Jubiläum

Tanzschule Wieber: Familie bringt Menschen zum Tanzen

Ulla Wieber im großen Saal der Tanzschule. Noch heute zieht dort ein Foto Blicke auf sich, dass an die sportlichen Glanzleistungen von ihr und ihrem Mann Ralf erinnert.
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Ulla Wieber im großen Saal der Tanzschule. Noch heute zieht dort ein Foto Blicke auf sich, dass an die sportlichen Glanzleistungen von ihr und ihrem Mann Ralf erinnert.
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Alfred Wieber gründete die Tanzschule vor 75 Jahren. Treffpunkt ist heute an der Ludwigstraße.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Vom langsamen Walzer im Lenneper Café Grah bis zum Hip-Hop-Kurs in der Tanzschule an der Ludwigstraße war es eine lange Wegstrecke für Familie Wieber, die das 75-jährige Bestehen ihres Unternehmens feiert. Generationen lernten bei ihr die passenden Schritte fürs Parkett, übten den Hochzeitstanz oder trafen sich zum Discofox. „Vieles hat sich im Laufe der Jahre verändert. Wir mussten mit der Zeit gehen“, blickt Seniorchefin Ursula Wieber (67) zurück, die ihren Sohn Christoph (33) weiterhin unterstützt. Er führt das Geschäft in der dritten Generation, nachdem seit Vater Ralf im vergangenen Jahr starb.

Margot und Alfred Wieber gründeten die Tanzschule.

Die Wurzeln der Tanzschule liegen bei dessen Opa: Robert Mandt war in den 30er Jahren kreuz und quer unterwegs, um in Gaststätten kleine Kurse zu geben. „Mit dem Plattenspieler im Gepäckträger“, berichtet Ursula Wieber. Die Leidenschaft zum Tanzen gab Mandt offenbar an seine Tochter Margot weiter.

Sie machte sich mit ihrem Ehemann Alfred Wieber selbstständig, indem die beiden Schüler im Café Grah unterrichteten. „Das waren damals Standardtänze, also Walzer, Foxtrott, vielleicht ein Tango. Lateintänze kamen erst später auf“, erklärt die 67-Jährige über die Anfänge ihrer Schwiegereltern.

Tanzstunden in Nachbarschaft zum Wiener Wald

Diese eröffneten in der Nachkriegszeit ihre erste Tanzschule in der Nähe der Lutherkirche. Es folgte der Umzug zum Markt, am damaligen Wiener Wald, ehe 1968 der heutige Standort an der Ludwigstraße errichtet wurde. Sieben Jahre später stieg Ursula Wieber in das Geschäft ein. „Ich hatte meinen Mann in Hamburg kennengelernt, wo er sich zum Tanzlehrer ausbilden ließ.“

Die beiden entpuppten sich auch neben ihrem Beruf als Erfolgsduo – nach nur zwei Jahren gemeinsamen Training schafften sie es bis ins Finale der Deutschen Profi-Meisterschaften im Lateintanz. Mehrfach wurden sie Titelträger in NRW. Und noch heute erinnert ein Foto an die sportlichen Glanzleistungen der beiden, das im Tanzsaal an der Ludwigstraße die Blicke auf sich zieht.

Tanzschule geht mit der Zeit

Dieser ist Treffpunkt für feste Tanzkreise und Kurse, wobei zuletzt mit „Windelflitzer“ ein Angebot für Mädchen und Jungen ab zwei Jahren hinzukam. „Mit ihrem Vater oder ihrer Mutter tanzen sie zu bekannten Melodien – etwa vom Kinderliederkomponisten Volker Rosin.“, erläutert die 67-Jährige, die selbst stets dazulernen muss.

Ein Beispiel war der Kult um den Film „Dirty Dancing“ Ende der 80er Jahre. „Alle wollten Mambo tanzen. Ich habe mir den Film fünf Mal im Kino angesehen, um mir die Tanzschritte aufzuschreiben. Videos im Internet gab es damals noch nicht“, erinnert sich die Tanzlehrerin, die sich darüber freuen würde, wenn die Jugend wieder mehr Interesse an Samba, Rumba und Co. entwickeln würde.

Zählte es noch bis in die 80er Jahre zum guten Ton, die Schritte zu erlenen, so hat die Nachfrage bei Schülern nachgelassen. „Das begann in der Zeit, als Handy und Internet aufkamen. Außerdem haben viele ja nun nachmittags Unterricht“, erklärt Ursula Wieber. Sie steht noch immer noch nahezu täglich in der Tanzschule bereit – entweder, um zu unterrichten oder um die Gäste an der Theke mit Getränken zu versorgen.

Das Ganze mache ihr weiterhin großen Spaß. Denn: Tanzen wollte sie schon immer, wie Ursula Wieber sagt. Und den passenden Partner hat sie mit ihrem Ralf dann schließlich auch gefunden. „Und die nächste Generation steht ja schon fast in den Startlöchern“, fügt sie mit Blick auf ihr Enkelkind hinzu, das jetzt ein Jahr alt ist.

Tag der offenen Tür

Termin: Für diesen Samstag, 19. November, lädt die Tanzschule Wieber passend zu ihrem Jubiläum zu einem Tag der offenen Tür ein. Dieser beginnt um 15 Uhr mit einer Vorstellung der „Windelflitzer“ – dem Kursangebot für Kinder ab zwei Jahre. Im weiteren Programm gibt es Salsa, Discofox und einen Überraschungsabend, der um 20 Uhr startet.

Kontakt: Tel. (0 21 91) 92 76 63. tanzschule-wieber.de

Standpunkt von Frank Michalczak: Sein Einsatz fehlt

frank.michalczak@rga.de

Ralf Wieber war nicht nur als Tanzlehrer in Remscheid bekannt, sondern auch als entschiedener Fürsprecher für Handel und Wandel an der Alleestraße. Er arrangierte offene Sonntage, sorgte für Blumenschmuck an den Laternen und trieb die Immobilien- und Standortgemeinschaft voran, die zu mehr Zusammenhalt unter Geschäftsleuten und Hausbesitzern führen sollte.

Ein Jahr nach seinem Tod wird überdeutlich, wie sehr sein Engagement fehlt. Während in Lennep vielfältige Persönlichkeiten dazu beitragen, den Ort voranzubringen und ihm mit Veranstaltungen Profil zu geben, mangelt es in der Remscheider Innenstadt an Menschen, die im Ehrenamt etwas bewegen wollen.

Aber: Über eines würde sich Ralf Wieber ganz sicher freuen, ist sich seine Frau Ursula sicher: „Seine“ Weihnachtssterne hängen wieder über der Alleestraße, wo sie für Lichtblicke in der Vorweihnachtszeit sorgen. Manches ist eben von Dauer – zum Glück.

Passend dazu: Alleestraße: So geht es der Einkaufsstraße in Remscheid

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