Digitale Lösung ergänzt die stationären Notärzte

Lebensretter schalten sich in Remscheid per Video zu

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Auch künftig wird der Notarzt ausrücken. Ist er aber schon im Einsatz, erhalten die Notfallsanitäter Unterstützung vom Telemediziner in der Leitstelle.

Remscheid wird ans Telenotarzt-System angebunden.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Es wird stressig für den Remscheider Rettungsdienst. Verdacht auf Herzinfarkt, am Hasten ist eine Frau umgekippt. Neben dem Rettungswagen rückt der Notarzt aus. Kurz darauf meldet sich die unmittelbare Nachbarschaft: Ein Rollerfahrer baut in Cronenberg einen Unfall, stürzt übel auf den Kopf. Weil die Wuppertaler Kollegen gerade selbst alle im Einsatz sind, rückt der zweite Notarzt, über den Remscheid verfügt, ebenfalls aus. Harte Grenzen gibt es im Rettungsdienst nicht, untereinander hilft man sich. Und jetzt auch noch das: Verkehrsunfall am Hasenberg, mindestens eine schwer verletzte Person wird gemeldet. In der normalen Kette käme nun, wo beide Notärzte bereits im Einsatz sind und auch die überörtliche Hilfe nicht schnell greifen kann, der Hubschrauber, regulär in Köln stationiert, zum Einsatz.

Genau an dieser Stelle des fiktiven – und doch realistischen – Szenarios wird zukünftig ein weiterer Mechanismus greifen: Der Telenotarzt, der sozusagen remote arbeitet, also außerhalb sitzt und digital zugeschaltet werden kann.

Remscheid wird an dieses System, das Telenotarzt-System, nun angeschlossen. Guido Eul-Jordan, als Chef der Berufsfeuerwehr neben der Feuerwehr und dem Katastrophenschutz auch Chef des Rettungsdienstes, findet das System praktisch: „Und es funktioniert. Das System ist medizinisch abgesichert und stärkt die Notfallsanitäter, die ja in den letzten Jahren durch neue Qualifizierungen viele Kompetenzen hinzugewonnen haben, die sie nun noch selbstbewusster einsetzen können.“

So funktioniert der Telenotarzt in der Praxis

Praktisch läuft das so: In einer Leitstelle sitzt ein Notarzt, der bei Bedarf zugeschaltet wird. Er sieht und hört dann zu, kann Anweisungen und Hilfestellungen geben: „Er ist dann Augen und Ohren vor Ort“, sagt Eul-Jordan.

Bereits 2013 präsentierte das NRW-Gesundheitsministerium die Idee, um den Problemen zu begegnen, für den ländlichen Raum Notärzte im Rettungsdienst zu finden. Dass nun auch Städte zum Zug kommen, findet Guido Eul-Jordan verständlich und sinnvoll. Ob das perspektivisch bedeuten könnte, dass beispielsweise eine halbe der zwei Remscheider Notarzt-Stellen (Auf dem Knapp sowie Innenstadt-Wache) wegfallen könnte, mag er derzeit nicht prognostizieren.

Bis 2025 solle das Telenotarzt-System bedarfsgerecht und vollständig im gesamten Bundesland ausgebaut sein, verkündete das Ministerium dann im Dezember.

Der Telenotarzt ist Augen und Ohren vor Ort

Guido Eul-Jordan, Feuerwehrchef

Sechs Trägergemeinschaften erhielten den Zuschlag für je einen Telenotarzt-Standort, so beispielsweise die Stadt Köln oder der Zusammenschluss Dortmund, Unna und Hagen. Und eben auch die Gruppe Remscheid, Solingen, Wuppertal, Leverkusen sowie die Kreise Mettmann und Ennepe-Ruhr.

Guido Eul-Jordan, Chef der Berufsfeuerwehr 

Eul-Jordan weiß bereits zu berichten, dass der hiesige Telenotarzt in Leverkusen sitzen wird, als Backup-Leitstelle ist Mettmann vorgesehen. Sofern technisch alles läuft, sei es letztlich eben irrelevant, wo der Telenotarzt sitzt.

Dieses Wissen lernen Rettungssanitäter in der Ausbildung

Apropos Technik: Bis zur flächendeckenden Einführung ist es für die beteiligten Kommunen die Aufgabe, technisch fähige Rettungswagen (RTW) zu besitzen, daher werden voraussichtlich erst 2025 alle RTW der Trägergemeinschaft angebunden sein. Für 2022 plant der Zusammenschluss, mindestens einen RTW entsprechend umzurüsten. Berücksichtig werden die Anforderungen nun bei den Neubeschaffungen. In Remscheid passiert das auf einen Schlag: Für das zweite und dritte Quartal sind die neun neuen RTW, die letztes Jahr ausgeschrieben wurden, angekündigt. Alle Fahrzeuge werden zumindest die Möglichkeit bieten, technisch entsprechend nachrüstbar zu sein. Die ganz genauen Anforderungen sind noch unklar – doch sogenannte Leerrohre sind integriert, Nachrüsten ist also rasch möglich.

Hintergrund

Plan: Eine Analyse der Universität Maastricht hat ergeben, dass ein Telenotarzt-System, also ein Arbeitsplatz mit ganzjähriger Besetzung rund um die Uhr, 1 bis 1,5 Millionen Menschen versorgen könne. 12 bis 16 Telenotarzt-Systeme werden daher vom NRW-Gesundheitsministerium, das den flächendeckenden Ausbau bereits 2020 angekündigt hatte, angestrebt.

Pilot: Das Aachener Institut für Rettungsmedizin und zivile Sicherheit (ARS) begleitet das Projekt und macht die Erfahrungen aus der Pilotregion Aachen (seit 2014) für alle zugänglich.

Der Rettungsdienst in Wermelskirchen ist in 2022 teurer

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