musste notgedrungen ausfallen. Emilias Teststreifen zeigte ein positives Ergebnis.

Wie der Achtjährigen erging es am Samstag annähernd 50 Remscheiderinnen und Remscheidern sowie Bürgern aus anderen Städten im Schnelltestzentrum Lüttringhausen. Allen hatte der Bürgertest, den sie in der alten Feuerwache hatten vornehmen lassen, eine Infektion mit Sars Cov-2 bescheinigt. Tatsächlich war keiner von ihnen coronapositiv, sondern die Tests schlicht kaputt.

Das ist jedenfalls die Erklärung, die das Gesundheitsamt nach einer Visite des Testzentrums in Lütringhausen für wahrscheinlich hält. „Möglicherweise liegt ein Produktionsfehler vor“, sagt Amtsleiter Dr. Frank Neveling. „Oder die Testkits sind falsch gelagert worden.“

Mit ihren positiven Ergebnissen machten sich die Menschen danach auf den Weg zum nächsten PCR-Test. So fand sich auch Nicole Weyers (43) mit ihrer Tochter Emilia mit vielen anderen Remscheidern vor dem roten Testcontainer des Düsseldorfer Labor-Unternehmens Zotz / Klimas wieder. „Alle waren in Lüttringhausen getestet worden“, erzählt die Remscheiderin. Dem Abstrich folgte am nächsten Tag das Ergebnis: Emilia war negativ.

Etwas anderes hatten die Weyers nicht erwartet. Dass die Achtjährige infiziert sein sollte, die Eltern und Geschwister aber nicht, erschien ihnen unwahrscheinlich. Die Ungewissheit dürfte andere deshalb schwerer schlimmer getroffen haben. Dennoch zeigt sich Mutter Nicole wütend. „Ich bin keine, die Fehler nicht verzeiht“, sagt sie. „Aber so etwas darf eigentlich nicht passieren.“

„Für die Inzidenz werden nur PCR-Tests berücksichtigt.“

Viola Juric, Krisenstab

Shayan Ansari, der mit Leonard Gier (beide 19) das Schnelltestzentrum in der Fahrzeughalle der alten Feuerwache betreibt, ist das nach eigenen Worten bewusst. „Wir möchten uns bei allen entschuldigen, denen wir mit dem falschen Ergebnis das Wochenende verdorben haben“, sagt der Klausener und ehemalige Schüler des Röntgen-Gymnasiums.

Die beiden Studenten sind die mit Abstand jüngsten Betreiber eines Corona-Testzentrums in Remscheid. Nach Zusage der Stadt gingen sie Anfang April an den Start. Alles lief reibungslos. Zwei Prozent aller Tests ergaben ein positives Ergebnis. Das ist der Durchschnitt in allen 29 Bürgerschnelltestzentren in Remscheid.

Dann kam der Samstag. „Plötzlich hatten wir am Vormittag 20 positive Ergebnisse“, erzählt Shayan Ansari. Am Ende waren es mehr als 50. So viele Beschwerden gingen jedenfalls im Verlauf des Wochenendes beim Gesundheitsamt der Stadt ein. Das war bereits über die Häufung informiert. Die Testzentren sind verpflichtet, den Behörden alle positiven Ergebnisse der Schnelltests zu melden. In die offiziellen Coronazahlen gehen sie allerdings nicht ein.

„Für die 7-Tage-Inzidenz werden nur die positiven Ergebnisse eines PCR-Tests berücksichtigt“, sagt Viola Juric, Sprecherin des Krisenstabes.

Shayan Ansari und Leonhard Gier haben nach dem Ärger vom Samstag den Hersteller gewechselt. Statt Rachentests bieten sie ab sofort zudem Tests per Nasenabstrich an. Die Familie Weyers dürfen sie dennoch nicht mehr in ihrem Testzentrum begrüßen. Nach dem vorübergehenden Schock am Samstag „habe ich das Vertrauen verloren“, sagt Mutter Nicole.

Testzentren

In Remscheid gibt es aktuell 29 Bürgerschnelltestzentren.

Insgesamt wurden bislang 26 307 Bürgerschnelltests vorgenommen. Davon fielen 538 Tests positiv aus. Das entspricht 2,05 Prozent.

Ab sofort dürfen neue Testzentren nicht mehr mit dem Land abrechnen. Für die Bürger bleiben die Tests dennoch kostenfrei.

Standpunkt

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Dass ein Schnelltest ein falsches Ergebnis liefern kann, ist hinlänglich bekannt. In Lüttringhausen hat das Phänomen allerdings eine neue Dimension angenommen. Dort hatte das Testzentrum offenbar eine ganze Charge mit fehlerhaften Tests erhalten. Hauptleidtragende waren die Menschen, die bis zum Ergebnis des PCR-Tests am nächsten Tag mit der Ungewissheit leben mussten, möglicherweise infiziert zu sein. Das Geraune, das daraufhin in den sozialen Schwätzwerken des Internets zu vernehmen war, entspricht dem Unfug, den es dort mit Blick auf Corona häufig zu lesen gibt. „Die Stadt will die Zahlen künstlich hochhalten“, ist eine solche Behauptung, wobei die Frage unbeantwortet bleibt, warum die Stadt daran ein Interesse haben sollte. Das Beispiel zeigt, dass die Verschwörungsideologen keine Gelegenheit auslassen, um den Rechtsstaat zu diskreditieren. Dass der Verfassungsschutz dieses Phänomen neuerdings unter dem sperrigen Begriff der verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates beobachtet, ist deshalb richtig. Zumal die Verschwörer nach dem Ende der Pandemie nicht verschwinden werden.

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