Zukunft weiter ungewiss

Teich im Stadtpark verwandelt sich in bergischen Urwald

Hier plätscherte einst das Wasser. Der Stadtparkteich wird mittlerweile zum Urwald. Foto: Roland Keusch
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Hier plätscherte einst das Wasser. Der Stadtparkteich wird mittlerweile zum Urwald.

Die Zukunft des Gewässers im Stadtpark ist weiter ungewiss. Ein Gutachten wird im zweiten Halbjahr 2020 erwartet.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Der Teich im Stadtpark ist endgültig verschwunden. Wilde Pflanzen haben die ehemalige Wasserfläche erobert und sie in einen bergischen Urwald verwandelt. Dies wird vorerst auch so bleiben, wie die zuständige Fachdienstleiterin im Remscheider Rathaus Christina Kutschaty berichtet. „Wir warten nach wie vor auf die Ergebnisse des hydrogeologischen Gutachtens“, sagt sie. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob der Teich an dieser Stelle unter ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt Sinn macht.

Und so wartet auch der Chef der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) Michael Zirngiebl auf ein Signal, wie es denn weitergehen soll – mit dem künstlichen Gewässer, mit dem er sich jahrelang beschäftigte. 2018 wurde der Teich trocken gelegt, um Sondermüll auskoffern zu können. Denn das Gewässer, das Undichtigkeiten aufwies, hatte sich zum „Bioreaktor“ entwickelt, wie es Zirngiebl formulierte. Auf seinem Grund türmten sich die Hinterlassenschaften von Enten und Brot auf, mit dem die Tiere gefüttert werden sollten – der Teich verlandete zusehends.

Der Niedergang habe im Grunde vor fast zwei Jahrzehnten begonnen. „Damals fiel offenbar die hohe Wasserrechnung auf“, erklärt der TBR-Geschäftsführer. Weil der Teich keinen natürlichen Zulauf besitzt, wurde permanent Wasser nachgepumpt, auch um die Fontäne zu betreiben. Dies wurde eingestellt, das Gewässer verlor seinen Charakter als Zierteich. Stattdessen wurde er zum Tümpel, der immer mehr an eine Schlammlandschaft erinnerte.

2017 zeigte eine junge Wissenschaftlerin auf, wie er saniert werden könnte. Ergebnis: Zunächst muss der Sondermüll weg, dann ließe sich die Anlage mit einer Schicht aus Ton abdichten. Als Wasserzufuhr könne das Niederschlagswasser dienen, das vom Dach des Wasserbunkers in der Nähe in den Teich geleitet wird. Der Stadtrat stellte dafür einen Betrag von rund 500 000 Euro in den Haushalt 2019/2020 – mit der Auflage, in einer Bürgerwerkstatt sollten die Remscheider noch einmal das Pro und Contra abwägen. „Es wurden widerstreitende Meinungen deutlich“, blickt Christina Kutschaty zurück. Die einen wollten ihr Stück Heimat unbedingt behalten. „Andere konnten sich an dieser Stelle durchaus auch etwas anderes vorstellen, das einen Bezug zum Wasser hat.“

Die Fachdienstleiterin würde in jedem Fall davon abraten, zu den Zeiten des Zierteiches zurückzukehren – mit der Konsequenz, die Anlage mit Frischwasser betreiben zu müssen. „Allein schon wegen der hohen Unterhaltungskosten. Das wäre viel zu teuer.“ Doch: Woher sonst soll das Wasser herkommen? Die Variante, Niederschlagswasser vom Wasserbunker zu nutzen, soll zwar von den Gutachtern untersucht werden. In einer Zeit, die von langen Trockenheitsperioden geprägt ist, erscheint diese Lösung aber als eher unwahrscheinlich.

Zwei alternative Standorte kommen in Frage

Daher nehmen die Fachleute zusätzlich zwei alternative Standorte für einen Teich unter die Lupe – und zwar dort, wo sich Quellen bzw. Brunnen befinden. „Diese befinden sich im benachbarten Edelhoff-Park und im nordwestlichen Teil des Stadtparks“, erklärt Christina Kutschaty, die hofft, dass im zweiten Halbjahr 2020 die Ergebnisse vorliegen und den Ortspolitikern zur Beratung vorgelegt werden können. Aber: Eine schnelle Lösung ist somit für den bergischen Urwald an der Stelle des Teichs nicht in Sicht. 

Standpunkt: Entscheidung muss her

Von Frank Michalczak

Wer mit dem Stadtpark Jugenderinnerungen verbindet, dürfte es schwer ums Herz werden: Der Teich ist verschwunden und einer ungastlichen Wildwuchs-Landschaft gewichen. Dabei hatte der Stadtrat Geld für seine Sanierung zur Verfügung gestellt – und das auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Arbeit.

frank.michalczak@rga-online.de

Die Frage, ob er an seinem bisherigen Standort überhaupt eine Zukunft hat, soll nun ein Gutachten beantworten, bei dem weniger die nostalgischen Heimatgefühle der Remscheider eine Rolle spielen, sondern vor allem Daten und Fakten rund um die Wasserzufuhr, die sich als problematisch darstellt. 

Fest steht aber, dass nach jahrelangem Hin und Her in der Kommunalpolitik, nach zahllosen Arbeitsstunden bei den Technischen Betrieben und der Stadtverwaltung noch immer nicht feststeht, wie denn mit dem Gewässer zu verfahren ist. Es wird einstweilen seinem Schicksal überlassen. Hoffentlich ringen sich die Politiker im nächsten Stadtrat endlich zu einer Entscheidung durch. Denn es kann nicht in ihrem Sinne sein, dass es so bleibt, wie es jetzt ist – und von dem Teich endgültig ein Urwald bleibt. 

Düsseldorf und Köln haben einen, Monheim ebenfalls: einen Wasserspielplatz. Bald könnte auch Remscheid solch ein Erlebnisparadies für Familien bekommen: Die Technischen Betriebe (TBR) sprechen sich für einen Wasserspielplatz in der Grünanlage Kuckuck aus.

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