Interview der Woche

TBR-Chef freut sich auf Kreisverkehr

Die Diskussion um einen Kreisverkehr Eisernstein in Lüttringhausen begleitet Michael Zirngiebl seit seinem Dienstantritt in Remscheid im Jahre 1987. Nächstes Jahr, hofft er, könnten die Planungen so weit fortgeschritten sein, dass die Umsetzung beginnen kann. Foto: Roland Keusch
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Die Diskussion um einen Kreisverkehr Eisernstein in Lüttringhausen begleitet Michael Zirngiebl seit seinem Dienstantritt in Remscheid im Jahre 1987. Nächstes Jahr, hofft er, könnten die Planungen so weit fortgeschritten sein, dass die Umsetzung beginnen kann.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Michael Zirngiebl bilanziert Ausbau der Knotenpunkte und blickt auf kommende Herausforderungen.

Herr Zirngiebl, Lennep war in den vergangenen Jahren von Großbaustellen geprägt. Sowohl die Trecknase als auch die Kreuzung Ring-/Rader Straße wurden mit Millionenaufwand ausgebaut. Wie bewerten Sie denn das Ergebnis?
Michael Zirngiebl: Das Ergebnis ist positiv. Durch den Ausbau der beiden Kreuzungen ist es gelungen, den Verkehr deutlich zu verstetigen. Dauerstaus wie in der Vergangenheit haben wir nicht mehr. Das Ganze hat auch Vorteile für den ÖPNV, der ebenfalls verstetigt und beschleunigt wurde. Bei den Planungen zur Ring-/Rader Straße stand leider ein Aspekt nicht im Fokus – nämlich, wie wir den Radverkehr über die Kreuzung bringen können. Hier muss nach meiner Meinung noch nachgearbeitet werden. Der nach dem Umbau erweiterte Verkehrsraum sollte hierfür Möglichkeiten bieten. Insgesamt hat sich die Verkehrsinfrastruktur deutlich verbessert, auch durch den lärmoptimierten Asphalt auf der Ringstraße und in Bergisch Born.
Welche Baustellen kommen denn 2021 auf die Autofahrer in Remscheid zu?
Zirngiebl: In dieser Dimension wie zuletzt in Lennep wird es keine geben. Wir planen für die Sommerferien aber einige Deckensanierungen, zum Beispiel im Abschnitt zwischen Eisernstein und der Lüttringhauser Straße. Ich hoffe, dass die Planungen für den Kreisverkehr Eisernstein im nächsten Jahr so weit fortgeschritten sind, dass dann die Umsetzung erfolgen kann. Die Maßnahme begleitet mich seit meinem Dienstantritt in Remscheid im Jahre 1987. Ich halte den Umbau der Kreuzung für sinnvoll. Remscheid würde es jedenfalls gut zu Gesicht stehen, endlich mal einen schönen Kreisverkehr zu erhalten. Eine weitere Herausforderung erwartet uns 2022 beim Umbau des Friedrich-Ebert-Platzes. Dieses Projekt dürfte noch komplizierter werden als der Umbau der Kreuzung Ring-/Rader Straße.
In der vergangenen Woche ist der Winter zurückgekehrt – und das mit Macht. Vor welchen Herausforderungen standen dabei Ihre Mitarbeiter? Es soll ja so manche Beschwerde bei den Technischen Betrieben gegeben haben.
Zirngiebl: Wir geben uns beim Winterdienst größte Mühe, haben aber mit diesen Schneemengen nicht gerechnet. Die Daten vom Deutschen Wetterdienst, auf die wir zurückgreifen, sind leider nicht immer aussagekräftig. Und wenn der Schneefall ausgerechnet im Berufsverkehr einsetzt, hat unser Winterdienst ohnehin schlechte Karten, weil die Streufahrzeuge auch im Stau stehen und sich bei Stop-and-go schnell eine Eisschicht bildet. Aber es ist allgemein wie im Fußball nach dem Spiel: Da gibt es im Zweifel 80 Millionen Bundestrainer, in Remscheid haben wir nach dem Winterdiensteinsatz 110 000 Einsatzleiter, die sich darüber ärgern, wenn ihre Mobilität eingeschränkt ist. Der Ärger ist aber verständlich.
Welche Schäden hat der Winter 2020/2021 denn auf den Straßen hinterlassen? Wie sieht Ihre erste Bilanz aus?
Zirngiebl: Eine Bilanz ziehen wir in den nächsten Wochen, wenn wir die Schlaglöcher auflisten. Klar ist, dass die Temperaturschwankungen im Februar Auswirkungen haben werden. Wir hatten es mit einem Unterschied innerhalb einer Woche von 30 Grad zu tun – von minus zehn auf plus zwanzig Grad. Das war bestimmt nicht substanzerhaltend. Ich bin dem Kämmerer dafür dankbar, dass er in den vergangenen Jahren deutlich mehr Mittel für Deckensanierungen zur Verfügung gestellt hat. Es wird aber dabei bleiben: Die Infrastruktur zu verbessern, wird für Generationen ein Thema sein.
Immer wieder gibt es Kritik wegen überfüllter Wertstoff-Container und Beschwerden über Müllberge, die sich an den Standorten auftürmen. Müssen die Papier-Behälter nicht häufiger geleert werden – insbesondere wegen der Flut an Paketen und Online-Bestellungen in Pandemie-Zeiten?
Zirngiebl: Das ist bereits geschehen. Wir haben den Leerungsrhythmus deutlich erhöht, Samstagstouren eingeführt und auch die Standortreinigung verdoppelt. Aber wir haben es eben leider vielfach mit dem Verhalten einzelner Bürger zu tun, die mit krimineller Energie einfach ihre Abfallberge an die Container stellen. Da stellt sich mir auch die Frage, wie sie mit der Umwelt und unserer Stadt umgehen. Es ist auch für die Kollegen ärgerlich, die gerade eben einen Standort gereinigt haben, um dann auf den Weg zu unserer Zentrale an der Nordstraße wieder zurückbeordert zu werden, weil wieder Müll abgestellt wurde. Leider haben wir kaum Möglichkeiten, die Verursacher zu ermitteln. Videoaufnahmen sind im öffentlichen Raum verboten. Insgesamt hat aber die Zahl der Beschwerden nach den von uns umgesetzten Maßnahmen nachgelassen.
Stichwort: Wiederverwertung. Wann bekommen denn die Remscheider die gelbe Tonne, die den gelben Sack ablösen soll. Und wie bewerten Sie denn ganz allgemein das Recycling-Konzept, das Ihnen ja vorgegeben wird?
Zirngiebl: Schon jetzt ist es möglich, die gelbe Tonne per Antrag zu bekommen. 2023 wird sie flächendeckend eingeführt. Dann wird auch der Entsorgungsrhythmus von vier auf zwei Wochen verkürzt. Für mich ist die Flut an gelben Säcken ohnehin ein Treppenwitz. Wir sprechen von Kunststoffbelastung in den Meeren und setzen diese Säcke ein. Das macht keinen Sinn. Der Gesetzgeber sollte ohnehin an einer anderen Stelle ansetzen und klar vorschreiben, welche Stoffe überhaupt in den Kreislauf gelangen sollen und welche nicht. Und: Die Deutschen sind weder Trenn- noch Recycling-Weltmeister, wie viele meinen. Noch nicht einmal 20 Prozent der in der gelben Tonne gesammelten Plastikabfälle werden stofflich wiederverwertet. Die Reduzierung von Kunststoffen muss gesetzlich vorgeschrieben werden. Es gibt ein Leben ohne Einweg-Coffee-to-go-Becher. Und es ist wahrlich kein Verlust der Lebensqualität, darauf oder auch auf Plastiktüten zu verzichten.
Sie haben vor zwei Jahren ein Sofortprogramm angekündigt, um die Kölner Straße in Lennep zu verschönern. Was ist denn daraus geworden?
Zirngiebl: Wir haben in einem ersten Schritt unnötige Schildermasten beseitigt, neue Papierkörbe aufgestellt und in Höhe der ehemaligen Schule Glocke mittlerweile nicht mehr notwendige Absperrungen beseitigt. In diesem Jahr sind zwei Bereiche an der Reihe. Die Haltestelle am Kreishaus wird umgestaltet. Zudem entsteht an der Sparkasse eine kleine Grünfläche mit Sitzgelegenheiten. Dort ist mittlerweile der Brunnen abgebaut worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass der jemals geplätschert hat. Außerdem stellen die Pilgerfreunde dort ihre Jakob-Statue auf. Wir senden damit erste kleine Signale zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Klar ist aber auch, dass die Kölner Straße in Gänze saniert werden muss. Dabei könnten dann auch wieder die früheren Boulevard-Überlegungen aufgegriffen werden.
Sie haben sehr viel Arbeit investiert, um den Bau des Outlet Centers vorzubereiten. Wie frustriert sind Sie, dass es nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vorerst nicht realisiert werden kann. War all die Mühe umsonst? Und: Glauben Sie persönlich noch an den DOC-Bau?
Zirngiebl: Natürlich ist das frustrierend. Ich habe das Projekt fünf, sechs Jahre intensiv begleitet und unter anderem den Bauzeitenplan mitentwickelt. Das Urteil beruht ja nicht auf inhaltlichen Gesichtspunkten, wie etwa der Verkehrsanbindung, sondern auf rein formalen Kriterien. Dabei wurde eine Rechtsauffassung zugrunde gelegt, die es vor einigen Jahren so nicht gab. Das verstehen nur noch Rechtsprofessoren. So wird es in Deutschland kein Großprojekt mehr geben können. Aber: Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es gebaut wird. Die Stadt Remscheid hat ja das Bundesverwaltungsgericht eingeschaltet. Es gilt, das Urteil abzuwarten.

TBR

Michael Zirngiebl (62) leitet als Geschäftsführer der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) ein Team mit 360 Mitarbeitern, die ein breites Aufgabenspektrum abdecken. Dazu zählt die Müllentsorgung ebenso wie die Straßenreinigung. Hinzu gesellen sich Friedhöfe und der Forstbereich. Auch Straßen- und Brückenbau fällt in die Zuständigkeit der Technischen Betriebe, die 2014 entstanden sind.

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