Jeden Morgen ist die Zeitung im Briefkasten

Tatjana Kliem bringt den RGA ins Haus

Tatjana Kliem sorgt dafür, dass der General-Anzeiger jeden Tag pünktlich ins Haus kommt. Sie trägt seit 19 Jahren die Tageszeitung in Remscheid, Rade, Hückeswagen und Wermelskirchen aus. Foto: Michael Schütz
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Tatjana Kliem sorgt dafür, dass der General-Anzeiger jeden Tag pünktlich ins Haus kommt. Sie trägt seit 19 Jahren die Tageszeitung in Remscheid, Rade, Hückeswagen und Wermelskirchen aus.

Am Samstag ist der Tag der Zeitungsausträger. Tatjana Kliem ist täglich in Radevormwald, Hückeswagen, Wermelskirchen und Remscheid im Einsatz.

Von Sabine Naber

Remscheid. Am Samstag ist der Tag, an dem alle Zeitungsausträgerinnen und -träger gefeiert werden. Eine von ihnen ist Tatjana Kliem (44) aus Schalksmühle. Sie arbeitet als Vollzeitkraft, hat eigene Bezirke, ist aber täglich auch als „Springerin“ in Radevormwald, Hückeswagen, Wermelskirchen und Remscheid im Einsatz.

„Ich habe 2002 klein angefangen, erst einmal in einem Zustellbezirk ausgeholfen“, erzählt die gelernte Tierarzthelferin. Dann habe sie einen eigenen Bezirk in Radevormwald bekommen und Vertretungen übernommen. „Als es immer mehr wurde, bin ich da so reingewachsen und arbeite seit 2019 in Vollzeit.“

Zu Zeiten, in denen sich die meisten Menschen noch einmal gemütlich im Bett umdrehen. Denn nachts gegen ein Uhr schellt bei Tatjana Kliem der Wecker. „Um halb zwei fahre ich dann los, bis zur Stadtgrenze in Radevormwald brauche ich rund eine halbe Stunde.“ An der Stelle, an der die Spedition die Zeitungen abgelegt hat, holt sie sich den ersten Schwung, und los geht es.

Der Job des Zeitungsausträgers ist arbeitsintensiv

Gestern hat sie beispielsweise erst einmal dreieinhalb Bezirke in Rade bedient. „Der halbe Bezirk kommt zustande, weil der Zusteller dort krank ist und ich mir den Landbezirk mit einer Kollegin teile.“ Weiter ging es nach Wermelskirchen, wo in drei weiteren Bezirken die Zeitungsleser auf ihre Morgenlektüre warteten.

„Danach bin ich nach Hause gefahren, habe gefrühstückt und mich dann hingelegt. Aber nicht so sehr lange, denn in Wuppertal fiel ein Zusteller aus. Gegen 14 Uhr war ich gestern dann wirklich fertig mit der Arbeit“, schildert Tatjana Kliem einen ziemlich normalen Arbeitstag, der aber in der Urlaubszeit noch einmal arbeitsintensiver ist.

Ab dem dritten Bezirk sei das Austragen schon ziemlich anstrengend. Aber sie mache die Arbeit nach wie vor gerne. „So ein bisschen ist man dabei ja sein eigener Chef. Und neben Dauerregen oder Glatteis – da habe ich mir vor Jahren mal die Hand bei einem Sturz so geprellt, dass ich drei Tage ausfiel – hat die ungewöhnliche Arbeitszeit durchaus auch ihre schönen Seiten. Wer sieht beispielsweise so oft den Vollmond wie ich – oder begegnet mal einer Kuh auf der Straße.“

Jeden Morgen eine Süßigkeit auf dem Briefkasten

Angst habe sie nachts nicht. Obwohl ihr hin und wieder schon Angsteinflößendes passiert ist. Einmal sei sie wohl für eine Einbrecherin gehalten worden: „Da ist ein Mann mit einem Baseball-Schläger hinter mir hergerannt. Das war schon ein bisschen spuki.“ Ein wenig unheimlich seien ihr auch die Halloween-Nächte, wenn da noch so ein paar „Übriggebliebene“ auf den Straßen rumlaufen. Und in Remscheid sei ihr mal ein angetrunkener Mann hinterhergelaufen und wollte sie am Nacken packen: „Da habe ich mich schnell getrollt“, kann sie sich gut erinnern.

Auch nette Dinge passieren immer mal. Zum Beispiel habe sie sich bei einer Vertretungsrunde gewundert, warum auf dem Briefkasten einer Zeitungsleserin an jedem Morgen eine kleine Süßigkeit lag. „Ich habe sie zunächst liegenlassen, dachte, dass sie vielleicht für eine Nachbarin bestimmt sei. Aber dann öffnete sich eines Morgens die Tür, und die Zeitungsleserin erklärte mir, dass sie das mit dem Zusteller so verabredet habe. Wenn mal nichts auf dem Briefkasten läge, dann wüsste er, dass etwas nicht in Ordnung sei und könnte die Polizei rufen.“

Freunde und Bekannte hätten zunächst über ihre ungewöhnlichen Arbeitszeiten gestaunt. „Klar, für Nachteulen ist das nichts. Ich gehe meistens so gegen 20 Uhr schlafen, sonst würde mir das morgendliche Aufstehen schon schwerfallen. Aber so habe ich tagsüber auch genug Zeit, mich um meine Mutter zu kümmern.“

Hintergrund

Geschichte: Der 4. September ist der Tag der Zeitungsausträger. Er wird in den USA gefeiert und ehrt Barney Flaherty, den ersten Zeitungsausträger, der im Jahre 1833 eingestellt wurde. Der 4. September war der Jahrestag seiner Einstellung.

Kontakt: Wer gerne als Zeitungsausträger arbeiten möchte, erfährt mehr unter:

melo-rheinland.de

Die „Schatzkiste“ öffnet nach Zwangspause wieder - Heinz Gröning kommt.

Aufmerksamkeiten für Zeitungszusteller und Co. Es gibt klare Regeln fürs „Neujährchen“.

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