Nach Wiebel-Insolvenz

Darum blickt die Taxibranche mit Sorge in die Zukunft

Armin Schötz, Geschäftsführer der Funktaxi-Vereinigung, will sich für eine Erhöhung der Taxitarife einsetzen. Archivfoto: Michael Schütz
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Armin Schötz, Geschäftsführer der Funktaxi-Vereinigung, will sich für eine Erhöhung der Taxitarife einsetzen.
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Steigender Mindestlohn und wachsende Kraftstoffpreise belasten die Unternehmen in Remscheid.

Remscheid. Die Insolvenz des Traditionsunternehmens Taxi Wiebel wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Branche: Bei der letzten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) im bergischen Städtedreieck gaben 33 Prozent der Mietwagenbetriebe an, dass sie mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation rechnen. „Ein Großteil geht von einer gleichbleibend schlechten Lage aus. Nur elf Prozent glauben an eine Verbesserung“, erklärt IHK-Geschäftsführer Thomas Wängler.

22 Remscheider Taxiunternehmen standen zuletzt auf der Liste der Handelskammer. Dahinter verbergen sich zumeist kleine Unternehmen mit wenigen Fahrzeugen. Sie haben sich zur Funk-Taxi-Vereinigung Remscheid zusammengeschlossen. Diese sei täglich rund um die Uhr im Einsatz, wie Geschäftsführer Armin Schötz berichtet. „Das galt auch für die Zeit der Lockdowns, als das Leben in Remscheid weitgehend stillstand“, blickt er auf düstere Zeiten der Pandemie zurück.

Und auch heute noch sei spürbar, dass weniger Menschen unterwegs seien, wobei er dies vor allem auf Fahrten zu Gaststätten und Kulturveranstaltungen bezieht. „Dafür gibt es mehr private Feiern, die wir ansteuern“, erklärt Schötz, dessen Funk-Taxi-Vereinigung nach der Wieber-Insolvenz Anfang November quasi über Nacht die Fahrten des Betriebs übernehmen musste – auch die Transporte schwerkranker Menschen zu Krankenhäusern oder Ärzten, die ansonsten der Mitbewerber geleistet hat. „Die ersten Tage waren turbulent. Wir mussten Kapazitäten freischaufeln, Sonderschichten organisieren“, sagt der Geschäftsführer.

Remscheid: Lohnkosten sind für Taxi-Betriebe ein wesentlicher Faktor

Nicht nur die Pandemie habe Spuren in der Branche hinterlassen. Erschwert werde die wirtschaftliche Lage auch durch den steigenden Kraftstoffpreis. „Noch vor ein paar Monaten kostete ein Liter Diesel 1,10 Euro. Nun sind wir bei 1,55 Euro angekommen.“ Doch: Dieser Faktor spiele in der Kalkulation noch nicht einmal die Hauptrolle. Viel stärker schlagen in der Branche die Lohnkosten zu Buche, berichtet Schötz, der mit Sorge auf eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns blickt. Diesen will die SPD, die vermutlich die künftige Bundesregierung anführen wird, von derzeit 9,60 auf 12 Euro anheben.

„Um es ganz klar zu sagen: Unsere Fahrer haben das verdient“, betont Schötz. Auf der anderen Seite müsse er die wirtschaftliche Lage der Betriebe im Auge behalten. Diese können die Preise nicht frei bestimmen und sind somit nicht in der Lage, Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben.

Der Stadtrat entscheidet über die Taxitarife. Die letzte Erhöhung erfolgte 2019, nachdem Schötz einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Und auch jetzt sammele er Argumente – und will sich erneut an die Ortspolitiker wenden, wie er ankündigt: „Die Löhne machen 60 bis 70 Prozent der Kosten in den Betrieben aus“, erklärt der Geschäftsführer auch im Hinblick auf die Erhöhung der Mindestlöhne, welche die SPD zur Bedingung für eine Ampel-Koalition gemacht hat.

Eine gute Nachricht hat er Schötz für die ehemaligen Wiebel-Fahrer. Es zeichne sich ab, dass ein Großteil von ihnen eine Perspektive in den Taxibetrieben finde, die der Funkwagen-Vereinigung angehören. „Wir versuchen alles, um sie zu vermitteln“, erklärt Schötz mit Blick auf die Insolvenz. Nach 71 Jahren wurde der Betrieb von Taxi Wiebel eingestellt.

Kleinunternehmen

Im bergischen Städtedreieck gibt es laut IHK 206 Taxi-/Mietwagenunternehmen. Ein Großteil der Unternehmer seien Einzelwagenunternehmer, gefolgt von Unternehmen, die maximal zwei Fahrzeuge einsetzen. Mehrwagenunternehmen mit drei, vier oder fünf Fahrzeugen seien die Ausnahme.

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