RGA vor Ort

Schulgärten sollen Kinder an die Natur heranführen

Zum Schulhof und Spielplatz soll die GGS Dörpfeld Garten erhalten: Judith Flohr, Reiner Höpken (l.), Sebastian Hill.
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Zum Schulhof und Spielplatz soll die GGS Dörpfeld Garten erhalten: Judith Flohr, Reiner Höpken (l.), Sebastian Hill.
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Die GGS Dörpfeld und Mannesmann kooperieren mit dem Gärtnereibetrieb Höpken. Schüler sollen ihre Vorstellungen mit einbringen können.

Remscheid. Dass Schulleitungen sich auf dem kurzen Dienstweg eben über den Gartenzaun austauschen, ist nicht die Regel. Bei Judith Flohr und Sebastian Hill ist dies möglich. Sie sind Nachbarn in der Solinger Straße. Als Verantwortliche der beiden Grundschulen im Südbezirk verbindet sie nicht nur ihre zwei Kilometer auseinandergelegenen Standorte in der Ost- und Burger Straße. Gärten sind ein Stichwort, das sie beruflich demnächst aufgreifen werden. Nach den Sommerferien startet an der Dörpfeld- und der Mannesmannschule eine Kooperation mit Reiner Höpken.

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Der Burscheider Gärtnermeister will helfen, an beiden Grundschulen einen Schulgarten einzurichten. Judith Flohr und ihr Kollegium haben beschlossen, ihren alten zu reaktivieren. Flohr erinnert sich: „Damals fühlte sich am Ende keiner mehr verantwortlich.“ Das soll nun anders werden.

„Der Schulgarten wird an eine Jahrgangsstufe gebunden, nachmittags wird es über die OGS zusätzlich eine AG geben.“ Eltern und Nachbarschaft sollen eingebunden werden. Es gab nämlich Zeiten, da verschwanden die Bretter vom Hochbeet. „Da sollen nun alle gemeinsam ein Auge darauf werfen“, kündigt Judith Flohr an. Der Garten entsteht auf dem länglichen Stück Rasen vor dem Gebäude.

Mannesmann hofft weiter, dass der alte Pavillon abgerissen wird

Reiner Höpken, als Marktbeschicker auf dem Theodor-Heuss-Platz Remscheid seit vielen Jahren verbunden, unterstützt schon immer tatkräftig, wenn es um das Heranführen Jugendlicher an die Natur geht. „Es ist wichtig, dass Schulen sich für die Umwelt interessieren. Früher wussten viele noch, was wann wo gepflanzt wird, heute ist dieses Grundwissen verloren gegangen“, bedauert der Gärtner. Ganz uneigennützig denkt Höpken freilich nicht. Perspektivisch hat er im Hinterkopf, Nachwuchs für seinen Beruf zu begeistern. „Das ist unheimlich schwer geworden“, meint der Chef eines Unternehmens mit zwölf Mitarbeitern. Die 370 Dörpfeldkinder (105 davon am Standort Struck) werden in die Planung eingebunden.

Das soll auch an der kleinen Mannesmannschule so sein. Die 185 Schüler(innen), die am 10./11. August ins Schuljahr 2022/23 starten werden, hatten bislang keinen Schulgarten. Sebastian Hill, kommissarischer Schulleiter, könnte sich diesen gut an der Stelle vorstellen, an der heute der alte Pavillon steht. Mehrfach wurde die Bitte an die Stadtverwaltung herangetragen, diesen abzureißen, um den freiwerdenden Raum anders nutzen zu können. Geschehen ist nichts. Sebastian Hill und Judith Flohr, die wöchentlich mit drei Stunden als Schulleiterin der Mannesmann offiziell abgeordnet ist, sehen aber eine Dringlichkeit: „Denn der Pavillon wird auch fremdgenutzt und ist Anziehungspunkt für Vandalen.“

Die Grundschulen eint, dass ihre OGS (120 in Dörpfeld, 75 in Struck, 115 in Mannesmann) am Anschlag sind, vor allem aber auch die Eingangsklassen rappelvoll sind. Mannesmann wächst von 155 auf 185 Schüler, noch größere Platzprobleme plagen die Schule Dörpfeld. Der Hauptstandort an der Oststraße 6, der zweizügig ist, muss von dieser Norm abweichen. Es werden drei 1., 2. und 4. Klassen gebildet sowie zwei 3. Klassen, die mit jeweils 31 Kindern über dem Maximum von 30 liegen werden.

OGS: Mütter fühlen sich allein gelassen

Für die dritte 1. Klasse an der GGS Dörpfeld wird ein OGS-Raum umfunktioniert. Judith Flohr und ihre Stellvertreterin Kathrin Wilms setzen im altehrwürdigen Gebäude aus dem Jahr 1903 auf multiprofessionell genutzte Räume, um den Mangel irgendwie abzufedern. Weil es am Brandschutz hapert, muss Dörpfeld mittelfristig während einer Sanierung ausziehen. Wohin ist die bange Frage. Die städtische Überlegung, dass das Weiterbildungskolleg an der Bökerhöhe als Interimsort infrage käme, versetzte viele Eltern in Schrecken, als sie darüber im RGA lasen. Neuere Erkenntnisse gibt es bislang nicht.

Es wird sich auszahlen. Diese Zentren sind das Richtige für Remscheid.

Judith Flohr, Schulleiterin

Fakt ist: Seit dem 1. Juli zählen Dörpfeld und Mannesmann neben Kremenholl und Hackenberg zu den ersten Familiengrundschulzentren in dieser Stadt. Die in NRW neu geschaffenen Einrichtungen – analog zu den Familienzentren an Kitas – werden langsam aufgebaut und mit Landesförderung angeschoben. Dafür stehen 90 000 Euro in Remscheid im ersten Jahr zur Verfügung. „Dabei werden wir unsere ohnehin guten Netzwerke nutzen“, versprechen Flohr und Hill.

4,4 Millionen Euro fließen in die Remscheider Schulen

Zum Beispiel für Kochangebote, Bewegungs- oder Bildungsprojekte sowie Beratungen. „Wir sind der ärmste Bezirk in Remscheid mit einem hohen Migrationshintergrund und bildungsfernen Eltern“, meint Judith Flohr. Sebastian Hill denkt an den Übergang zur weiterführenden Schule. „Da ist der Beratungsbedarf bei den Eltern immens“, sagt der 32-Jährige, der dabei ist, mit einer Fortbildung später eine Schulleitung übernehmen zu können.

Personell sind für das Familien-Grundschulzentrum fünf Stunden pro Woche und Schule vorgesehen. Das wird nicht reichen. „Es wird viel Arbeit auf uns zukommen. Dafür brauchen wir ein engagiertes Kollegium“, sagen die beiden. Aber: „Es wird sich auszahlen. Diese Zentren sind das Richtige für Remscheid“, ist sich Judith Flohr sicher.

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